https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/afghanistan-nach-erdbeben-viele-doerfer-von-aussenwelt-abgeschnitten-18123452.html

Nach verheerendem Erdbeben : Hilfe in Afghanistan läuft nur langsam an

Abgelegene Bergregion: Ein Hubschrauber der Taliban bringt Hilfe. Bild: Reuters

Viele der schwer von dem Beben betroffenen Dörfer sind nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten. Betroffen sind wahrscheinlich auch Tausende Kinder. Hilfskräfte aus Deutschland sind auf dem Weg in das Katastrophengebiet.

          2 Min.

          Nach dem schweren Erdbeben mit mindestens Tausend Toten läuft die Hilfe im Osten Afghanistans nur langsam an. Zahlreiche Orte in der schwer zugänglichen Bergregion an der Grenze zu Pakistan sind weiter von der Außenwelt abgeschnitten, Straßen unbefahrbar und die Kommunikationsnetze zerstört. Ein Sprecher der Militärverwaltung der herrschenden Taliban in der Provinz Paktika sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es sei bislang kaum möglich, sich ein umfassendes Bild von der Lage zu machen. Zu vielen der besonders betroffenen Gebiete gebe es weiterhin keine Verbindung.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.

          Das Erdbeben mit der Stärke 5,9 hatte die Menschen in der Nacht zum Mittwoch im Schlaf überrascht. Am schwersten betroffen sind die afghanischen Provinzen Khost und Paktika. Laut der amerikanischen Erdbebenwarte USGS lag das Epizentrum 44 Kilometer von der Stadt Khost entfernt, nahe der Grenze zu Pakistan. Die Erschütterungen waren laut Medienberichten bis nach Indien zu spüren. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden etwa 2000 Häuser zerstört. In der wenig entwickelten Region liegt die durchschnittliche Haushaltsgröße bei mehr als 20 Menschen. Nach vorläufigen Angaben vom Mittwoch kamen mindestens Tausend Menschen ums Leben, rund 1500 weitere wurden verletzt. Allerdings wird damit gerechnet, dass die Opferzahlen noch erheblich steigen werden, wenn Informationen aus den bislang von der Außenwelt abgeschnittenen Gebieten eintreffen.

          Hinzu kommen schwere Unwetter

          Nach lokalen Behördenberichten behindern zudem Überschwemmungen und Erdrutsche, die durch heftige Regenfälle ausgelöst wurden, weiterhin den Rettungs- und Bergungseinsatz. Viele Gegenden Afghanistans werden derzeit von schweren Unwettern heimgesucht, in denen bereits zahlreiche Menschen ums Leben gekommen sind. Die regierenden Taliban schickten Hilfe in das Erdbebengebiet, verfügen aber nur über geringe Ressourcen für den Katastropheneinsatz wie etwa Hubschrauber, spezielle Flugzeuge und Räumfahrzeuge. In den betroffenen Dörfern versuchen die Menschen nach lokalen Medienberichten, die Verschütteten mit bloßen Händen auszugraben. Mohammed Jahja Wiar, Chef einer Klinik in Paktikas Hauptstadt Scharan, schilderte der Nachrichtenagentur AFP, wie überfordert das afghanische Gesundheitssystem mit der Katastrophe sei. „Das ist eine humanitäre Krise. Es ist wie ein Tsunami“, sagte er. Seit der Machtübernahme der islamistischen Taliban ist das Land mit internationalen Sanktionen belegt, wenngleich es zahlreiche Ausnahmen für humanitäre Hilfe gibt. Doch die Wirtschaft ist kollabiert und das Land in eine schwere humanitäre Krise gerutscht.

          Taliban-Sprecher Zabihullah Mudschahid teilte am Donnerstag mit, zwei Flugzeuge aus Iran und Qatar hätten inzwischen dringend benötigte Hilfsgüter nach Afghanistan gebracht. Acht Lastwagen aus Pakistan lieferten Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter in die schwer betroffene Provinz Paktika.

          Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef entsandte bereits mehrere mobile Gesundheits- und Ernährungsteams für Notfallhilfe ins Erdbebengebiet. Verteilt würden wichtige Hilfsgüter, darunter Küchengeräte, Hygieneartikel wie Seife, warme Kleidung, Schuhe und Decken sowie Zelte und Planen, teilte Unicef mit. Tausende Kinder seien wahrscheinlich von dem Beben betroffen. Weitere UN-Organisationen seien von den afghanischen Behörden um Unterstützung gebeten worden, hieß es.

          Auch deutsche Hilfskräfte, etwa die Johanniter Unfallhilfe, sind auf dem Weg ins Katastrophengebiet. „In solchen Momenten zählt allein das Gebot der Humanität gegenüber den Menschen in Not. Über unsere humanitären Partner vor Ort haben wir deswegen schon damit begonnen, medizinische Hilfe zu leisten“, sagte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Donnerstag in Berlin.

          Topmeldungen

          Armes reiches Sylt : Die da oben

          Komisch, wenn das, was mal Heimat war, auf einmal Luxus ist. Zum Beispiel auf Sylt. Ein Tag am nördlichsten Punkt Deutschlands.
          Blick auf den Rhein bei Orsoy

          Not durch tiefe Pegelstände : „Wir sind der system­relevante Riese“

          Die Rheinpegel sind mittlerweile so gefallen, dass mitten in der Energiekrise weniger Kohle verschifft werden kann. Das Niedrigwasser legt auch die jahrzehntelangen Versäumnisse im Wasserstraßenbau offen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.