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Absturz in Ukraine : Mehr als 100 Aids-Aktivisten unter den Opfern

  • Aktualisiert am

Die niederländische Flagge weht auf Halbmast über dem Parlament in Den Haag. Bild: AFP

298 Menschen waren an Bord des in der Ukraine abgeschossenen Flugzeuges, mehr als 150 davon aus den Niederlanden. Viele der Passagiere waren auf dem Weg zum Welt-Aids-Kongress, unter ihnen auch Joep Lange, einer der führenden Aids-Forscher.

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          Ein Sprecher von Malaysia Airlines hat am Amsterdamer Flughafen bekanntgegeben, dass 154 Niederländer an Bord des über der Ostukraine abgestürzten Flugzeuges waren. 27 der Fluggäste waren Australier, mindestens vier kamen aus Deutschland. Die Herkunft von etwa 50 der 283 Passagiere ist noch unbekannt.

          Viele der Passagiere waren Aids-Aktivisten, die sich auf dem Weg zum Welt-Aids-Kongress in Melbourne befanden. Das teilte die International Aids Society mit. Es sei davon auszugehen, dass mehr als 100 Passagiere
          Delegierte der Konferenz oder deren Familienangehörige waren. In der australischen Metropole wollen von Sonntag an 12.000 Forscher, Fachleute und Aktivisten über Strategien im Kampf gegen den Aids-Erreger beraten.

          Unter den Opfern ist auch der international bekannte Aids-Forscher Joep Lange. Ein Sprecher des Universitätskrankenhauses Amsterdam sagte am Freitag: „Alle Angaben weisen daraufhin, dass er in der Maschine saß, gemeinsam mit seiner Partnerin Jacqueline van Tongeren.“ Das Krankenhaus will vor einer offiziellen Bestätigung die Veröffentlichung der Passagierliste der Fluggesellschaft Malaysia Airlines abwarten. Freunde des Forschers meldeten dessen Tod auf Facebook. Lange galt als einer der führenden Aids-Forscher.

          Der niederländische König Willem-Alexander hat den Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl ausgesprochen. „Ich bin tief bestürzt über die entsetzliche Nachricht vom Absturz des Fluges MH 017 über ukrainischem Gebiet“, heißt es in einer am Donnerstagabend in Den Haag verbreiteten Erklärung des Hofes.

          König Willem-Alexander verfolge intensiv gemeinsam mit Königin Máxima die Entwicklung. „Wir fühlen sehr mit Angehörigen, Freunden, Kollegen und Bekannten der Opfer und mit all denjenigen, die noch im Ungewissen sind, ob ihre Nächsten an Bord der Maschine waren,“ heißt es in der Erklärung.

          Am Amsterdamer Flughafen Schiphol hatten sich rund 100 Angehörige von Passagieren der Unglücksmaschine versammelt. Ratlos, tief bestürzt und weinend meldeten sich Freunde und Verwandte am Informationsschalter, wie das niederländische Fernsehen berichtete. „Ich habe gehört, dass ich mich hier melden soll“, sagt eine Frau. „Mein Schwager saß in der Maschine.“ An Bord der abgestürzten Maschine von Malaysia Airlines waren neben den 283 Passagiere 15 Besatzungsmitglieder.

          Freunde und Familien möglicher Opfer wurden später in zwei Bussen in Begleitung einer Polizeieskorte zu einem nicht genannten Ort gefahren. Journalisten hatten dort keinen Zutritt. Dort sollten sie über das Unglück informiert werden, teilte der Flughafen mit. Reiseveranstalter und das Außenministerin richteten für Angehörige eine Sondertelefonnummer ein.

          Vier Deutsche unter den Opfern

          Auch Großbritanniens Premierminister David Cameron hat sich bestürzt über den Absturz gezeigt. „Ich bin schockiert und traurig“, teilte er am Donnerstagabend mit. Londoner Regierungsbeamte verschiedener Ressorts kämen zusammen, um die Faktenlage zu klären.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte eine unabhängige Untersuchung des Absturzes. Merkel trauere um die Opfer in der malaysischen Passagiermaschine, ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag mit. Schockierend seien auch die mutmaßlichen Umstände, wonach das Flugzeug aus großer Höhe abgeschossen worden sein soll. „Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so stelle sie eine weitere, tragische Eskalation des Konfliktes im Osten der Ukraine dar.“

          Obama schweigt zu amerikanischen Opfern

          Die Vereinigten Staaten haben ihre Unterstützung bei der Aufklärung des Absturzes eines Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine zugesagt. „Wir werden jede mögliche Hilfe anbieten, um festzustellen, was passiert ist und warum“, sagte Präsident Barack Obama in Wilmington im Bundesstaat Delaware. „Es sieht aus, als ob es eine schreckliche Tragödie sein könnte.“

          Oberste Priorität seiner Regierung sei, herauszufinden, ob sich amerikanische Bürger an Bord befunden hätten. Berichten zufolge befanden sich bis zu 23 Menschen aus den Vereinigten Staaten in der Maschine. Seine Sicherheitsberater seien in „engem Kontakt“ mit den ukrainischen Stellen, sagte der Präsident.

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