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Absturz in Ägypten : Was wir wissen – und was nicht

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Nach dem Absturz eines russischen Passagierflugzeugs mit 224 Menschen an Bord in Ägypten häufen sich die Spekulationen über die Unglücksursache. Nun meldet Russland, das Flugzeug sei schon im Himmel zerbrochen.

          Am Morgen des 31. Oktober stürzte der Airbus A321-231 der russischen Fluggesellschaft Kogalimawija (kurz Kolavia) über der Sinai-Halbinsel ab. Die Ursache ist weiter unklar. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Unglück.

          Was ist die Ursache des Absturzes?

          Ägyptische Behörden führten zunächst technische Mängel als Unfallursache auf. Ministerpräsident Ismail Sherif sagte aber, es habe vor dem Flug keine Auffälligkeiten gegeben. Es gibt widersprüchliche Angaben darüber, ob der Pilot vor dem Unglück die Fluglotsen über Probleme informiert hatte. Adel Mahgoub, Vorsitzender des staatlichen Betreibergesellschaft der Ägyptischen Flughäfen, sagte der AP, dass alle technischen Checks in Scharm el Scheich erfolgreich durchgeführt worden waren. Die Fluggesellschaft teilte mit, menschliches Versagen könne ausgeschlossen werden. Der Pilot habe mit 12.000 Flugstunden weitreichende Erfahrung.

          Nach Angaben russischer Ermittler ist das Flugzeug schon in der Luft auseinandergebrochen. Die Trümmer des Airbus seien anschließend über ein weites Gebiet zerstreut worden, sagte Viktor Sorotschenko vom russischen Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitee (MAK) am Sonntag laut der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Es sei aber noch „zu früh, um Schlüsse zu ziehen“.

          Unterwegs im Trümmerfeld: Russische Ermittler untersuchen die Absturzstelle des Airbus um anhand der Flugzeugreste mehr über den Absturzgrund zu erfahren. Bilderstrecke

          Wurde die Maschine abgeschossen?

          Unwahrscheinlich. Nach dem Absturz behauptete der ägyptische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), den Airbus auf dem Sinai abgeschossen zu haben. Der Abschuss sei als Rache für die russische Intervention in Syrien zu verstehen, die Russland Ende September mit Luftangriffen begonnen hat. Allerdings flog die Maschine in knapp 10.000 Metern höhe. Der IS verfügt nach bisheriger Kenntnis nicht über entsprechendes Gerät, um Fluggeräte über 4500 Metern Höhe abzuschießen.

          Wohin sollte die Reise gehen?

          Der Flug sollte vom Urlaubsort Scharm el Scheich in Richtung St. Petersburg fliegen. An Bord waren 200 Erwachsene, 17 Kinder und sieben Besatzungsmitglieder. Alle 224 Passagiere – der Großteil Russen, dazu vier Ukrainer und ein Weißrusse – sind tot. Es war der Flugunfall mit den meisten Toten auf ägyptischem Boden, die meisten Toten, die je bei einem Flugzeugunglück innerhalb der A-320-Familie ums Leben kamen.

          Wo stürzte der Airbus ab?

          Ägyptische Militärflugzeuge entdeckten das Wrack in der Gegend Hasna, 35 Kilometer südlich der Küstenstadt al-Arisch.

          Trümmerteile der Maschine seien in der Nähe des Al-Arish-Flughafens im äußersten Norden des Sinai am Mittelmeer gefunden worden, teilten Behörden mit.

          Gibt es Überlebende? Wo wird gesucht?

          Nein. Bisher wurden 160 Todesopfer geborgen, der Suchradius wurde auf 15 Kilometer um die Teile des Wracks herum vergrößert, nachdem 8 Kilometer Entfernung die Leiche eines Kindes gefunden worden war.

          Gab es schon einmal einen Unfall mit diesem Flugzeug?

          Am 16. November 2001 – damals flog der Airbus unter der Kennung F-OHMP noch für die libanesische MEA – kam es zu einem sogenannten Tailstrike während der Landung in Kairo. Dabei berührt das Flugzeugheck vom Piloten unbeabsichtigt die Landebahn. Das Flugzeug wurde repariert und flog seit 2002 wieder im Liniendienst.

          Können Folgen des Tailstrikes Ursache des Unglücks sein?

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