Ursache noch unklar : 71 Tote bei Absturz von Passagierflugzeug nahe Moskau
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Bergungsarbeiten in der Nähe von Moskau Bild: dpa
Die Maschine war kurz nach dem Start vom Radar verschwunden. Die Insassen hatten keine Überlebenschance. Wrackteile wurden über eine Länge von einem Kilometer am Absturzort verteilt gefunden.
Beim Absturz eines russischen Passagierflugzeugs kurz nach dem Start in der Nähe von Moskau sind am Sonntag 71 Personen ums Leben gekommen. Das Flugzeug der Fluggesellschaft Saratov Airlines vom Typ An-148 sei nach dem Start vom Flughafen Domodjedowo vom Radar verschwunden, teilte der Zivilschutz mit. An Bord waren laut Behörden 65 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder, die „keine Überlebenschance hatten“.
Bilder vom Absturzort nahe dem Dorf Stepanowskoje, gut 80 Kilometer südöstlich des Moskauer Zentrums, zeigten Trümmer auf einem verschneiten Feld. Sie waren laut dem Zivilschutz im Umkreis von rund einem Kilometer verstreut.
Das Flugzeug des ukrainischen Herstellers Antonow war unterwegs in die Stadt Orsk nahe der Grenze zu Kasachstan. Alle Passagiere sollen russische Staatsbürger und Bewohner des dortigen Orenburger Gebiets gewesen sein.
Zunächst herrschte noch Unklarheit über die Absturzursache. In frühen Medienberichten wurde vermutet, das Flugzeug sei in der Luft mit einem Hubschrauber der Staatspost zusammengestoßen. Das Unternehmen wies diese Annahme jedoch zurück: Es habe keine Hubschrauber, sondern nutze zur Postbeförderung zwei Flugzeuge des Typs Tu-204 S. An Bord des Flugzeugs der Saratov Airlines sei ein 20 Kilogramm schwerer Sack mit Korrespondenz gewesen, dessen Inhalt am Boden verstreut worden sei, womöglich rühre die These mit dem Hubschrauber daher, hieß es weiter seitens der Staatspost. Der Zivilschutz teilte mit, es seien keine Trümmer eines Hubschraubers gefunden worden.
Der Messengerdienst Mash meldete, das Flugzeug sei zunächst auf 1800 Meter Höhe gestiegen und danach aus unbekanntem Grund auf 1500 Meter abgesackt. Dann sei es neuerlich auf 1800 Meter gestiegen, danach wieder abgesackt und bei 900 Metern Höhe schließlich vom Radar verschwunden. Mash zitierte einen angeblichen Augenzeugen, der gesehen habe, dass eines der Triebwerke explodiert sei.
Widersprüchliche Meldungen gab es zunächst darüber, ob der Pilot den Fluglotsen mitteilte, es gebe „Störungen“ an Bord, und um eine Notlandung auf einem nahegelegenen Flughafen ersuchte. Saratov Airlines teilte mit, die Crew unter Leitung des 51 Jahre alten Walerij Gubanow sei erfahren gewesen und lange mit Flugzeugen des betreffenden Typs geflogen. Nach Angaben des Dienstes FlightRadar war die An-148 fast acht Jahre alt; Saratov Airlines kaufte sie demnach vor einem Jahr von der Fluggesellschaft Rossija.
Flugzeugabstürze sind, so die Deutsche Presse-Agentur, in Russland keine Seltenheit. Insgesamt gab es seit 2010 mindestens vier schwere Unglücke ziviler Verkehrsflugzeuge mit zusammen mehr als 240 Todesopfern. Der bisher letzte Absturz ereignete sich im März 2016, als eine Boeing 737-800 aus Dubai bei Sturm den Flughafen der südwestlichen Stadt Rostow am Don anflog. Das Flugzeug des Billigfliegers FlyDubai zerschellte in einem Feuerball, alle 62 Menschen an Bord starben.
Zweieinhalb Jahre zuvor war eine Boeing 737-500 beim Anflug auf die Stadt Kasan hart auf der Landebahn aufgeschlagen und in Flammen aufgegangen. Es gab keine Überlebenden, 50 Menschen starben.