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60 Tote in Westeuropa : Aufräumen nach „Xynthia“

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

60 Tote in Westeuropa und Schäden in Millionenhöhe - die Bilanz nach dem Orkantief „Xynthia“ fällt verheerend aus. Allein in Deutschland hat der schwerste Sturm der vergangenen zehn Jahre sieben Menschen in den Tod gerissen.

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          60 Tote in Westeuropa und Schäden in Millionenhöhe - die Bilanz nach dem Orkantief „Xynthia“ fällt verheerend aus. Allein in Frankreich hat der schwerste Sturm der vergangenen zehn Jahre nach Angaben des Zivilschutzes 48 Menschen in den Tod gerissen. Bis zu 180 Stundenkilometer schnelle Böen rasten am Sonntag auch über Deutschland. Sieben Menschen starben. Auf Straßen, Schienen und in der Luft brach ein Verkehrschaos aus.

          Am Montag normalisierte sich die Lage langsam. Überall wurden kubikmeterweise Holz, demolierte Autos, herausgerissene Verkehrsschilder und herabgestürzte Dachziegel aufgeräumt. Für Schätzungen der Schadenshöhe sei es noch zu früh, teilten die Versicherungen Münchner Rück und Allianz mit. Allein in Rheinland- Pfalz müssen Reparaturen im Wert von zwei Millionen Euro in Auftrag gegen werden, wie das Innenministerium mitteilte.

          Besonders schlimm war „Xynthia“ über die französische Atlantikküste hereingebrochen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy zeigte sich geschockt, als er die Verwüstungen und die Leichen sah: „All diese Menschen, die ertrunken sind, das ist niederschmetternd.“ Sarkozy kündigte Hilfen in Höhe von drei Millionen Euro an. Er wollte die betroffenen Regionen zu Katastrophengebieten erklären lassen, damit Versicherungen schneller Entschädigungen zahlen. In Nordspanien und Portugal gab es vier Tote. In Belgien wurde ein Mann im Garten von einem Baum erschlagen.

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          Bäume fielen wie Streichhölzer um

          Auch in Deutschland knickten die gewaltigen Orkanböen Bäume wie Streichhölzer um - vier Menschen kamen so ums Leben. Eine Frau aus dem südpfälzischen Landau, die von einem umstürzenden Eisentor getroffen worden war, erlag in der Nacht zum Montag ihren schweren Verletzungen. In Niedersachsen wurde ein Mann bei Bückeburg mit seinem Auto von der Fahrbahn gegen einen Baum geweht. Im hessischen Biblis riss vermutlich eine Böe einen Zweijährigen in einen Fluss. Im Schwarzwald kam ein Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein Wanderer. In Nordrhein-Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin.
          Am schlimmsten wütete der Sturm in Rheinland-Pfalz, Nordrhein- Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Dort wurden selbst im Flachland bis zu 133 Stundenkilometer schnelle Böen registriert. Gemessen an der Zahl der Opfer war „Xynthia“ ein schlimmerer Orkan als „Kyrill“ (2007) mit 47 Toten. „Lothar“ hatte im Dezember 1999 nach Angaben der Münchner Rück europaweit 110 Menschen in den Tod gerissen, andere Quellen nennen eine geringere Opferzahl. Die Forstschäden halten sich diesmal in Grenzen. Das zeigt auch eine erste Bilanz aus der Eifel: „Wir haben was abgekriegt, aber bei weitem nicht so viel wie bei „Kyrill““, sagte Robert Jansen vom Regionalforstamt in Hürtgenwald.

          In einigen Regionen Deutschlands, darunter in ganz Nordrhein- Westfalen und im Saarland, war der Zugverkehr am Sonntag komplett eingestellt worden. Tausende Fahrgäste saßen fest. Bahnmitarbeiter hatten in der Nacht die verwüsteten Gleise wieder freigeräumt. Langsam löste sich am Montag der Stau gestrandeter Züge auf.

          Bis zum frühen Nachmittag sollten Fernzüge wieder planmäßig fahren, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Im Regionalverkehr gab es in besonders von Sturmschäden betroffenen Gebieten in Nordrhein- Westfalen und Hessen noch einzelne gesperrte Strecken. Die Deutsche Bahn AG verteidigte ihre Strategie: „Die Sicherheit unserer Passagiere und Mitarbeiter hatte zu jedem Zeitpunkt höchste Priorität“, sagte ein Sprecher am Montag.

          Am Montag noch Verspätungen

          Auch auf dem Frankfurter Flughafen gab es am Montag noch Verspätungen. In den Morgenstunden wurden 21 Flüge gestrichen, teilte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport mit. Am Sonntag waren auf dem Airport 242 von 1270 Starts und Landungen ausgefallen.

          Die meisten größeren Straßen waren bundesweit am Montag wieder befahrbar. In Rheinland-Pfalz jedoch, das die Naturgewalten mit voller Wucht abbekommen hatte, waren noch zig Verkehrswege unbefahrbar. „Es ist eine Menge Holz, die da weggemacht werden muss“, sagte der Sprecher der Kreisverwaltung Trier, Thomas Müller. 280 000 Menschen waren allein in Rheinland-Pfalz von Stromausfällen betroffen. Insgesamt standen in der landesweiten Polizeibilanz: 2220 umgestürzte Bäume, 461 beschädigte Häuser, 383 beschädigte Autos, 455 Straßensperrungen und 119 Verkehrsunfälle.

          5400 Sturmeinsätze in Nordrhein-Westfalen

          In Nordrhein-Westfalen war die Polizei zwischen Sonntag, 13 Uhr und Montag, 5 Uhr zu 5400 Sturmeinsätzen gerufen worden. „Die Meldungen liefen fast im Minutentakt ein“, berichteten die Beamten. Auch die Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun. Neben kubikmeterweise Holz mussten zerfetzte Planen, Dreck und Trümmer von Straßen und Wegen geräumt werden. Der Sturm hatte auch Bahn- Oberleitungen heruntergerissen und Dächer abgedeckt. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Luft: Baustellen-Ampeln, Gerüstteile, mobile Toilettenhäuschen, sogar eine Mittelleitplanke.
          Freuen durften sich die Schüler im osthessischen Hünfeld. Dort gab es am Montag unterrichtsfrei, weil der Sturm eine Realschule und ein Gymnasium stark beschädigt hatte. Auch Aachener Gymnasiasten durften blau machen, weil der Sturm eine Glaskuppel vom Dach schmetterte.

          Lediglich einen Blick ins Freie bekamen indes Häftlinge der Justizvollzugsanstalt I in Frankfurt-Preungesheim. Der Sturm hatte dort einen etwa sechs Meter hohen provisorischen Gefängniszaun aus Metallplatten und Stacheldraht umgeweht. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Beamte bewachten das Loch in der Gefängnismauer. In Müntz bei Jülich in Nordrhein-Westfalen donnerte die Kirchturmspitze der katholischen Kirche St. Peter ins Seitenschiff.

          „Xynthia“ war in der Nacht die Puste ausgegangen, das Tief zog am Montag nach Osten ab. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte nur noch vor Orkanböen auf dem Brocken. Wegen der starken Regenfälle, die „Xynthia“ mitbrachte, steigen die Pegel der Flüsse weiter an - vielerorts droht nun Hochwasser.

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