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20 Jahre Flughafenbrand : Per Aufzug ins Inferno

Doch die starke Rauchentwicklung führte zum Zusammenbruch des Straßenverkehrs am Flughafen. Schon die Anfahrt stellte die Einsatzkräfte vor die erste Herausforderung. Der Qualm, die schiere Größe des Flughafenkomplexes und die chaotischen Verhältnisse verhinderten eine umfassende Erkundung. Weil die Flughafenfeuerwehr auf einer anderen Frequenz funkte, war es ihr nicht möglich, fortwährend und zügig mit den anderen Feuerwehren zu kommunizieren. So mussten sich die auswärtigen Einsatzkräfte im weitläufigen Flughafen selbst zurechtfinden. Das gelang mehr schlecht als recht, denn sie hatten keine Gebäudepläne.

Geldauflagen zwischen 3000 und 20.000 Euro

Als besonders problematisch erwies sich, dass der Flugbetrieb zunächst nicht eingestellt wurde. Maschinen fuhren bis etwa 16.30 Uhr von den Terminals ab oder steuerten sogar noch Flugbrücken an. Auf den Rollfeldern und um die Terminals herum habe reger Verkehr geherrscht, heißt es in dem offiziellen Bericht der Düsseldorfer Feuerwehr. Die flüchtenden Personen seien dadurch „in hohem Maße“ gefährdet worden.

Feuerwehrfahrzeuge stehen auf dem Gelände des Düsseldorfer Flughafens.
Feuerwehrfahrzeuge stehen auf dem Gelände des Düsseldorfer Flughafens. : Bild: dpa

Auch bei der strafrechtlichen Aufarbeitung des Brandes kam es zu unsäglichen Pannen. Dreieinhalb Jahre nach dem Unglück begann am Landgericht Düsseldorf der Strafprozess wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen elf Angeklagte. Doch als bekannt wurde, dass einer der Schöffen alkoholkrank war, platzte das Verfahren nach 42 Verhandlungstagen. Im zweiten Anlauf musste dann ein Richter ausgetauscht werden – er hatte schon in einem Zivilprozess zum Großbrand mitgewirkt. Dann wurde bekannt, dass gegen anderen Schöffen in einem anderen Fall wegen Brandstiftung ermittelt wurde. Nach 89 Verhandlungstagen stellte das Gericht den Flughafen-Brandprozess gegen die angeklagten Manager, Schweißer, Architekten und Verantwortlichen von Flughafen und Feuerwehr schließlich Ende 2001 ein.

Sie kamen mit Geldauflagen zwischen 3000 und 20.000 Euro, die nach ihrem Einkommen bemessen waren, davon, und blieben straffrei. Denn nach Überzeugung des Gerichts war die Schuld jedes einzelnen zu gering, um den Prozess noch jahrelang fortzusetzen. Auch konnte das Gericht nicht klären, ob das Bündel von Baumängeln oder ein mögliches Versagen der Einsatzkräfte für das Ausmaß der Katastrophe entscheidend war.

„Düsseldorf International“ als Brandschutz-Maßstab

Auch durch die Untersuchung einer von der Landesregierung eingesetzten Expertenkommission sind die wichtigsten Zusammenhänge der Katastrophe bekannt. Demnach wurde beim Bau des Terminals gegen Vorschriften verstoßen, als in die Zwischendecke aus Kostengründen leicht brennbare Dämmplatten eingebaut wurden. Es kam auch deswegen zu so vielen Todesopfern, weil die Aufzüge mitten im Rauch stehen blieben und es überall im Gebäude an Rauchmeldern und Fluchttüren mangelte. Auch in der VIP-Lounge von Air France hatte eine solche Tür gefehlt – was der Bauaufsichtsbehörde nicht aufgefallen war.

Als Konsequenz aus der Katastrophe wurden die deutschen Brandschutzvorschriften verschärft. Gemeinsame Übungen von Berufs- und Flughafenfeuerwehr sind heute selbstverständlich. Auch verfügt die Düsseldorfer Feuerwehr heute über die Pläne aller wichtigen öffentlichen Gebäude.

Als „Düsseldorf International“ am 1. Juli 2001 neu aufgebaut wiedereröffnete, galt er als einer der modernsten und sichersten Flughäfen der Welt. Allein für den Brandschutz wurden 100 Million Euro ausgegeben. Heute sind Tausende Rauchmelder und Sprinklerköpfe installiert, die Aufzüge fahren bei einem Brand automatisch in eine sichere Etage, und es gibt große Entrauchungsanlagen. Auch für den noch immer nicht eröffneten Berliner Großflughafen gilt „Düsseldorf International“ als Brandschutz-Maßstab.

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