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11. September 2001 : Als der erste Turm in sich zusammenbrach

Auf den Fotos vom 11. September 2001 schält sich eine Frau aus der Menge heraus, auf den ersten Bildern ist sie klein im Hintergrund zu sehen, dann kommt sie näher, schließlich schreit sie ihr Entsetzen hinaus. Bild: Helmut Fricke

Vor 15 Jahren wurde New York von den Anschlägen erschüttert. Der F.A.Z.-Fotograf Helmut Fricke, eigentlich wegen der Modewoche in New York, war dabei.

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          Plötzlich gab es einen lauten Knall, und alle schauten nach oben. Die Spitze des südlichen World-Trade-Center-Turms kippte leicht. Das 400-Meter-Hochhaus sackte mit einem tiefen Grollen in sich zusammen, fünf, zehn, fünfzehn Sekunden lang. Aus den Straßenschluchten kam eine weiße Wand aus Staub, und Tausende, die noch immer aus den Türmen und den umliegenden Häuser flüchteten, liefen hinaus aus der Enge im Süden Manhattans, raus auf die Brooklyn Bridge.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Es war 9.59 Uhr an diesem Dienstag, dem 11. September 2001. Schon vor rund einer Stunde waren die Türme getroffen worden von den beiden Flugzeugen, die Terroristen entführt hatten. Dass sie zusammenbrechen würden unter ihrer eigenen Last, wegen der tiefen Einschlaglöcher – nur Ingenieure mussten das für möglich halten. In den Gesichtern der Menschen zeichnet sich deswegen nicht nur die Angst um ihr Leben ab, sondern auch die Überraschung über das unvermutete Unheil.

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          Alle liefen hinaus – nur nicht Helmut Fricke, Redaktionsfotograf dieser Zeitung, der zur Modewoche in New York war und sofort an den Katastrophenort geeilt war. Er blieb an einem Geländer der Park Row stehen, drehte sich um und nahm die Flüchtenden auf. Diese Perspektive war in der am häufigsten fotografierten und gefilmten Katastrophe der Geschichte eine Ausnahme. Fast alle anderen fotografierten wegen der engen Bebauung im Süden Manhattans und der Turmhöhen entweder die brennenden und stürzenden Hochhäuser oder nur die Reaktionen der Menschen. Auf diesen Bildern ist wegen der Freifläche des City Hall Parks alles zu sehen: die Menschen im Vordergrund und die Katastrophe im Hintergrund, gerahmt von der Ecke der Pace University links und dem Woolworth Building rechts.

          Noch im Laufen schauen die Flüchtenden zurück, obwohl sie schon rund 400 Meter entfernt sind. Bald wird die Staubwand alle verschluckt haben. Aus der Menge schält sich eine Frau heraus. Auf den ersten Bildern ist sie klein im Hintergrund zu sehen. Dann kommt sie näher, und man erkennt ihr Gesicht. Schließlich schreit sie ihr Entsetzen hinaus. 15 Jahre sind eine lange Zeit. Sie schmilzt dahin zum Augenblick, wenn man diese Fotos wieder sieht.

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