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Rosenmontag in Köln : De Zoch kütt – und jeht weiter

Alaaf in Köln: Eine Karnevalistin auf einem Pferd nimmt am Rosenmontagsumzug in der Domstadt teil. Bild: dpa

Auf dem Kölner Rosenmontagsumzug rennen die Pferde los und verursachen einen Unfall. Auch ein anderer schlimmer Zwischenfall ereignet sich – der Umzug kommt zum Stehen.

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          An diesem Montagmorgen geht André Schulze Isfort durch die Straßen wie ein Star. Er grüßt links, nickt rechts, bleibt stehen, um Bützje zu verteilen, und ruft: „Fastelovend euch!“ Alle wollen ein Stück von Schulze Isfort, der in Kapitänsuniform Richtung Tribünen schreitet, mag es auch kalt sein und schneien, mag auch immer etwas Angst mit im Spiel sein, dass etwas passieren könnte bei dem Massenauflauf.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Heute ist kein gewöhnlicher Montag. Dann würde Schulze Isfort nämlich nicht am Zeughaus entlanggehen, den Dom fest im Blick, der sich spitz vom wolkenverhangenen Himmel abzeichnet, sondern bloß ins Büro fahren. Heute aber ist er nicht André Schulze Isfort, Leiter des Konzernrechnungswesens, heute ist er unterwegs als Präsident und Vorsitzender des Karnevalsvereins „Stattgarde Colonia Ahoj e.V.“. Das ist ein recht junger Verein, 2003 von Schulze Isfort und einigen Freunden gegründet und inzwischen einer der größeren Vereine, wie Schulze Isfort stolz erzählt. 190 Mitglieder in Uniform, insgesamt 500 Mitglieder, mit Blaskapelle, Shanty-Chor und einem rein männlichen Tanz-Ensemble.

          „Die ist immer so süß!“

          André Schulze Isfort bleibt stehen, da ist dat Bärbelschen, für sie muss man mal stehen bleiben. Bärbel ist im Dezember 80 Jahre alt geworden und ist heute mit dem Zug aus Opladen angereist. Seit 30 Jahren feiert sie mit ihrer Freundin, die gegenüber den Tribünen wohnt, den Straßenkarneval. Und seit einigen Jahren versorgt sie die Karnevalisten der Stattgarde mit Geschichten, Kölsch und auch mal einem warmen Snack. Bärbel habe, sagt Schulze Isfort, ihnen auch schon heiße Würstchen vorbeigebracht: „Die ist immer so süß!“ Bärbel strahlt, nimmt einen Schluck roséfarbenen Prosecco aus einem Plastiksektglas, will ihren Nachnamen aber trotzdem nicht verraten. Dann hakt sie sich bei Schulze Isfort unter, erst mal eine Runde schunkeln.

          Langsam füllen sich Straßen und Tribünen. Sogar die Sonne lugt verschlafen hervor. Zuschauer hängen aus den Fenstern der Häuser oder stellen sich immer dichter an den Straßenrand. Auch auf den Rängen drängeln sich immer mehr Menschen. Ziemlich unübersichtlich, das Ganze. „Wenn man sich hier ängstigt, dann kann man im Prinzip nirgendwo mehr hingehen“, meint Schulze Isfort. Natürlich gebe es immer Verbesserungsmöglichkeiten, doch die Maßnahmen und vor allem die Präsenz der Polizei findet er vorbildlich. „Viel mehr kann man eigentlich nicht machen.“ Es gebe allerdings immer wieder Proteste wegen der Pferde, Peta habe eine Aktion angekündigt. „Natürlich kann es passieren, dass ein Pferd scheut“, sagt Schulze Isfort. Und natürlich sei es wichtig, dass es den Pferden gutgehe – gerade in so einer Stresssituation. Angst habe er aber nicht.

          Pferde sind durchgegangen: Erst vor einem Tribünenwagen kommt die Kutsche zum Stehen.

          Endlich hat Schulze Isfort die Tribünen erreicht, zeigt seine Karte vor und wird von seinen Vereinskumpanen mit großem Hallo begrüßt. Kölsch-Fässer reihen sich auf den Bierbänken nebeneinander, sitzen muss hier niemand, nur schunkeln. Fast jeder Jeck trägt ein schmales Kölsch-Glas an einer Schnur um den Hals, für viele gibt es aber auch Cola.

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