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UN-Schätzung : 86 Millionen Mädchen droht eine Beschneidung

Hilflos: Alleine in Somalia sollen 98 Prozent der Frauen im Alter von 14 bis 49 Jahren beschnitten sein. Hier somalische Frauen in einem Krankenhaus in Mogadischu. Bild: Helmut Fricke

In den nächsten 15 Jahren werden weltweit bis zu 86 Millionen Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt – so schätzen die Vereinten Nationen. Besonders in Ländern Afrikas ist die barbarische Praxis noch weit verbreitet.

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          Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden in den kommenden 15 Jahren bis zu 86 Millionen Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt. Schon heute leiden 140 Millionen Frauen an den Folgen dieser Menschenrechtsverletzung, wie die Stiftung Weltbevölkerung mit Sitz in Hannover anlässlich des Internationalen Tages gegen Genitalverstümmelung an diesem Freitag mitteilt. In Deutschland sollen es nach Schätzungen von Terre des Femmes etwa 25.000 Frauen sein. Etwa 2500 Mädchen sind hierzulande noch immer diesem Risiko ausgesetzt, obwohl seit September 2013 die Verstümmelung weiblicher Genitalien ein Straftatbestand ist und mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden kann.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Genitalverstümmelung, bei der die Klitoris teilweise oder vollständig entfernt wird, ist aber vor allem in 28 Ländern Afrikas, im Mittleren Osten und in Südostasien verbreitet. Nach Angaben des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen sind allein in Somalia 98 Prozent aller Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren beschnitten, in Guinea sind es 96 Prozent vor Ägypten (91), Mali (89), Sudan (88), Äthiopien (74), Liberia (66), Kenia und Nigeria (jeweils 27 Prozent).

          Viele der Frauen leiden ihr Leben lang unter dem Eingriff, der meist ohne Narkose und mit einfachen Hilfsmitteln wie Glasscherben oder Rasierklingen vorgenommen wird. Die Folge sind Infektionen, Blutungen und Komplikationen bei der Geburt. Viele Frauen sterben auch daran. Seit 1997 haben zwar 24 afrikanische Länder Genitalverstümmelung per Gesetz verboten, aber weil Frauen in den Gesellschaften weiter nicht gleichberechtigt sind, kein eigenes Einkommen haben und damit abhängig vom Einkommen ihres Manns bleiben, sind sie nicht in der Lage, sich gegen das Ritual zu wehren und ihre Töchter vor dem Eingriff zu schützen.

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