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Umweltschützer kritisieren : „Indonesien allein für Brandrodungen verantwortlich“

Feuerwehr und Polizei versuchen die teils unterirdischen Brände zu löschen Bild: dpa

Umweltschützer verurteilen die mangelnde Durchsetzung von Verboten gegen die Brandrodung in Indonesien. Neben der Zerstörung von fruchtbaren Torfmoorflächen steigt die Luftverschmutzung auf ein neues Rekordniveau.

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          Dichter Rauch raubt derzeit vielen Menschen in Indonesien, Singapur und Malaysia den Atem. Umweltschützer haben nun die mangelnde Durchsetzung von Verboten gegen die Brandrodung in Indonesien dafür verantwortlich gemacht. Der Qualm stamme von Feuern, die zu 90 Prozent in der Provinz Riau im Osten der indonesischen Insel Sumatra loderten, sagte Yuyun Indradi von Greenpeace Indonesien am Freitag dieser Zeitung. Es handele sich um absichtlich gelegte Brände, mit denen Unternehmen aus der Papier- und Palmölindustrie den Boden, der in dem Gebiet größtenteils aus fruchtbarem Torfmoor bestehe, für die Bewirtschaftung vorbereiteten. Die Hälfte der Brände wüte aber in geschützten Waldgebieten, die anderen in Gebieten, in denen Unternehmen über Konzessionen verfügten. Dort seien die Firmen dafür zuständig, das Feuer zu verhindern.

          Rekord bei Luftverschmutzung

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hatte 2011 ein Moratorium erlassen, das die Vergabe von neuen Konzessionen zur Rodung von Primärwald für zwei Jahre aussetzte. Erst im Mai hatte er es um zwei Jahre verlängert. Ein Grund sind die Klimaschutzziele der Regierung, die den Kohlendioxidausstoß des Landes verringern will. Unter anderem wegen der Zerstörung und Brandrodung von Regenwald war Indonesien zum drittgrößten Treibhausgas-Emittenten der Welt aufgestiegen. Ein großer Teil des Waldes wird den Palmölplantagen geopfert. Indonesien ist der größte Produzent von Palmöl weltweit. Das Pflanzenöl wird in vielen Produkten wie Margarine, Tiefkühlpizza, Schokoriegeln, Hautcreme, Lippenstift und als Biokraftstoff verwendet. Im vergangenen Jahr wurden auf der ganzen Welt mehr als 50 Millionen Tonnen Palmöl produziert, vor allem in Indonesien und Malaysia. Seit den achtziger Jahren soll auf Sumatra schon die Hälfte des Regenwalds zerstört worden sein.

          Ganze Gebiete sind von den Bränden betroffen

          Gerade die Trockenlegung und Brandrodung von Torfmoorgebieten setzt viel Kohlendioxid frei. Dort seien die Brände auch besonders schwer zu löschen, sagte Yuyun Indradi. Teilweise brenne es unter der Erdoberfläche. Seine Organisation habe allein in der Provinz Riau 1200 „Hotspots“ gefunden, ein Vielfaches von dem, was bisher bekannt war. Dabei haben einige der größeren Palmöl- und Papierproduzenten versprochen, auf Rodungen zu verzichten und Wiederaufforstung zu betreiben. Jedoch gibt es daneben noch viele weitere Unternehmen, die häufig sehr skrupellos vorgehen. Die bestehenden Vorschriften werden im notorisch korrupten Indonesien außerdem oft umgangen.

          In Singapur hatten die Behörden am Freitag einen Rekord bei der Luftverschmutzung gemessen. Der „Pollutant Standards Index“ (PSI) erreichte einen Wert von 401. Die Luft war damit als „sehr gesundheitsgefährdend“ eingestuft. Regierungsmitglieder aus Singapur und Indonesien machten sich dafür gegenseitig verantwortlich. Laut Yuyun Indradi liege die Verantwortung allerdings bei Indonesien, selbst wenn möglicherweise Unternehmen aus den Nachbarländern Singapur und Malaysia als Investoren an den Brandrodungen beteiligt seien.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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