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Wildtierbestand : Wald gegen Wild

  • -Aktualisiert am

Ein Rothirsch im Frühling bei Arnsberg Bild: dapd

Weil sie Knospen essen und an Baumrinde knabbern, gelten Hirsche vielerorts als Schädlinge - und Jäger sind zum Abschuss verpflichtet. Dabei könnte es in deutschen Wäldern leicht doppelt so viel Rotwild geben.

          Der Rothirsch gilt unter Jägern als König des Waldes. Doch in diesen Wochen kommt er wenig majestätisch daher. Die meisten männlichen Tiere der größten Wildart in deutschen Wäldern haben im Februar und März ihr Geweih abgeworfen: Die beiden Stangen lösen sich als Folge hormoneller Veränderungen von selbst an Sollbruchstellen und fallen einfach ab. Nur die ein- und zweijährigen Hirsche tragen im April und Mai noch ihr Spießer- oder Gabelgeweih, das sie später verlieren als die älteren Hirsche. Ohne den knöchernen Kopfschmuck wirken die rotbraunen Tiere halb so eindrucksvoll - und sind von den weiblichen Tieren allein durch ihre größeren, nämlich bis zu 250 Kilogramm schweren Körper zu unterscheiden.

          Doch bald nach dem jährlichen Verlust beginnen auf dem Kopf aus den Rosenstöcken unter einer Bastschicht zwei neue Stangen aus Knochensubstanz zu wachsen. In vier bis fünf Monaten bildet sich ein neues Geweih, das die Hirsche im Spätsommer durch das Fegen von seinem Bast befreien. Mitunter tragen Hirsche im besten Mannesalter von acht bis 14 Jahren zwölf und mehr Kilogramm schwere Knochengebilde zwischen den Lauschern. Je mehr Enden und je dicker die Stangen, desto wertvoller sind sie als Jagdtrophäen. Eine gut ausgebildete Krone erhöht die Bedeutung der Trophäe zusätzlich.

          Wie viele Hirsche geschossen werden dürfen, hängt vom Bestand ab

          Das mächtige Geweih dient dem Hirsch in der herbstlichen Brunft - damit imponiert er weiblichen Tieren und kämpft unter Rivalen um deren Gunst. Die Geweihe lassen Rückschlüsse auf den Zustand der Tiere und ihrer Populationen zu. Erlegte Hirsche und Abwurfstangen werden daher genau begutachtet. Auf den Hegeringschauen der Jäger in diesen Wochen werden die Trophäen des vergangenen Jagdjahres (Ende 31. März) gezeigt: von Rotwild, Rehen, Dam- und Sikahirschen, Mufflons, Gämsen. Manchmal sieht man dann auch das Gewaff, die Eckzähne von Keilern.

          Sein stattliches Geweih führt menschliche Sucher in die Wälder

          Bei den Hegeringsversammlungen und Trophäenschauen wird über die Zahl des erlegten Schalenwilds berichtet, auch von Zählungen der Bestände in den einzelnen Revieren. Auf dieser Basis legt die Untere Jagdbehörde mit der Jägerschaft die Abschusszahlen des neuen Jagdjahres fest. Dabei kommt es immer wieder zu heftigen Diskussionen über die Höhe der Abschussquoten, Jagdzeiten und Jagdmethoden, besonders bei Rehen und Rothirschen. Die sich stark vermehrenden Wildschweine gelten ohnehin schon fast als ganzjährig bejagbar.

          Reh- und Rotwild schadet dem Wald

          Reh- und Rotwild sind in den Augen vieler Waldbesitzer und Forstleute in erster Linie Schädlinge. Sie behindern das Aufwachsen eines gesunden Mischwalds, indem sie den sprießenden Pflanzen die Knospen verbeißen und die Rinde an den Stämmen halbstarker Bäume schälen oder verfegen. Rehe sind hierzulande die kleinste und am weitesten verbreitete Schalenwildart. Im Jagdjahr 2009/2010 wurden in Deutschland 1.153.073 Rehe geschossen, weitere 214.483 wurden als Fallwild, vornehmlich Opfer des Straßenverkehrs, gemeldet. Daraus ergibt sich ein Bestand von mehr als zwei Millionen Tieren im Frühjahr, wenn die Kitze geboren sind.

          Ganz anders sieht es beim Rotwild aus. Sein Bestand wird mit rund 180.000 Tieren für Deutschland angegeben. 67.356 wurden im vorletzten Jagdjahr erlegt, 2749 kommen als Fallwild hinzu. Nach Meinung vieler Jäger und mancher Naturschützer ist der Rotwildbestand in deutschen Revieren viel zu niedrig. Viele Politiker und Forstwirte wiederum halten die Bestandszahlen für zu hoch. Für sie gilt die Parole „Wald vor Wild“. Die andere Seite wirbt für „Wald und Wild“, also für eine gleichmäßig verteilte Besiedlung durch das Rotwild.

          Jäger sind zum Abschuss verpflichtet

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