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Wetter : Gluthitze, Dürre und Feuer sorgen für Millionenschäden

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Der Rhein trocknet aus Bild: dpa/dpaweb

In Deutschland war der Sonntag vielerorts der bisher heißeste Tag des Jahres, aber auch im restlichen Europa scheint die Sommersonne erbarmungslos heiß und richtet immense Schäden an.

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          In Deutschland war der Sonntag vielerorts der bisher heißeste Tag des Jahres, aber auch im restlichen Europa scheint die Sommersonne erbarmungslos heiß und richtet immense Schäden an.

          In Deutschland trieben strahlender Sonnenschein und glühende Sommerhitze am Wochenende unzählige Menschen an die Strände und Ufer von Seen, Meeren und Flüssen getrieben. Wer sich nicht in die kilometerlangen Schlangen auf Autobahnen und Fernstraßen einreihen wollte, holte sich im Freibad, Biergarten oder Eiscafé die notwendige Abkühlung. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad hatten Ausflugslokale Hochkonjunktur.

          Mannheim und Karlsruhe mit Rekordhitze

          Der Sonntag war mit 37,6 Grad in Mannheim und 37,9 Grad in Karlsruhe der heißeste Tag des Jahres. Der Hitzerekord der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland wurde am 27. Juli 1983 in Gärmersdorf in Bayern mit 40,2 Grad ermittelt. Im Südwesten Deutschlands stiegen die Ozonwerte über die kritische Grenze von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Behörden riefen dazu auf, nur noch in dringend notwendigen Fällen mit dem Auto zu fahren. Auch in Nordrhein-Westfalen gab es Ozon-Warnungen.

          „Das ist noch einmal ein Wochenende zum Genießen“, sagte Meteorologe Götz Wagner vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München am Sonntag. Denn ab Montag ist es mit dem Traumwetter in Deutschland vorerst vorbei. Nach den Vorhersagen steht eine schweißtreibende Woche bevor. „Die Temperaturen steigen zwar nur noch selten über 30 Grad, aber die Luftfeuchtigkeit steigt, und die Luft steht. Die Hitze wird als unangenehm empfunden“, prophezeite DWD-Meteorologe Helmut Malewski in Offenbach.

          Stau im Sonnenschein

          Als qualvoll dürfte schon am Samstag mancher Urlauber die Hitze empfunden haben, der mit dem Auto nach Italien wollte oder nach Skandinavien unterwegs war. Ob in Richtung Süden oder Norden - auf vielen Autobahnstrecken gab es Staus: 30 bis 40 Kilometer lange Autoschlangen meldete die Polizei in Bayern und Niedersachsen. Auch in Österreich und der Schweiz brauchten die Reisenden vor Tunneln Geduld. Eine Ursache war der Ferienbeginn in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Am Sonntag waren es dann die Ausflügler, die die Straßen aufs Land oder an die See verstopften.

          Die Hitze führte am Sonntag auf zwei Autobahnabschnitten der A1 in Schleswig-Holstein zu schweren Fahrbahnschäden und Staus. „Zahlreiche Betonplatten haben sich aufgerichtet und bereits zu Reifenschäden bei Autofahrern geführt“, sagte ein Polizeisprecher in Scharbeutz.

          Warnung vor Feuergefahr

          In ganz Deutschland warnten Feuerwehren vor dem leichtfertigen Umgang mit Feuer im Wald. Durch die anhaltende Trockenheit sei die Gefahr von Wald- und Flächenbränden gestiegen, sagte ein Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes Schleswig-Holstein. Bei einem Feuer in Geesthacht in Schleswig-Holstein sind am Wochenende rund 5.000 Quadratmeter Wald- und Buschland den Flammen zum Opfer gefallen. „Wir vermuten, daß Selbstentzündung zu dem Brand geführt hat, da der Boden sehr, sehr trocken war“, sagte ein Feuerwehrsprecher.

          In Deutschland bereitet die Hitze vor allem den Binnenschiffern Sorge. Auf der Oder ist die Schifffahrt eingestellt. Auf Rhein und Donau fahren die Schiffe zwar noch, doch dürfen sie nicht voll beladen werden. In Sachsen-Anhalt ist die Elbe in Schönebeck bei Magdeburg nur noch 70 Zentimeter tief. Vor kurzem tauchte dort der „Hungerstein“ auf. Sein Erscheinen war vor langer Zeit ein Indiz dafür, daß die Schifffahrt eingestellt werden mußte - den Familien der Schiffer stand eine Hungerszeit bevor.

          Italien leidet unter der Hitze

          Von den negativen Auswirkungen des Wetters ist besonders Italien betroffen, wo die ausgetrockneten großen Flüsse in dieser Woche aus Alpenseen gespeist werden müssen. Dort soll von Donnerstag an Wasser aus den Alpenseen in Flüsse abgelassen werden. Damit sollen die niedrigen Pegel angehoben werden, so daß Stromerzeuger, Industrie und Landwirtschaft in Norditalien wieder Wasser haben. Italienische Zeitungen berichteten am Sonntag, täglich müßten acht Millionen Kubikmeter Wasser aus den Alpenseen entnommen werden. Die Verbraucher in Italien müssen angesichts von Ernteausfällen wegen der Trockenheit mit steigenden Preisen bei Olivenöl und Wein rechnen. Im Süden des Landes, in Apulien und Kalabrien, vernichteten Feuer über 100 Hektar Wald- und Buschland.

          Im Südosten Frankreich wurden die verheerenden Feuer am Wochenende weitgehend eingedämmt. Nach dem Flammenfraß sehe es in der abgebrannten Zone aus wie in einer „Mondlandschaft“, sagte ein Förster. Es könnte etwa 40 Jahre dauern, den Wald aufzuforsten. Das Feuer hatte nach Angaben der Behörden in Draguignan seit Donnerstag mehr als 10.000 Hektar Kiefernwald vernichtet und war bis an die Küste vorgedrungen. 10.000 Menschen mußten in Sicherheit gebracht werden. Bei den schwersten Waldbränden an der Côte d'Azur seit mehr als zehn Jahren waren rund 1.300 Feuerwehrleute im Einsatz. Unterdessen stöhnen die Bauern in Frankreich, weil das Gras auf den Weiden verdorrt. Sie müssen deswegen schon jetzt die für den Winter gedachten Heuvorräte verfüttern.

          Waldbrände in Spanien

          Begünstigt durch die Trockenheit sind bei Waldbränden in Spanien Hunderte Hektar Wald vernichtet worden. Südwestlich von Madrid wurden wegen eines Feuers 1500 Familien aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht, berichtete der Rundfunk am Sonntag. Etwa 20 Menschen kamen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. In Portugal zerstörte ein Feuer einen der größten Strandpinien-Wälder Europas.

          Heiß ist es nicht nur im Mittelmeerraum, auch in Skandinavien herrschten hochsommerliche Temperaturen, berichtete der Deutsche Wetterdienst am Sonntag. In Nordschweden seien Werte von 30 Grad keine Seltenheit und am Nordkap sei es 28 Grad warm.

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