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Washingtoner Artenschutzabkommen : Bis zum Letzten

Naturschützer gehen davon aus, dass zwei Drittel der Eisbären bis 2050 verschwunden sein werden. Bild: © Wayne Lynch/All Canada Photos/

Seit 40 Jahren schützt das Washingtoner Artenschutzabkommen Pflanzen und Tiere. Doch viele Lebewesen sind trotzdem bedroht. Auf der Vertragsstaatenkonferenz in Bangkok soll der Artenschutz für einige Tiere neu verhandelt werden.

          Was haben Frösche in Indonesien und Eisbären in Kanada gemeinsam? Sie werden getötet, um Produkte von ihnen in der Europäischen Union (EU) vermarkten zu können. Jahr für Jahr werden bis zu 200 Millionen Fröschen im Fernen Osten die Beine abgehackt, da vor allem Franzosen, aber zum Beispiel auch Belgier, Niederländer und Portugiesen den Geschmack (nach jungen Hühnern) der in heißem Fett goldbraun gebratenen Schenkel schätzen. Und im Norden Amerikas werden - legal - 600 Eisbären als Trophäen erlegt. Ein Teil der Pelze wird später dann auf den Laufstegen in Mailand und Paris zur Schau getragen. Naturschützer gehen davon aus, dass zwei Drittel der Eisbären bis zum Jahr 2050 verschwunden sein werden. Dabei weiß heute schon niemand so genau, wie viele Polarbären es überhaupt noch gibt. Schätzungen gehen von etwa 25 000 aus.

          Streit um Artenschutz für Eisbären

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Und doch streiten sich die Experten über den richtigen Umgang mit dem größten an Land lebenden Raubtier der Erde. Während Kanadas Nachbar, die Vereinigten Staaten, einen strengen Schutz von Eisbären fordert und einen entsprechenden Antrag auf der am Sonntag beginnenden Vertragsstaatenkonferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen in Bangkok gestellt hat, regt sich in der EU Widerstand gegen eine Aufnahme des Eisbären in den Anhang I der besonders gefährdeten Arten. Unter anderem Dänemark, das die Interessen seines autonomen Gebietes Grönland vertritt, will sich eine Rückkehr in den Eisbärexport offenhalten.

          Doch selbst die größte Naturschutzorganisation der Welt, der WWF (“World Wide Fund For Nature“), lehnt den Antrag Washingtons ab. Denn nicht die Tötung der Eisbären, ob mit Genehmigung oder durch Wilderer, und der internationale Handel sorgen für den Rückgang der Bestände, sondern „der Lebensraumverlust und die Veränderungen im Ökosystem aufgrund des globalen Klimawandels“, wie der WWF mitteilt. Der Bestand der Eisbären entspreche daher derzeit nicht den Kriterien für die Aufnahme in Anhang I.

          Die Papageien und Schildkröten stehen im Anhang

          Vor 40 Jahren einigten sich 40 Regierungen in Washington auf einen Vertrag, der dem unkontrollierten Handel von gefährdeten Pflanzen und Tieren über alle Grenzen hinweg ein Ende bereiten sollte. Die „Convention on International Trade in Endangered Species of wild Fauna and Flora“ (Cites), am 3. März 1973 unterzeichnet, trat 1975 international in Kraft. Deutschland war 1976 das erste Land der EU, das sich dem Washingtoner Artenschutzabkommen anschloss. Inzwischen sind alle 27 EU-Staaten beigetreten, und die EU tritt bei den alle drei Jahre stattfindenden Vertragsstaatenkonferenzen auch meist geschlossen auf. Als 178. und bislang letzter Staat trat am Donnerstag Libanon dem internationalen Übereinkommen bei.

          Von Anfang an listete Cites die gefährdeten Pflanzen- und Tierarten in drei Anhängen des Vertragswerks auf. In Anhang I finden sich alle unmittelbar von einer Ausrottung bedrohten Arten, Handel mit ihnen ist grundsätzlich verboten. Dazu gehören Pandabären und Menschenaffen, einige weitere Bären- und Katzenarten, viele Papageien und Greifvögel, alle Wale, einige Schildkröten, Krokodile und Riesenschlangen sowie verschiedene Kakteen- und Orchideenarten. Nur durch den Schutz in dieser Kategorie konnten einige Arten gerade noch gerettet werden, etwa der Bengaltiger, die große Fleckkatze, der Riesenotter und der Afrikanische Elefant. An die 900 Pflanzen- und Tierarten finden sich im Anhang I.

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