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Walfangkommission tagt in Anchorage : Kein Ende des Walfangs in Sicht

Buckelwal vor der Küste der japanischen Insel Okinawa Bild: REUTERS

Die Internationale Walfangkommission ist ein Haifischbecken. Mit allen taktischen Mitteln werden Walfangnationen wie Japan diesem Montag an in Anchorage für ihre Ziele kämpfen. Den Walschützern steckt der japanische Verhandlungserfolg vom Vorjahr noch in den Knochen.

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          Guatemala, Kambodscha, die Marshallinseln, Israel und Slowenien sind 2006 Mitglieder der mehr als 60 Jahre alten Internationalen Walfangkommission (IWC) geworden (oder sind ihr einfach nur wieder beigetreten), in diesem Jahr verzeichnet sie ebenfalls schon fünf Zugänge: Ecuador, Griechenland, Laos, Kroatien und Zypern.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dass in den Gewässern dieser Länder keine Wale beheimatet sind, spielt keine Rolle. Jedes Land kann Mitglied der Kommission werden. So steht es im Internationalen Übereinkommen zur Regelung des Walfangs (ICRW), das am 2. Dezember 1946 in Washington unterzeichnet wurde. Bis 1980 hatte sich die IWC - wie ihr Name sagt - dem Walfang verschrieben. Die Repräsentanten der ersten kaum ein Dutzend Unterzeichnerstaaten trafen sich jährlich, um Fangquoten auszuhandeln. Dabei missachteten sie allerdings ihre eigene Vorgabe, die Bestände der Meeressäuger durch ihre Jagd nicht zu gefährden.

          Zur Walschutzorganisation gewandelt

          In den achtziger Jahren wandelte sich die IWC zu einer Walschutzorganisation. Seither stehen sich die Gegner und Befürworter des Walfangs unversöhnlich gegenüber. Da wichtige Entscheidungen nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gefällt werden können, versuchen beide Seiten seit Jahren, neue Mitglieder für die IWC und damit für die eigene Sache zu gewinnen. Nur so konnte schon 1982 ein Walfang-Moratorium verabschiedet werden, das seit 1986 in Kraft ist: Gleich zehn neue Mitglieder, darunter die Bundesrepublik Deutschland, reisten 1982 nach Brighton, um die Jagd auf die Meeressäuger zu verhindern. Allein seit dem Jahr 2000 sind weitere 35 Nationen der nunmehr 76 Länder umfassenden Organisation beigetreten.

          SOS für Wale: Aktion von Schulkindern am Dockweiler State Beach in Los Angeles

          Die IWC trifft sich in diesem Jahr zu ihrer 59. Tagung in Anchorage in Alaska. Damit setzen die Vereinigten Staaten ein Zeichen. Amerika ist das einzige Land, das den Walfang strikt ablehnt, selbst aber Dutzende Wale erlegt. Allerdings lässt Washington die Tiere nicht kommerziell erlegen, sondern erlaubt einigen Ureinwohnern - vor allem den Eskimos in Alaska -, Grönland-, Weiß- und Grauwale zu töten. Auch der Stamm der Makah im Bundesstaat Washington hat seit 1855 das vertraglich niedergelegte Recht, Robben und Wale zu erlegen. Für diesen indigenen Walfang, den die IWC genehmigt hat, müssen alle fünf Jahre Fangquoten festgelegt werden.

          Washington sicherte sich vorsorglich Gastgeberrolle

          Jahrzehntelang hatte es über das Fangrecht der Inuit keinen Disput gegeben, jedesmal wurde die nötige Dreiviertelmehrheit erreicht. Vor fünf Jahren aber scheiterte die amerikanische Delegation bei dem Versuch, die von ihr vorgesehenen Quoten durchzusetzen. Auf der 54. Jahrestagung der IWC im japanischen Shimonoseki hatte zunächst Japan vergeblich versucht, seinen aus wissenschaftlichen Gründen erlaubten Fang von Zwergwalen um 50 Prozent zu erhöhen.

          Im Gegenzug nahmen die Vertreter Tokios den Ureinwohnern in Alaska und Sibirien ihre Fangquoten. Damals gelang es den Vereinigten Staaten erst im zweiten Anlauf, die Quoten durchzusetzen - bei einem Sondertreffen im britischen Cambridge im Herbst 2002. Vorsorglich hat sich Washington darum dieses Mal die Gastgeberrolle gesichert, in der Hoffnung, sich damit eine bessere Position zu verschaffen.

          „St. Kitts und Nevis Deklaration“

          Ein weiteres großes Thema wird die sogenannte „St. Kitts und Nevis Deklaration“ sein, die im vergangenen Jahr verabschiedet wurde. Bei der 58. Jahrestagung im Karibikstaat St. Kitts und Nevis hatten sich die Walfangbefürworter erstmals seit drei Jahrzehnten durchsetzen können. Sie nutzten eine einfache Mehrheit, um das seit 1986 geltende Walfang-Moratorium in Frage zu stellen. Vor allem Japan dürfte in Anchorage versuchen, auf dieser Entscheidung aufzubauen.

          Die „Whale and Dolphin Conservation Society“ (WDCS) befürchtet, dass Tokio die Grenzen zwischen indigenem und kommerziellem Walfang weiter verwischen will, um eine neue Kategorie des „traditionellen“ oder „kulturellen“ Walfangs einzuführen. Dabei kann Japan indes nicht auf alle Stimmen der neuen Mitglieder zählen: Kroatien, Slowenien und Ecuador werden sich wohl genauso auf die Seite der Walschützer schlagen wie Nicaragua, das bislang ein Befürworter der Jagd auf die Meeressäuger war. In Anchorage wird auch über Islands Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs gesprochen. Der Inselstaat hatte 2003 die nicht untersagte wissenschaftliche Jagd auf Meeressäuger wieder aufgenommen. Bis 2006 wurden 150 Zwergwale harpuniert, im vergangenen Herbst erstmals auch sieben (vorgesehen waren neun) Finnwale, deren Fleisch, wie es heißt, nach Japan exportiert werden soll.

          Die IWC fühlt sich zwar für Finnwale verantwortlich, längst aber nicht für alle Meeressäuger. Rund 70 Wal- und Delphinarten sind bekannt, auf der Liste der Walfangkommission stehen indes nur zwölf - unter ihnen Bartenwale wie Zwerg-, Blau-, Finn-, Sei-, Grau-, Bryde- und Buckelwal sowie Zahnwale wie Pott- und Entenwal. Um andere Tiere, die ebenfalls gejagt werden - wie etwa Weiß- und Narwal sowie einige Delphinarten -, kümmert sich die IWC nicht. So wird auch auf den Jahrestagungen nie über die Arten gesprochen, die fast schon ausgerottet sind. Dazu gehört der Atlantische Nordkaper (Eubalaena glacialis), auch Nordatlantischer Glattwal genannt, der früher so stark bejagt wurde, dass nur noch einige hundert Individuen übrig sind. Der heute wohl seltenste Wal der Welt, auf den inzwischen keine Harpunen mehr abgeschossen werden, wird inzwischen vor allem von Frachtschiffen getötet, die immer wieder mit ihm kollidieren.

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