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Walfang-Kommission : Der Anfang vom Ende des Walschutzes

  • Aktualisiert am

Japanischer Walfänger - bald wieder ganz ungeniert? Bild: dpa

Umweltschützer hatten es schon vor der Tagung der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) befürchtet: Japan hat inzwischen genügend IWC-Stimmen „gekauft“, um den Walfangnationen wieder freie Bahn für ihr blutiges Geschäft zu besorgen.

          Seit Jahren hat Japan versucht, die Internationale Walfangkommission (IWC) zu dominieren, um das Walfangmoratorium auszuhebeln und Wale weltweit zu kommerziellen Zwecken jagen und töten zu dürfen. Die Gegner haben das bisher verhindert, da sie die Mehrheit in dem Gremium hatten. Japan kaufte deshalb in den vergangenen Jahren diverse arme Länder mit entsprechender finanzieller Hilfe, damit sie in die IWC eintreten, um ihre Stimme für den Walfang abzugeben. Die Abstimmungsergebnisse in der IWC wurden deshalb von Mal zu Mal knapper. Jetzt ist es der japanischen Delegation im Karibikstaat St. Kitts und Nevis erstmals gelungen, das Lager der Walschützer zu überstimmen.

          „Das ist der Anfang vom Ende des Walschutzes“, sagte Stefanie Werner von Greenpeace unter Schock in der Nacht zum Montag in einer ersten Reaktion. Mit 33 zu 32 Stimmen hatte die 58. IWC-Jahrestagung der Resolution von St. Kitts zugestimmt. Darin wird gefordert, daß die IWC sich künftig weniger um den Schutz der Meeressäuger, sondern um die Kontrolle des kommerziellen Walfangs kümmern soll. Die Wale selbst werden - verkürzt zusammengefaßt - als Fischvernichter bezeichnet, und der kommerzielle Walfang wird als Mittel zur Armutsbekämpfung in küstennahen Regionen dargestellt.

          Keine Argumente, nur Taktik

          Die Argumente für den Walfang können also nicht der Grund für das Abstimmungsergebnis gewesen sein. Daß die einigen tausend Wale für den Schwund der Fischbestände in den Weltmeeren verantwortlich sein sollen, und nicht die Milliarden Menschen und deren Umgang mit den Ressourcen, glauben wohl weder die Japaner selbst noch die von ihnen vereinnahmten Parteigänger aus Afrika und der Karibik.

          Walfleisch-Verarbeitung im Hafen von Wada

          Vorausgegangen war eine Reihe von Abstimmungen, in denen Japan versucht hatte, sein Ziel, die IWC zu kontrollieren, durch die Hintertür zu erreichen. So scheiterte der Versuch, geheime Abstimmungen einzuführen. Und oft wurden in den stundenlangen Diskussionen mit Dutzenden von Wortmeldungen die Begründungen der Japaner und ihrer Parteigänger niedergelacht. Viele Länder sind empört über Japan.

          Dänemarks Stimme gab den Ausschlag

          Am Samstag etwa hatten einige Staaten die Einrichtung von Walschutzgebieten im Südpazifik und in Westindien beantragt. Diese Anträge wurden nach einer hitzigen Debatte erst gar nicht zur Abstimmung gestellt. Statt dessen beantragte Japan ungerührt die Abschaffung der Schutzgebiete in der Antarktis, unterlag aber. Ein letztes Mal?

          Dann folgte der zentrale Angriff der Walfänger: Die Deklaration von St. Kitts, in der Japan alle seine eingekauften Länder in Stellung gebracht hatte. Weder an den Inhalten der Diskussionen hatte sich etwas geändert, noch waren die Lager aufeinander zugegangen. Japan brachte nur eine Stimme mehr mit zur Abstimmung, als die anderen. Es war die Stimme Dänemarks, das die Walfängerinteressen Grönlands vertritt. Bei einer ersten Abstimmung auf der Konferenz über Kleinwale hatte sich das Land noch enthalten, diesmal stimmte es mit dem japanischen Lager.

          „Ein einziger Skandal“

          „Die Resolution ist inhaltlich ein einziger Skandal“, machte der brasilianische Vertreter seinem Ärger Luft. Togo, ein von Japan eingekauftes Land, selbst ohne Interessen an Walen, kritisierte das Demokratieverständnis mancher Staaten, die das Ergebnis so nicht hinnehmen wollten. Gambia ließ den Walschützern ausrichten: „Man muß auch verlieren können“.

          Das seit 20 Jahren bestehende Walfangmoratorium selbst ist nicht unmittelbar gefährdet, da es nur mit einer Zweidrittelmehrheit abgeschafft werden kann. Doch die Walfanggegner sind sich sicher, daß Japan nun dazu übergehen kann, Schritt für Schritt, die Tagesordnungspunkte der IWC zu bestimmen und Schritte zur Wiedereinführung des kommerziellen Wahlfangs zu ergreifen.

          „Dies ist ein katastrophaler Rückschlag für die intensiven Bemühungen, Wale umfassend zu schützen“, kritisierte Nicolas Entrup, Sprecher der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS. Für ihn ist die Abstimmung von St. Kitts gleichzusetzen mit der Wiederzulassung des kommerziellen Walfangs. Nach 20 Jahren kommerziellen Walfangverbots fühlten sich die Pro-Walfangstaaten gestärkt in ihren Bemühungen, dieses so rasch wie möglich aufzuheben.

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