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Vogel des Jahres : Wie eine Ziege am Himmel

  • -Aktualisiert am

Feucht muss es sein: Bekassine in einem norddeutschen Moor Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Der Vogel des Jahres ist die Bekassine. Die Schnepfenart lebt vornehmlich im Moor und auf Feuchtwiesen. Den Namen verdankt sie ihren meckernden Balzgeräuschen.

          Viele Bekassinen, die in Skandinavien und Osteuropa brüten, machen auf ihrem Flug in die Winterquartiere rund ums Mittelmeer eine Pause in Deutschland. Wo sie geeignete Biotope mit weichem Boden und Schlammflächen vorfinden, um darin nach Würmern, Insektenlarven und anderem Kleingetier zu suchen, unterbrechen sie ihren nächtlichen Zug. Mitunter tagelang halten sich die „Riedschnepfen“ dann hier auf. In ihrem von weißen und gelblichen Streifen durchsetzten braunen Gefieder sind sie selbst aus der Nähe schwer zu erkennen. Nähert sich ein Mensch oder ein Fuchs, „drücken“ sie sich gerne bis zum letzten Moment, um dann in reißendem Zickzackflug abzustreichen und den Störenfried auch noch mit lauten „ätsch-ätsch“-Rufen zu erschrecken.

          Es gibt aber Gefahren, vor denen sich der Vogel nicht so leicht in Sicherheit bringen kann. Deshalb haben der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) am Freitag in Berlin die Bekassine als „Vogel des Jahres 2013“ vorgestellt. Der ungewöhnliche Name stammt aus dem Französischen und nimmt Bezug auf den langen Schnabel („bec“) des Bewohners von Feuchtgebieten: „Bécassine des marais“ nennen ihn die Franzosen, „Common snipe“ die Engländer.

          In Deutschland wurde der Vogel, eine von mehr als 80 Schnepfenarten der Welt, lange als Sumpfschnepfe bezeichnet. Doch die Jäger gaben dem französischen Namen schon immer den Vorzug und setzten ihn schließlich durch. Das erleichterte bei den vielen Namen für andere Schnepfen in Europa (Doppelschnepfe, Zwergschnepfe, Waldschnepfe, Uferschnepfe, Pfuhlschnepfe) die Unterscheidung. Aber wenn es um Namen geht, schlägt die Bekassine ohnehin alle Verwandten: Gut 70 verschiedene Bezeichnungen finden sich in manchen vogelkundlichen Büchern. „Himmelsziege“ ist die wohl populärste unter ihnen.

          Innerhalb von 20 Jahren hat sich der Bestand halbiert

          Diesen für einen Vogel ungewöhnlichen Namen verdankt die Bekassine einem Geräusch, das die Männchen während ihres Balzflugs in der Luft mit den zwei abgespreizten äußeren Schwanzfedern erzeugen. Nachdem sie über ihrem Brutrevier in eine Höhe von mitunter mehr als 50 Meter aufgestiegen sind, lassen sie sich mit leicht angewinkelten Schwingen in die Tiefe fallen. Beim Sturzflug bringt der „Fahrtwind“ die beiden ausgestellten Federn zum Vibrieren, so dass sie wie das Meckern einer Ziege klingen.

          Der lange Schnabel prägt das Erscheinungsbild des „Vogels des Jahres 2013“.

          Bis zu einer Stunde können manche Bekassinenmännchen ohne Unterlass auf- und abfliegen und so ein Weibchen auf sich und einen geeigneten Brutplatz am Boden aufmerksam machen. Landen sie schließlich im Gras auf feuchtem Untergrund, geht die Werbung mit lauten Rufen (djeppe-djeppe, tücke-tücke-tücke oder ticka-ticka-ticka) weiter. Jahrhundertelang wurde übrigens erbittert gestritten, ob die Vögel die Meckerlaute mit der Stimme oder mit dem Gefieder erzeugen.

          Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung, ebenso in mondhellen Frühjahrsnächten gehörten noch bis vor knapp 50 Jahren auch in Deutschland über vielen Mooren, Sümpfen und Nasswiesen die eindrucksvollen Balzgeräusche zum weit verbreiteten Frühjahrskonzert. Von den einstmals mehr als 100000 Brutpaaren sind nur noch zwischen 5500 und 6700 übrig geblieben. Alleine in den vergangenen 20 Jahren ist der Bestand um die Hälfte gesunken. In Schleswig-Holstein, dem einstmals wichtigsten deutschen Brutgebiet, ging der Brutbestand zwischen 1970 und 2000 um 90 Prozent zurück.

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