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Verkehr : Los Angeles erstickt an den Autos

  • -Aktualisiert am

Der Dschungel des Monsuns: Verkehrsstau in Los Angeles Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Jeden Tag legen die Bewohner Los Angeles zusammen umgerechnet die doppelte Entfernung von der Erde zur Sonne zurück. Die Stadt leidet am chronischen Verkehrsinfarkt. Helfen soll eine neue U-Bahn. Aber die Fahrgäste sind rar.

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          Die Stadt der Engel ist wahrlich kein Ort zum Flanieren. Gewiß, am Hollywood Boulevard gibt es den „Bürgersteig der Stars“, und auch die exklusiven Läden am Rodeo Drive erreicht man am besten zu Fuß. Es lohnt sich inzwischen sogar wieder, Downtown ohne Auto zu erkunden.

          Aber gemessen an seiner Größe - auf 4100 Quadrakilometern leben mehr Menschen als in Berlin, Paris und Rom zusammen -, ist Los Angeles für Fußgänger ebenso ungeeignet wie ein Dschungel während des Monsuns. In manchen Stadtteilen von L.A. machen sich Menschen sogar verdächtig, wenn sie sich zu Fuß ertappen lassen. Auf diese Weise, so erklärt es ein Stadtpolizist, seien sonst nur Prostituierte und Rauschgifthändler unterwegs.

          Deutsche Tunnelbohrmaschine

          Auch in der East First Street im Bezirk Boyle Heights, der zum berüchtigten East Los Angeles gehört, würde man von Polizisten und zwielichtigen Gestalten schief angeguckt, ginge man auf dem von Unkraut bewachsenen Bürgersteig.

          Knapp 20 Meter unter der Erdoberfläche, in einem gerade ausgehobenen Tunnel, ist man davor sicher. Unter Tage wühlen sich dort zur Zeit zwei in Deutschland hergestellte Tunnelbohrmaschinen durch den lockeren Baugrund. Ziel des Vorhabens ist es, die Metro zu erweitern, die Los Angeles vom chronischen Verkehrsinfarkt heilen soll.

          Die Entfernung von der Erde zur Sonne

          Die Stadt der Engel ist in Wirklichkeit eine Stadt der Autos. Obwohl im statistischen Durchschnitt jeder zweite „Angelino“ einen Wagen besitzt, ist niemand glücklich mit dem Verkehr. Es gibt einfach zu viele Fahrzeuge. Die Straßen sind verstopft. Auf den 25 Freeways rollt der Verkehr schon längst nicht mehr frei. Die Luft ist immer noch schlecht. Und Dutzende Quadratkilometer ebenerdiger Parkplätze, die nur notdürftig asphaltiert sind, verwandeln sich am Abend, wenn die Pendler nach Hause gefahren sind, in unansehnliche Stadtbrachen.

          Jeden Tag legen die Bewohner des Großraums Los Angeles auf den endlos erscheinenden Betonbändern zusammen die unglaubliche Strecke von mehr als 330 Millionen Kilometern zurück. Das entspricht dem Doppelten der Entfernung von der Erde zur Sonne - und dabei läuft es im Berufsverkehr oft mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 20 Kilometern pro Stunde.

          „Streetcar“

          Das war keineswegs immer so. Noch vor fünfzig Jahren gab es in Los Angeles ein gut ausgebautes Straßenbahnnetz. Die zur großen Eisenbahngesellschaft „Southern Pacific Railroad“ gehörende „Pacific Electric Railway“ verfügte über Strecken von mehr als 1770 Kilometern.

          Die konkurrierende „Los Angeles Railway“ setzte gleichzeitig auf ihren 20 Linien täglich mehr als 1250 Straßenbahnzüge ein. Bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts galt Los Angeles als eine Stadt, in der man mit dem „Streetcar“ jeden abgelegenen Winkel erreichen konnte.

          Hunderttausende befahren Pasadena Freeway

          Der Anfang vom Ende des Straßenbahnnetzes kam am 1. Januar 1940, als die erste mehrspurige und kreuzungsfreie Straße dem Verkehr übergeben wurde. Der „Arroyo Seco Parkway“ verband die Innenstadt mit dem nordöstlich gelegenen Vorort Pasadena und wird auch heute noch als „Pasadena Freeway“ täglich von Hunderttausenden befahren.

          Später kamen die berühmten anderen Stadtautobahnen hinzu, der „Long Beach Freeway“, der wegen der Dauerstaus gefürchtete „Santa Monica Freeway“ sowie die nahezu parallel verlaufenden „Golden State“ und „San Diego Freeways“.

          Pendeln - ein Genuß

          Tatsächlich muß es vor 40 Jahren noch ein erfreuliches Erlebnis gewesen sein, auf diesen urbanen Betonbändern dahinzugleiten. Verglichen mit den deutschen Autobahnen, waren die Freeways von Los Angeles großzügig angelegt. Auf sechs oder sogar acht Spuren in jeder Richtung rollte der Verkehr ohne Stocken dahin.

          Verglichen mit der Straßenbahn, die ihre Fahrgäste auf harten Sitzen und krummen Schienen kräftig durchschüttelte, war das Pendeln mit dem eigenen Wagen damals ein Genuß. Immer mehr Menschen stiegen ins eigene Auto, und die Straßenbahnen verloren Passagiere. Immer mehr Linien wurden eingestellt. Im Jahre 1963 bewegte sich zum vorerst letzten Mal eine Elektrische durch die zweitgrößte Stadt der Vereinigten Staaten.

          Verschwörungstheorie

          Die Verlagerung des Verkehrs von der Schiene auf die Straße lief nicht ohne Probleme ab. Die Trassen der Freeways durchschnitten oft die von Schwarzen und Latinos bewohnten Stadtviertel und machten diese Gegenden noch unwohnlicher.

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