https://www.faz.net/-gum-6u848

Umwelt : Der Wald der Zukunft

Setzlinge der Türkischen Tanne im Versuchsfeld bei Teisendorf Bild: Andreas Müller

Nahe Traunstein experimentieren Forstwissenschaftler mit Bäumen aus Südeuropa. Bald könnten sie auch in Bayerns Wäldern stehen, sollte die Temperatur in Deutschland weiter steigen.

          4 Min.

          In einer Baumschule im Berchtesgadener Land wächst Europa zusammen. Im Schneckentempo. Auf einer fußballfeldgroßen Fläche östlich von Traunstein stehen dicht gedrängt Orientbuchen-Setzlinge aus der Türkei, Silberlinden-Setzlinge aus Bulgarien und Weißtannen-Setzlinge aus dem Schwarzwald. Klein sind die Bäume, manche reichen gerade mal so über die Knöchel von Monika Konnert. Als Leiterin des Bayerischen Amtes für forstliche Saat- und Pflanzenzucht kümmert sich die Chemikerin mit einem Doktortitel in Forstgenetik um den Nachwuchs. Zusammen mit ihren Mitarbeitern überwacht sie die zaghaften Streckversuche der fremden Baumarten und wertet sie aus.

          „Der Klimawandel wird zu Veränderungen in den Wäldern führen“

          Die Wissenschaftler des Pflanzenzuchtamtes in Teisendorf setzen große Hoffnungen in die kleinen Pflanzen: Wenn der Klimawandel die Temperatur in Deutschland weiter steigen lassen sollte, könnten Bäume aus wärmeren Gegenden die Zukunft des bayerischen Waldes sichern - auch wenn er dann möglicherweise nur noch dem Namen nach tatsächlich bayerisch ist. „Die Situation durch den Klimawandel ist dramatisch“, sagt Monika Konnert. „Sie wird mit Sicherheit zu Veränderungen in den Waldbeständen führen.“

          Schon heute sind einige heimische Baumarten bedroht. Borkenkäfer knabbern nach milden Wintern an ihren Stämmen, schwere Stürme lassen sie einknicken oder entwurzeln. Deshalb versuchen Monika Konnert und ihre Kollegen im Auftrag der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising herauszufinden, welcher Baum zu einem wärmeren, stürmischeren Deutschland passt. Neben dem Versuch mit bisher in Deutschland nicht heimischen Baumarten wie der amerikanischen Hemlocktanne führen die Wissenschaftler auch klassische Herkunftsversuche durch. Dabei bekommen Bäume, die heute schon in Deutschland wachsen, Gesellschaft von inländischen und ausländischen Verwandten.

          In Franken wachsen schon Schwarzkiefern aus halb Europa

          Für einen dieser Herkunftsversuche hat ein Kollege Konnerts in halb Europa Schwarzkiefern-Samen sammeln lassen - auf Korsika, in Spanien und in Kalabrien. 30 verschiedene Schwarzkiefern sind im vergangenen Jahr auf Versuchsflächen in Wäldern gepflanzt worden: Trockene Standorte, etwa auf der Fränkischen Platte oder in der Oberpfalz. Ziel des Projektes ist es zu untersuchen, welche der Schwarzkiefern-Herkünfte aus dem gesamten natürlichen Verbreitungsgebiet künftig für den Anbau in Bayern geeignet sind - wenn die Sommer trockener und wärmer werden, wenn es aber im Winter und im Frühjahr trotzdem noch friert.

          In Teisendorf gedeihen dicht gedrängt zehntausend Libanon-Zedern. Bilderstrecke

          Der Versuch mit den sechs fremden Baumarten ist dagegen noch in einem frühen Stadium. Monika Konnerts Mitarbeiter Hans-Gert Metzger und Karolina Faust kümmern sich um die Orientbuchen oder die libanesischen Zedern auf dem Versuchsfeld. Sie düngen die Setzlinge, gießen sie. Und wenn nun bald der erste Frost kommt, decken die beiden Planen über die Pflanzen. Immer wieder holen Faust und Metzger den Zollstock heraus, um zu prüfen, wie ihre Setzlinge gedeihen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.