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Umwelt : Der Wald der Zukunft

Rückschläge für die amerikanische Hemlocktanne

Noch ist ihre Arbeit gewissermaßen Forschung an der Wurzel und kommt nur in Millimeterschritten voran. Bäume wachsen langsam, manche erreichen erst nach Jahrzehnten die „Mannbarkeit“. Erst dann liefern sie Samen für die nächste Generation. Erst dann zeigt sich aber auch, ob die Baumarten in einem Gebiet angesiedelt werden können, in dem sie bis dahin nicht heimisch waren. Monika Konnert blickt zufrieden auf die Setzlinge, während sie über das Versuchsfeld geht. Zwar habe es bei den Hemlocktannen aus Amerika Rückschläge gegeben, weil sie das deutsche Klima nicht vertragen hätten. „Aber es ist auffällig, dass die Tannen aus Südeuropa in diesem Jahr einen ganz starken Wachstumsschub gehabt haben.“

Es wird aber noch Jahre dauern, bis endgültige Schlüsse gezogen werden können. Je nach Art vergehen allein für die Anzucht zwei bis fünf Jahre, erst dann können die Bäume aus der Schule in die Natur gebracht werden. Bis die Silberlinden oder Orientbuchen in einem richtigen Wald weiter sprießen, werden noch zwei Jahre ins Land gehen. Mit den ersten belastbaren Ergebnissen rechnet Konnert in frühestens zehn Jahren. Sie und ihre Mitstreiter brauchen darum vor allem eines: viel Geduld.

Forscher sichern die genetischen Fingerabdrücke der Bäume

Mit der Pflege am wachsenden Objekt ist die Arbeit deshalb nicht getan. Am Sitz des Pflanzenschutzamtes im Forstamt von Teisendorf haben die Wissenschaftler ein DNA-Labor eingerichtet, um die genetischen Fingerabdrücke der Bäume zu nehmen, die sie neu anpflanzen. Gleichzeitig katalogisieren sie die bereits in Bayern wachsenden Bäume. Auch bei Wäldern ist die genetische Vielfalt wichtig. „Wir können nicht alles auf ein Pferd setzen“, sagt Konnert. Baum sei nicht gleich Baum. Weil der eine äußere Einflüsse besser vertrage als ein anderer, gelte: Je größer der Genpool ist, desto besser.

„Wir wollen die genetische Vielfalt in den Waldbeständen bestimmen, um zu sehen, wie das menschliche Handeln sie beeinflusst“, sagt Konnert. Anhand der DNA-Proben versuchen die Forscher auch, manche Fehler der Forstwirtschaft zu korrigieren, die schon vor Jahrhunderten begangen wurden. So hatten Forstwirte lange auf Wälder gesetzt, die von einem Baum dominiert werden, zum Beispiel von der Fichte, weil sie schnell wuchs und gutes Holz lieferte. Angetrieben war das ganze vom Gedanken der Nachhaltigkeit: Wer einen Baum fällt, soll zehn neue Bäume pflanzen. Doch führte dieser Ansatz zu einem eintönigen und damit anfälligeren Wald. „Einförmige Waldbestände sind menschengemacht“, sagt Konnert. Sie und ihre Mitarbeiter arbeiten nun mit modernen Methoden daran, die Irrwege der Vergangenheit zu heilen, um die Zukunft zu sichern.

Das Risiko für den Wald minimieren

Möglicherweise finden sie dabei eine Abkürzung, um die langwierigen Pflanzversuche zu umgehen. Indem sie das Erbgut der Bäume analysieren, könnte es den Wissenschaftlern gelingen, einen Zusammenhang zwischen den Genen und zum Beispiel der Widerstandskraft gegen Trockenheit zu finden. Künftig könnte dann nur mit einer Samenanalyse gesagt werden, welcher Baum in einem bestimmten Klima gedeiht. Man müsse aber vorsichtig sein, auf den „Wunderbaum“ oder die „Wunderherkunft“ zu hoffen, so die Forstwissenschaftler. „Doch wir können dazu beitragen, das Risiko für den Wald zu minimieren, indem wir robuste Baumarten für Deutschland finden.“ Gerade weil die Bäume so lange brauchen, um zu wachsen, sei es wichtig, weiter zu forschen. „Noch haben wir eine ausreichende Basis, um eine genetisch vielfältige und nachhaltige Züchtung zu beginnen“, sagt Monika Konnert. Aber die Zeit werde langsam knapp. Selbst für geduldige Forstwissenschaftler.

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