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Trockenheit : Aprilenglut tut selten gut

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Der Pegel der Elbe bei Dresden lag am Donnerstag bei 120 Zentimetern Bild: dpa

Dieser April ist nicht normal. Das dürfte inzwischen auch dem letzten Wetter-Muffel klar sein. Der Monat ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber schon jetzt steht fest, dass er Rekorde brechen wird, was Wärme, Trockenheit und Sonnenschein betrifft. Längst nicht alle freut's.

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          Dieser April ist nicht normal. Das dürfte inzwischen auch dem letzten Wetter-Muffel klar sein. Dass die Messwerte wahrscheinlich alle Rekorde brechen werden, auch. Doch welche Dimension die Sache hat, das zeigen erst die jüngsten Prognosen des Deutschen Wetterdienstes: In den Hochrechnungen der Offenbacher Staatsmeteorologen erreicht die Monatsdurchschnittstemperatur für Deutschland 11,8 Grad. Das sind sagenhafte 4,4 Grad mehr als üblich und das höchste Aprilmittel seit Beginn der regelmäßigen Wettermessungen im Jahr 1901. Noch nie lag der deutsche Monatsdurchschnitt im April über der 11-Grad-Marke, der bisherige Rekord aus dem Jahr erreichte 10,6 Grad.

          Ähnlich warm wie in diesem Jahr ist es im April normalerweise im französischen Bordeaux (11,1 Grad), im spanischen Bilbao (11,8 Grad) oder im italienischen Venedig (12,2 Grad). Noch erstaunlicher sind die Prognosen für die Sonnenscheindauer: Die wird für den April auf insgesamt rund 280 Stunden taxiert - etwa 180 Prozent der üblichen Dauer von 152,3 Stunden. Der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 1968 (216,9 Stunden) wird damit deutlich in den Schatten gestellt, und selbst der legendäre August 2003, als sich die Sonne über Deutschland durchschnittliche 277,2 Stunden lang zeigte, dürfte bis einschließlich Montag übertroffen werden.

          Schließlich dürfte der April 2007 auch bei der Trockenheit bemerkenswerte Maßstäbe setzen: Auf 4,1 Millimeter durchschnittlichen Niederschlag schätzen die Wetterdienstler die monatliche Regenmenge. Auch das hat es seit 1901 noch nie gegeben. Bislang galt der April 1974 mit 21,3 Millimetern als der trockenste aller Zeiten - kein Wunder bei einem Normalwert von 58,3 Millimetern. Behalten die Meteorologen mit ihrer Prognose recht, dann ginge der diesjährige April als der trockenste Monat überhaupt in die Annalen ein und würde den bisherigen Rekordhalter, den Oktober des Jahres 1908, in dem es 4,2 Millimeter regnete, noch unterbieten. (bad.)

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          Der April lässt es wachsen - normalerweise. In diesem Jahr allerdings treiben Trockenheit und Wärme die Landwirte in die Verzweiflung. Das Wintergetreide, das schon im Herbst gesät wurde und jetzt die Halme ausbilden sollte, könne bei einem solchen Trockenstress statt vier Halmen eben nur noch zwei Halme ausbilden, sagt Michael Lohse vom Deutschen Bauernverband. Da seien Ernteeinbußen programmiert. Sommergetreide wie Sommergerste und Hafer wiederum, auch Zuckerrüben und Mais, die im Frühjahr gelegt wurden, müssen nun Wurzeln bilden, damit sie Wasser - und mit dem Wasser Nährstoffe - aus dem Boden ziehen können. Da es lange nicht geregnet hat, in einigen Gegenden Deutschlands sogar im April noch gar nicht, ist für die Pflanzen nichts zu holen.

          Besonders die Oberkrume ist staubtrocken. Weil Lößböden etwa in der Soester oder der Magdeburger Börde ein besseres Wasserhaltevermögen haben, sind sie nicht so betroffen wie leichte Sandböden, die den Pflanzen nichts mehr bieten können. Bei 30 Grad, wie sie in diesen Tagen teilweise herrschen, verdunstet zudem das bisschen Wasser, das die Pflanzen gespeichert haben. Auch das Gras wächst nicht so, wie es sollte: Es müsste Ende April eigentlich doppelt so hoch sein. Bald muss gemäht werden, weil die Gräser schon blühen.

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