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Südafrika : Zu viel Zucker für die Affen

Angstfreie Affen: Für Touristen meist putzig, für Anwohner eher nicht. Bild: Monica Gumm/laif

Am Kap der Guten Hoffnung gehören Affen zur Fauna wie in anderen Teilen Südafrikas die Löwen oder Elefanten. Für Anwohner sind die Tiere eine Plage, zu oft brechen sie in Häuser ein und werden handgreiflich.

          Force und Merlin sind schon als Krawallmacher im südafrikanischen Küstenort Simonstown bekannt. Wenn die Anführer der Affenbande „Smitswinkel“ etwas zu essen wittern, gibt es kein Halten mehr. Dann verwüsten sie Restaurants, brechen in Autos und Häuser ein und werden gegenüber allen handgreiflich, die sie stoppen wollen. Jetzt aber soll das wilde Treiben der beiden Affen ein Ende haben. Die Kapstädter Stadtverwaltung hat verfügt, Force und Merlin einschläfern zu lassen. Die Affen seien zu stark und zu gefährlich geworden, sagte die Tierärztin Elzette Jordan. Die Entscheidung rief Entrüstung hervor, auch außerhalb Kapstadts. Paviane stehen unter Naturschutz und dürfen nur in Extremfällen erlegt werden. Im Internet überboten sich Tierfreunde mit Aufrufen, die Affenmännchen zu retten. Ähnlichen Wirbel gab es schon vor einem Jahr, als die Behörden einem Pavian namens Fred die Giftspritze setzten. Fred war weithin bekannt geworden, weil er es schaffte, Autotüren zu öffnen und Handtaschen zu entwenden.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Touristen, die zum ersten Mal die malerische Küstenstraße zum Kap der Guten Hoffnung entlangfahren, finden die Affen meist putzig. Für die Anwohner sind sie eine Plage. In dem Ort Pringle Bay etwa drangen die Affen im vergangenen Vierteljahr 130 Mal in Häuser ein. Eine Touristin erzählte der Zeitung „Cape Times“, wie eine Affenhorde die Küche ihres Ferienhauses binnen Minuten in ein Schlachtfeld verwandelte. „Wir hörten das Porzellan zerbrechen, die Tiere brüllten ohrenbetäubend.“ Sicherheitskräfte brauchten eine halbe Stunde, bis sie die Affen mit Stöcken und Tränengas gebändigt hatten.

          Am Kap gehören Paviane zur Fauna wie in anderen Teilen Südafrikas die Löwen oder Elefanten. Die Affen waren schon da, als die ersten Siedler kamen. Manche Tierschützer meinen denn auch, der Mensch sei der wahre Störenfried. Ihnen ist es wohl zuzuschreiben, dass die Tiere außer Rand und Band geraten sind. Die Tiere wurden aber schon immer gefüttert und in die Häuser gelassen, eine Unsitte, die jetzt unangenehme Folgen hat.

          Entlang der Küstenstraßen stehen zwar viele Schilder, die Touristen auf den richtigen Umgang mit den Baboons hinweisen. In einigen Orten wurden elektrische Zäune gezogen und „Wächtertrupps“ gebildet. Eine Lösung für das Affenproblem aber hat niemand. Die Alphatiere einer Horde zu töten sei jedoch die schlechteste Entscheidung, sagt Jenni Trethowan von der Stiftung „Baboon Matters Trust“. „Dann entsteht ein Machtvakuum. Nach einiger Zeit rücken andere Paviane auf die Führungsposition vor und gebärden sich wie ihr Vorgänger oder sogar schlimmer. Die nächste Pavianjagd ist somit nur eine Frage der Zeit, die nächste Entrüstungswelle auch. Tierärztin Elzette Jordan von der Stadtverwaltung: „Aber wir können nicht warten, bis die Paviane zum ersten Mal einen Säugling töten.“

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