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Südafrika : Tiger-Woods in der Reha

Einzelkämpferin: die Chinesin Li Quan Bild: Save China's Tigers

Die Chinesin Li Quan verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Sie will den Chinesischen Tiger vor dem Aussterben retten. Tiger-Woods ist eine von fünf Raubkatzen, die in einem Tiger-Asyl in Südafrika so etwas wie ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen.

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          Tiger-Woods hat sich mit dem Leben in Afrikas Wildnis noch nicht recht angefreundet. Auf mächtigen Pfoten pirscht der sechs Jahre alte Tiger am Zaun seiner Enklave entlang. Fast möchte man meinen, seine hellbraunen Augen blickten sehnsüchtig durch die Drähte in die Ferne. Doch er interessiert sich nicht dafür, dass ihm ein 100 Hektar großes Areal zum Toben offenstünde. Auch dass unweit seines Geheges ein paar kleine Antilopen friedlich grasen, lässt ihn unbeeindruckt.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der private Wildpark in Südafrika müsste für Tiger-Woods eigentlich der Luxus schlechthin sein. Vor wenigen Jahren noch fristete er ein tristes Dasein viele tausend Kilometer entfernt, in einem chinesischen Zoo. In Südafrika, wo normalerweise Löwen und Leoparden, aber keine Tiger leben, absolviert er gerade so etwas wie ein Rehabilitationsprogramm. Er soll lernen, wieder in der Wildnis zu leben.

          Weniger als 100 sind übrig geblieben

          Tiger-Woods und vier orange-schwarz-gestreifte Kompagnons kamen von 2003 bis 2007 nach Südafrika, aber nicht mit Hilfe einer großen Tierschutzorganisation. Eine Einzelkämpferin, die in London lebende Chinesin Li Quan, verfolgt mit dem afrikanischen Tiger-Asyl ein ehrgeiziges Ziel: Sie will die Tiger aus ihrer Heimat vor dem Aussterben retten. In den fünfziger Jahren gab es noch rund 4000 Tiger in China, heute sind es wohl weniger als 100. Seit mehr als 25 Jahren wurde keiner mehr in freier Wildbahn gesichtet. Einige Tierschützer haben die Gattung bereits für ausgestorben erklärt.

          „Ich liebe Katzen”

          Der 48 Jahre alten Quan, die früher als Managerin für Gucci in Mailand arbeitete, sieht man nicht an, dass sie sich für Raubkatzen begeistert. Mädchenhaftes Gesicht, zierliche Figur, die Füße in bunten Designerschühchen. Nur eine Halskette mit Tiger-Anhängern weist auf ihre Passion hin. „Seit meiner Kindheit liebe ich Katzen, je größer umso besser“, sagt sie in einer Hotelbar in Johannesburg. Und wie zum Beweis, dass man sie nicht unterschätzen sollte, bestellt sie einen Kamillentee und einen doppelten Wodka.

          Rund 15 Millionen Euro Kosten jährlich

          Chinas Tiger sind in jüngerer Zeit vor allem Waldrodungen und illegalen Jägern zum Opfer gefallen. „So gut wie jeder Teil eines Tigers bis zu den Schnurrhaaren kann für asiatische Medizin und irgendwelche Wundersäfte verwendet werden“, seufzt Quan. Das Schicksal der Tiger berührte sie so sehr, dass sie sich im Jahr 2000 nach einer Dinnerparty zum Handeln entschloss. Kurzerhand gründete sie die Organisation „Save China’s Tigers“ und kaufte mit Hilfe ihres Mannes, eines amerikanischen Investmentbankers, 17 Schaf-Farmen mit einer Fläche von 33 000 Hektar in Südafrika. Rund 15 Millionen Euro kostete das Projekt, jährlich kommen 300 000 Euro für die Versorgung der Katzen hinzu. Überwiegend trägt das Paar die Kosten selbst, ein kleiner Teil stammt aus Spenden.

          In China hätte sie das Rettungsprogramm nicht verwirklichen können, erklärt Quan. Für Südafrika habe sie sich entschieden, weil dort die führenden Fachleute für den Schutz von Wildtieren zu finden seien. Das Ganze erwies sich dennoch als nicht einfach. Zunächst wollten die chinesischen Behörden die Tiger nicht herausrücken. Dann kamen die Tiere dehydriert und geschwächt in Afrika an. Gras hatten sie nie zuvor gesehen. „Anfangs trauten sie sich nicht, natürlichen Boden zu betreten. Aber das ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie sie vorher gelebt haben.“

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