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Stockholm : Autofahrer reagieren mißmutig auf City-Maut

  • Aktualisiert am
          4 Min.

          Überwiegend mißmutig und vereinzelt sogar mit Sabotage haben die Stockholmer am Dienstag die neue City-Maut begrüßt. Wie die Polizei der schwedischen Hauptstadt mitteilte, versuchten Unbekannte in der Nacht erfolglos, eine der 18 Mautstationen vor der Inbetriebnahme um 6.30 Uhr in Brand zu setzen. Der Verkehr auf den Einfallstraßen in die fast völlig von Wasser umgebene Stockholmer City floß nach übereinstimmenden Angaben normal und hat sich am ersten Tag mit der neuen City-Maut um 16 Prozent im Vergleich zu Montag vermindert. Das teilte ein Behördensprecher zehn Stunden nach Inbetriebnahme im Rundfunk mit.

          Der wirkliche Belastungstest kommt jedoch erst am Montag, wenn die Schulferien zu Ende sind. Nach Oslo und London hat Stockholm als dritte europäische Hauptstadt ein Mautsystem für Autos in der Innenstadt eingerichtet. Die Zeitung „Svenska Dagbladet“ bildete am Dienstag auf ihrer Titelseite 16 Autofahrer ab, die sie gefragt hatte, ob sie für Fahrten ins Zentrum nun auf Bus oder Bahn umsteigen würden - 15 mal war die Antwort ein dick gedrucktes „Nein“. Der Rundfunk ließ Mautgegner ausführlich zu Wort kommen, die in allen Details darlegen konnten, wie sie die insgesamt 162 Überwachungskameras austricksen wollen, etwa durch verdeckte Nummernschilder.

          Satiriker lassen sich's nicht verdrießen

          Viele fürchten, die neue Maut bringe nur bürokratischen Aufwand und zusätzliche Belastungen in einem Land, dessen Abgabenlast bereits mit Abstand die höchste Europas ist. Die Satiriker lassen sich's nicht verdrießen: Sie entwickeln Zukunftsmodelle, nach denen Autofahrer nicht Wegezoll zahlen müssen, wenn sie in die überfüllte Innenstadt fahren - sondern wenn sie dieser entfliehen, um sich im grünen Umland zu erholen.

          Eine von neuen 18 Mautstationen in der schwedischen Hauptstadt
          Eine von neuen 18 Mautstationen in der schwedischen Hauptstadt : Bild: AP

          Derweil streiten die Politiker in teils ebenfalls satirisch anmutenden Wortgefechten, ob nun Gebühren anfallen, die voll an die Stadt fallen, oder Steuern, die von der Regierung teils zur Entlastung des Staatshaushaltes und nicht nur zum Ausbau des Straßennetzes genutzt werden könnten. Zunächst ist der Versuch auf ein halbes Jahr angesetzt. Bei einer Volksabstimmung im September sollen die 750.000 Einwohner der schwedischen Hauptstadt dann über die Zukunft des Modells entscheiden.

          Kameraüberwachung stärke Überwachungsstaat

          Die Sozialdemokraten in der Regierung sorgen sich, daß eine Niederlage bei der Volksabstimmung auch ihre Erfolgsaussichten bei der Parlamentswahl direkt danach schmälern könnten. Bürgerrechtler grämen sich, weil die Kameraüberwachung, die von der Polizei begrenzt ausgewertet werden darf, den Überwachungsstaat stärke. Steuerzahlerverbände warnen vor neuerlicher Verschwendung von Steuergeldern und noch mehr Bürokratie.

          Wer also zieht Gewinn aus dem Experiment des „Trängselskatt“, der „Drängelsteuer“, die auch international Aufmerksamkeit findet? Zunächst ist das die Umweltpartei, die den Versuch gegen das Wahlversprechen der Sozialdemokraten vor der Kommunalwahl in Stockholm vor drei Jahren durchsetzen konnte. Die Sozialdemokraten mußten ihre Zusicherung unmittelbar danach unter Druck ihres kleinen Partners und auf Anordnung ihres auf die Grünen angewiesenen Ministerpräsidenten Göran Persson brechen: Die Splitterpartei hat wieder einmal ihre Macht bewiesen.

          Testphase bis zum 31. Juli

          Verkehrspolitiker haben wieder einen Feldversuch über Verkehrsströme, der bei internationalen Vergleichen eingesetzt werden kann. Die Stadtwerke hoffen auf eine stärkere Belegung ihrer U-Bahnen, Vorortzüge und Busse, die zudem auf neuen Strecken und häufiger als bisher fahren. Und schließlich freuen sich Historiker und weisen darauf hin, daß es schon im Mittelalter in Stockholm einen Wegezoll für Handelsreisende gegeben habe.

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