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Segeltörn für die Umwelt : Auf 12.000 Plastikflaschen nach Australien

  • -Aktualisiert am

Endlich hat es geklappt: Die „Plastiki” sticht in Kalifornien in See Bild: REUTERS

Auf einer Welle aus Kunststoff ist David de Rothschild in Kalifornien mit seiner Crew ins 20.000 Kilometer entfernte Sydney aufgebrochen. Mit der Expedition auf seinem Öko-Boot „Plastiki“ will der britische Bankenerbe seine Abenteuerlust mit dem Umweltschutz vereinen.

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          Nach fast vier Jahren und zahllosen verschobenen Starts musste es am Wochenende am Pier 31 im kalifornischen Sausalito plötzlich ganz schnell gehen: Innerhalb von nur 24 Stunden machten der Banken-Erbe David de Rothschild und seine Besatzung die „Plastiki“ startklar und legten mit dem Boot aus 12.00 Plastikflaschen endlich in Richtung Australien ab. Mehr als 4000 Liter Wasser wurden an Bord gebracht, Vorräte aufgestockt und vor allem der Garten in Hydrokultur ein letztes Mal kontrolliert, der die Besatzung auf ihrer dreimonatigen Reise nach Australien mit Vitaminen versorgen soll. „Das Wetter hat gepasst, und die Strömung war ideal“, sagte die Sprecherin Katya Sorokko.

          Um 9.30 Uhr brach die „Plastiki“ am Samstag zu ihrer Fahrt nach Sydney auf. Nach wenigen Minuten war von den sechs Besatzungsmitgliedern auf dem Katamaran nur noch Rothschilds Strickmütze in schrillem Pink auszumachen, während die „Plastiki“ unter der Golden-Gate-Brücke hindurch in die offene See glitt. Das 20 Meter lange Schiff soll in den kommenden drei Monaten fast 20.000 Kilometer bis nach Sydney zurücklegen. Rothschild und seine fünf Mitreisenden wollen auf die Verschmutzung der Ozeane mit Plastikmüll aufmerksam machen. Nach Schätzungen verenden pro Jahr eine Million Seevögel und mehr als 100.000 Meeressäuger an Kunststoffen, die sie mit Nahrung verwechseln oder in denen sie sich verfangen. „Es geht aber nicht darum, Plastik zum Feind zu machen“, sagte der 31 Jahre alte Brite. „Wir wollen nur darüber nachdenken, wie wir das Material nutzen, wegwerfen oder wieder verwerten können.“

          Auf den Spuren Thor Heyerdahls und seines „Kon-Tiki“

          Dass die Expedition auf dem Flaschenboot neben dem Umweltschutz auch Rothschilds Abenteuerlust entgegenkommt, deutet schon der Name der von ihm gegründeten Organisation „Adventure Ecology“ an. Immer wieder hat der langhaarige Spross der britischen Bankiersfamilie mit Expeditionen in entlegene Regionen der Welt von sich reden gemacht. Vor vier Jahren durchquerte er die Arktis von Russland nach Kanada und brach ein Jahr später mit einer Gruppe von Künstlern nach Ecuador auf, um auf die Zerstörung des Regenwaldes durch die Ölindustrie aufmerksam zu machen. Das Interesse des diplomierten Alternativmediziners an Plastikmüll weckte ein Bericht der Vereinten Nationen über den Zustand der Weltmeere. Vor allem die Nachricht von einer gewaltigen Region im Pazifik nordwestlich von Hawaii, in der sechsmal mehr Plastik als Plankton schwimmt, beunruhigte den „Öko-Krieger“.

          12.000 Ein-Liter-Flaschen aus Kunststoff lassen den Katamaran auf dem Wasser treiben
          12.000 Ein-Liter-Flaschen aus Kunststoff lassen den Katamaran auf dem Wasser treiben : Bild: dpa

          Inspiriert von dem Norweger Thor Heyerdahl fasste Rothschild daher den Plan, auf Plastik durch den Pazifik zu segeln. Der Ethnograph Heyerdahl hatte sich 1947 mit einem Floß aus Balsa-Stämmen von Peru aus aufgemacht, um zu erforschen, ob auch südamerikanische Völker Polynesien besiedelt haben könnten. Die Expedition von Heyerdahls „Kon-Tiki“ beflügelt bis heute die Phantasie von Abenteurern wie Rothschild. Die Wahl eines Namens für sein oft belächeltes Boot fiel in Anlehnung an Heyerdahls „Kon-Tiki“ leicht - wie auch die Wahl seiner Mitsegler. Für die Reise gewann der Brite Olav Heyerdahl, einen Enkel des im Jahr 2002 gestorbenen Völkerkundlers, der vor einigen Jahren schon auf der Route seines Großvaters nach Tahiti gesegelt war.

          Die Umwelt-Mission ist heftig umstritten

          Im Humboldt-Strom vor der Westküste des südlichen Afrika hatte der jüngere Heyerdahl damals einen schwimmenden Teppich aus Müll entdeckt. Risikofreudig und umweltbewusst scheinen auch die anderen Besatzungsmitglieder zu sein. Skipper Jo Royle aus England, die einzige Frau, hat auf ihren Reisen zwischen Island und der Antarktis Fischsterben und Algenpest beobachtet, während ihr Kompagnon David Thomson erst bei den Vorbereitungen der Expedition die Gefährdung der Ozeane durch Plastikmüll erkannte. „Ehrlich gesagt, war ich nie ein großer Umweltschützer“, sagte der 34 Jahre alte Rennsegler in einem Interview. „Aber einiges, was ich unterwegs bei Rennen gesehen habe, war schon grauenhaft.“

          Dass Rothschild neben Heyerdahl, Royle und Thomson auch die Dokumentarfilmer Max Jourdan und Vern Moen, aber keine Wissenschaftler an Bord hat, darüber wird seit Monaten heftig diskutiert. Kritiker werfen Rothschild vor, dass sein Öko-Kreuzzug keine neuen Einsichten über den Zustand der Meere bringen werde. Letztlich sei die Expedition nur die kostspielige Effekthascherei eines exzentrischen Erben, der zu Europas begehrtesten Junggesellen zählt.

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