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Schanghai : 6000 tote Schweine im Huangpu

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Nach dem Fund von Tausenden Schweinekadavern in einem Fluss in Schanghai haben die Behörden erste belastete Wasserproben gefunden. Bild: reuters

Der Huangpu-Fluss versorgt große Teile Schanghais mit Trinkwasser – seit einigen Tagen machen Tausende verseuchter Schweinekadaver den Behörden zu schaffen.

          Aus Schanghais wichtigstem Fluss sind fast 6000 tote Schweine gefischt worden. Innerhalb von zwei Tagen habe sich die Zahl der Tierkadaver im Huangpu-Fluss verdoppelt, teilte die Stadtverwaltung am Dienstagabend auf ihrem offiziellen Mikroblog mit. Die ersten Tierleichen wurden Berichten zufolge bereits vergangenen Donnerstag gefunden. Die Herkunft der Tiere war nach wie vor unklar. Arbeiter zogen laut dem Bericht eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP mit langen Stangen die grau und lila angelaufenen Kadaver auf ein Boot, der Gestank von verrottetem Fleisch hing in der Luft. Bei den toten Schweinen handelte es sich sowohl um Jungtiere als auch um ausgewachsene, mehrere hundert Pfund schwere Exemplare. Die Kadaver werden jetzt in sieben Meter tiefen Erdlöchern vergraben oder verbrannt, wie „China Daily“ berichtete.

          Die örtlichen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass die Schweine von Bauern in der flussaufwärts gelegenen Provinz Zhejiang ins Wasser geworfen wurden, nachdem sie an einer Krankheit verendet waren. Ein Sprecher der Präfektur von Jiaxing in der Provinz Zhejiang wollte diese Darstellung nicht bestätigen. Er schließe zwar nicht aus, dass die Schweine aus der Gegend stammten, dies sei aber nicht sicher. Die Tiere könnten auch „sehr gut“ aus einem anderen Gebiet kommen. Berichten zufolge ließen die Behörden von Schanghai der Verwaltung von Jiaxing Ohrmarken von verendeten Schweinen zukommen, um die Herkunft der Tiere zu klären. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass 14 dieser Ohrmarken aus der Präfektur Jiaxing stammten. Die Region ist einer der wichtigsten Schweinefleisch-Produzenten der Zhejiang-Provinz.

          Keine Anzeichen für eine „ernstzunehmende“ Epidemie

          Bewohner der chinesischen Metropole sorgten sich indes um die Sauberkeit des Flusses, der die Trinkwasserversorgung für einen großen Teil der 23 Millionen Einwohner Schanghais sicherstellt. „Ist das Wasser noch trinkbar, nachdem tote Schweine darin trieben?“, wurde ein Bürger von der Zeitung „China Daily“ zitiert. Die Stadtverwaltung versicherte angesichts der Befürchtungen der Bevölkerung, stündlich genommene Wasserproben zeigten bislang „normale“ Werte. In einer Wasserprobe des Flusses war das Porcine Circovirus entdeckt worden, an dem nicht wenige Schweine erkranken. Nach Angaben der amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention geht von dem Virus aber keine Gefahr für den Menschen aus. Andere Erreger wie das PRRS-Virus oder Auslöser von Schweinegrippe, Klassische Schweinepest oder Maul- und Klauenseuche seien nicht gefunden worden. Die Behörden hatten in den vergangenen Tagen Gefahren für die Gesundheit der Bevölkerung stets verneint. Auch sei kein erkranktes Tier in den Handel gelangt.

          Bilderstrecke

          Mehr als 20.000 Schweine sollen in Jiaxing in den vergangenen zwei Monaten verendet sein. Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, es gebe derzeit aber keine Anzeichen für eine „ernstzunehmende“ Epidemie. Die Sterblichkeitsrate der Tiere sei derzeit innerhalb „normaler“ Werte, zitiert die Agentur Jiang Hao, den stellvertretenden Direktor des Veterinäramts der Präfektur Jiaxing. Er gab zu bedenken, dass viele Faktoren zum Tod der Tiere beigetragen haben könnten – von schlechten Haltungsbedingungen über Umwelteinflüsse, Klima und Krankheiten. In Jiaxing würden jährlich mehr als 4,5 Millionen Schweine geschlachtet, berichtet die Tageszeitung Xinmin Evening News auf ihrer Website. Bauern, die tote Schweine unsachgemäß entsorgten, müssten mit einer Strafe von bis zu 3.000 Yuan (etwa 370 Euro) rechnen.

          Der Skandal um die Schweinekadaver kommt für die chinesische Führung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Erst jüngst war sie für ihr mangelhaftes Engagement in Gesundheits- und Umweltfragen in die Kritik geraten. Am 10. März hatte die Regierung einen Plan vorgestellt, der die Kontrollfunktion des Landwirtschaftsministeriums bei der Lebensmittelqualität stärken soll. Als ernanntes Ziel gelte es, Vergehen schneller verfolgen zu können und die Verbraucher zu schützen, so die Regierung. Der Marktpreis für Schweinefleisch war nach Angaben des Handelsministeriums seit Anfang Februar um fast fünf Prozent gefallen. „Aber solange keine kranken Tiere den Weg in den Handel finden, wird der Skandal keine großen Auswirkungen auf die Nachfrage haben“, sagt James Feng, der sich intensiv mit dem Handel von Schweinen in China befasst. „Die Regierung muss die Gesetze verstärken, die die Entsorgung von toten Schweinen regeln und Verstöße ahnden, um Bauern davon abzuhalten, ihre alten Verhaltensweisen beizubehalten und kranke Schweine einfach in Bewässerungsgräben und Flüssen zu entsorgen.“ China ist der weltweit größte Produzent und Verbraucher von Schweinefleisch. Bei der letzten Zählung im Dezember 2012 wurden mehr als 460 Millionen Schweine im Land als Nutztiere gehalten.

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