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Rückkehr der Zugvögel : Flug in die Fangnetze

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Wieder unterwegs: Kraniche bei einer Zwischenrast in der Nähe der Eulenspiegel-Stadt Mölln im südostholsteinischen Kreis Herzogtum Lauenburg. Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Die Zugvögel kehren in diesem Frühjahr wegen der Kälte erst spät zurück. Manche kehren wieder um. Aber viele kommen gar nicht wieder – sie werden am Mittelmeer gefangen und getötet.

          Noch liegen Schneereste auf den norddeutschen Wiesen. Die Eisschicht auf den großen Seen ist zwar aufgebrochen, aber das Wasser auf den Teichen, Feldkuhlen und Erlenbrüchen in den Wäldern bleibt noch gefroren. Die Vögel werden dennoch von Tag zu Tag aktiver. Viele besuchen zwar noch regelmäßig die Futterhäuser, doch ihr Gesang wird intensiver. Höhlenbrüter wie Kohl- und Blaumeisen, Stare und Feldsperlinge inspizieren Nistmöglichkeiten und tragen erstes Baumaterial ein.

          In diesem Frühjahr sind alle spät dran. Die lange Frost- und Schneeperiode hat Zugvögeln und Daheimgebliebenen geschadet. Mindestens zwei bis drei Wochen sind viele Arten mit ihrer Balz und mit ihrer Rückkehr in die Brutgebiete im Rückstand. Bei den Kranichen ist das besonders augenfällig. Von den ersten Paaren, die gar nicht weggezogen oder bereits in der zweiten Februarhälfte aus dem französischen Winterquartier zurückgekehrt waren, flogen viele in der zweiten Märzhälfte wieder in südwestliche Richtung fort. Die in keilartigen Flugverbänden in ihre ostdeutschen, baltischen, polnischen und skandinavischen Brutgebiete ziehenden Großvögel waren gezwungen, in Hessen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Belgien und Luxemburg tagelange Pausen einzulegen und besseres Wetter abzuwarten. Nicht wenige Gruppen drehten um.

          In den vergangenen Jahren saßen etliche der Vögel um diese Zeit schon auf ihren Gelegen. Kiebitzen und Feldlerchen ergeht es nicht anders. Stare, die ebenfalls zu den frühen Heimkehrern gehören, waren an vielen Futterhäusern bis in die ersten Apriltage oft Gäste. Auch andere Vögel wie etwa Grünspechte, die sonst menschliche Nähe meiden, ließen sich an den künstlichen Nahrungsquellen beobachten.

          Auf ornitho.de, einer Internetplattform des Dachverbands Deutscher Avifaunisten, gibt es zur Zeit viele ungewöhnliche Meldungen. So wird dort auch über den Einflug großer Scharen von Seidenschwänzen berichtet, einer nordosteuropäischen und sibirischen Brutvogelart, die sporadisch in strengen Wintern in Deutschland und den südlichen und westlichen Nachbarländern invasionsartig auftaucht. Anhand der Verbreitungskarten kann man nachverfolgen, wo beim Frühjahrszug ein Stau von wetterbedingt pausierenden Kranichen ist und wann er sich wieder auflöst.

          Nach Schätzungen zehn Millionen Vögel getötet

          Die Weißstörche zum Beispiel sind erst in geringer Zahl bei uns eingetroffen. Anfang April, wenn sie in Jahren mit normalem Wetter in Norddeutschland auf ihren Horsten landen, waren die meisten Horste noch verwaist. Wo sollen sie auf den gefrorenen Böden und Gewässern auch ihre tierische Nahrung finden? Ähnlich beschwerlich ist es für die heimischen Mäusebussarde, die überwinternden Rauhfußbussarde, Milane, Turmfalken, Eulen und Reiher, ihre Tages- oder Nachtration an Mäusen zu fangen. Auch sie nahmen in diesem Spätwinter oft die Hilfe von Menschen an, die ihnen Futter anboten. Singvögel hatten zeitweilig das Nachsehen, denn in vielen Geschäften war das Vogelfutter ausverkauft; auf einen solchen Ansturm im Frühjahr war der Handel nicht vorbereitet. Dabei ist es wichtig, dass die Kleinvögel sich vor der Brutzeit, wenn sich noch wenig Blüten- und Insektennahrung in der Natur finden lässt, mit Kernen, Körnern, Rosinen, Nüssen und Flocken stärken können. Für erschöpfte Heimkehrer unter den Langziehern ist eine bestreute Fensterbank oder ein Futterhäuschen oft die letzte Rettung.

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