https://www.faz.net/-gum-15k7a

Riesige Gletscherzunge abgebrochen : Da hat es Knacks gemacht

Die Zunge des Mertz-Gletschers in der Antaktis, von dem das Eis abgebrochen ist Bild: dpa

In der Antarktis ist ein riesiger Eisberg von der Größe Luxemburgs von einem Gletscher abgebrochen und treibt nach Norden in Richtung Australien. Er könnte die Ozeanzirkulation durcheinanderbringen und auch die Kaiserpinguine.

          1 Min.

          Bis vor kurzem schob sich das Eis des Mertz-Gletscher über die Gestade des George V-Landes 100 Kilometer weit hinaus auf den antarktischen Ozean südlich Australiens. Seit zwei Wochen ist es nur noch ein 20 bis 30 Kilometer langer Stummel, wie australische Wissenschaftler am Mittwoch bekanntgaben. Der Großteil der Gletscherzunge treibt nun als ein flacher Eisberg von der Fläche Luxemburgs nach Nordwesten und könnte dort die Ozeanzirkulation durcheinanderbringen.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Abreißen der Eiszunge kam nicht unerwartet. In den neunziger Jahren hatte sich an ihrer Westseite ein Riss gebildet, der sich stetig verlängerte, seit 2002 erschien ein zweiter Riss auf der Ostseite. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die beiden Risse getroffen und die Zunge vom Mertz-Gletscher abgetrennt hätten. Australische und französische Forscher riefen daher 2007 eine Projekt mit dem sinnigen Akronym „Cracice“ ins Leben (für „Cooperative Research into Antarctic Calving and Iceberg Evolution“), um das Ereignis genauer zu verfolgen. Denn die Ablösung eines solch riesigen Eisfläche kommt in der Antarktis nur alle paar Jahrzehnte einmal vor.

          So brach 1987 etwa ein gut doppelt so großes Stück vom Ross-Schelfeis ab und trieb als Eisberg mit der Bezeichnung „B9“ im Meer bis er zerbrach. Ein 97 Kilometer großes Fragment von B9, der Eisberg B-9B, lief fünf Jahre später 100 Kilometer östlich des Mertz-Gletschers auf Grund, löste sich aber vor kurzem. Zwischen dem 10. und 13. Februar, so die Cracice-Wissenschaftler am Polarforschungszentrum in Hobart auf der australischen Insel Tasmanien, hat dieser B-9B nun die angeknackste Zunge des Mertz-Gletschers gerammt und abgebrochen.

          Ein Eisberg mit der Bezeichnung B9B nähert sich der Zunge des Mertz-Gletschers in der Antaktis  (Aufnahme vom 07.01.2010)

          Mehr als 700 Milliarden Tonnen Eis

          Das abgebrochene Stück besteht aus mehr als 700 Milliarden Tonnen Eis. Sein weiteres Schicksal wird von den Polarforschern nun neugierig verfolgt werden. Denn zusammen mit B-9B treibt es auf die Adélie-Senke zu, ein Küstenbassin, wo starke Winde beständig neues Oberflächeneis entstehen lassen. Dadurch steigt dort der Salzgehalt und damit die Dichte des Meerwassers, welches daraufhin absinkt. Dieser Prozess ist ein wichtiger Antrieb der globalen Ozeanzirkulation und dürfte in der Adélie-Senke durch die Präsenz der nun freigesetzten riesigen Eismassen beeinflußt werden.

          Zudem wird befürchtet, dass die Kaiserpinguin-Kolonien nahe der französischen Forschungsstation Dumant d'Urville beeinträchtigt werden könnten. Die Kolonie war durch den Film „Die Reise der Pinguine“ berühmt geworden.

          Weitere Themen

          Nationalgarde lässt Sohn von Drogenboss „El Chapo“ laufen Video-Seite öffnen

          Mexiko : Nationalgarde lässt Sohn von Drogenboss „El Chapo“ laufen

          Im Kampf gegen die mächtigen Drogenbanden des Landes haben mexikanische Sicherheitskräfte eine demütigende Niederlage erlitten. Im Zuge eines „schlecht vorbereiteten Einsatzes“ sei ein Sohn des Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán zunächst gefasst, dann aber wieder freigelassen worden, sagte die Regierung.

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.
          Bestens gefüllt – auch am Wochenende: Das britische Parlament am „Super Saturday“.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung will Brexit-Verschiebung beantragen

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.