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Richtwerte in vielen Städten überschritten : Schlechte Luft im Reich der Mitte

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China sei noch ein Entwicklungsland, beschwächtigte der Vizeminister für Umweltschutz. Bild: AFP

Chinas Regierung verspricht bessere Aufklärung über die Luftqualität. Die neuen Richtlinien sind aber weit von dem entfernt, was in anderen Ländern noch als gesund erachtet wird.

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          Zwei Drittel aller Städte in China können die neuen Standards für die Luftqualität nicht erfüllen, obwohl die Richtwerte nicht einmal streng sind. Wie der Vizeminister für Umweltschutz, Wu Xiaoqing, am Freitag in Peking sagte, bleibe der Kampf gegen die Luftverschmutzung „eine schwierige Aufgabe“. Er räumte ein, dass die neu erlassenen Anforderungen an die Luftqualität noch weit unter den empfohlenen Werten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und eher am unteren Ende der internationalen Praxis lägen.

          Auf massiven öffentlichen Druck hatte der Staatsrat am Mittwoch die neuen Luftstandards erlassen. Die Vorschriften besagen nur, dass die Luftqualität gemessen und die Werte veröffentlicht werden müssen. Erstmals werden der gefährliche lungengängige Feinstaub (PM 2,5) und das Ozon erfasst, wie es in Industrieländern schon lange üblich ist. Bisher war in China nur Feinstaub der Kategorie PM 10 gemessen worden – der allerdings trotz im Schnitt etwas größerer Partikel ebenfalls gesundheitsschädlich ist, da auch er bis in die Lunge vordringt.

          Notmaßnahmen wie Fahrverbote oder die Drosselung von Industrieproduktion, wenn heftiger Smog herrscht, sind allerdings bislang nicht vorgesehen. „Wenn größere Städte bei der Kontrolle der Luftverschmutzung die Standards verfehlen, sollen sie einen Plan entwickeln und umsetzen, um diese zu erfüllen“, sagte der Vizeminister auf einer Pressekonferenz nur vage.

          China sei noch ein Entwicklungsland, warb Wu Xiaoqing um Verständnis. „Unser Land hat noch einen weiten Weg vor sich, um die strengeren Grenzwerte der WHO in der Praxis zu erreichen.“ In Peking, Shanghai, Chongqing, Tianjin und 27 Provinzhauptstädten sowie den drei Industriegürteln im Jangtse-Delta in Ostchina, am Perlfluss in Südchina und um die Hauptstadt herum werden die neuen Standards dieses Jahr eingeführt. 113 weitere Städten folgen nächstes Jahr.

          Chinesische Umweltschützer begrüßten, dass Feinstaub und Ozon aufgenommen wurden, und sprachen von „großen Fortschritten“. „Es ist gut, neue Standards zu haben, um ein realistisches Bild widerzuspiegeln“, sagte Ma Jun, Direktor des Instituts für Umweltangelegenheiten in Peking, der „China Daily“.

          Dass Umweltorganisationen oder einzelne Personen heute lieber selber die Luft messen, zeigt nach Ansicht von Vizeminister Wu Xiaoqing, dass die bisherigen offiziellen Messdaten nicht ausreichten. „Es gibt im Umweltschutz viel zu verbessern.“ Er hielt es aber für unnötig, dass Botschaften in Peking die Luft für ihre Mitarbeiter messen. Die offiziellen Messstationen deckten auch die Botschaftsgegenden ab, was die Diplomaten zufriedenstellen sollte.

          In der Hauptstadt Peking, die zu den Metropolen weltweit mit der schlimmsten Luftverschmutzung zählt, misst die amerikanische Botschaft regelmäßig und verbreitet die Daten über Internet oder Handy. Die Schadstoffwerte lagen bisher immer weit über den offiziellen chinesischen Daten, was für erhebliche Irritationen sorgte. So passierte es immer wieder, dass die US-Botschaft gemessen an US-Standards eindringlich vor schweren Gesundheitsgefahren warnte, während städtische Umweltbehörden von „guter Luftqualität“ sprachen.

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