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Rheingau-Taunus : Gegenwind für Rotoren im Hinterlandswald

Der Hinterlandswald ist das größte zusammenhängende und unzerschnittene Waldgebiet in Hessen Bild: Kaufhold, Marcus

Der Rheingau-Taunus-Kreis sieht im Landesentwicklungsplan zur Windkraft viele Mängel. Er will Rotoren von Windrädern im Wispertaunus vermeiden.

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          Der Rheingau-Taunus-Kreis bekennt sich zu seinen Verpflichtungen im Zuge der Energiewende, er pocht aber gleichzeitig auf den Schutz der Kulturlandschaft, und er hat große Vorbehalte gegen die Aufstellung von Windrädern in sensiblen Regionen des Kreisgebietes. Der Kreisausschuss plädiert deshalb mehrheitlich dafür, den Wispertaunus zwischen Lorch und Bad Schwalbach und den mehr als 20.000 Hektar großen Hinterlandswald ganz von der Aufstellung von Windrädern auszunehmen.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Was in Osthessen mit dem Biosphärenreservat Rhön und in Nordhessen mit dem Nationalpark Kellerwald möglich sei, müsse schon wegen der „Wahrung des Proporzes“ auch in Südhessen mit dem Rheingauer Hinterlandswald möglich sein. Der Hinterlandswald gilt als der größte zusammenhängende Forst in Hessen, mehrere Naturschutzverbände haben ihn in der Vergangenheit schon als Nationalpark vorgeschlagen. Rund 40 Prozent des Hinterlandswalds, der Teil des Naturparks Rhein-Taunus ist, sind schon jetzt als Naturschutz-, FFH- oder Vogelschutzgebiet ausgewiesen.

          Energieeffizienz und Energiesparen

          Der Kreis hält in seiner Stellungnahme zum Kapitel Windenergie des Landesentwicklungsplans an seinem Ziel fest, bis zum Jahr 2020 nicht mehr Strom zu verbrauchen, als gleichzeitig durch erneuerbare Energien im Kreisgebiet erzeugt wird. Der Rheingau-Taunus-Kreis regt an, Energieeffizienz und Energiesparen als weitere Ziele in den Landesentwicklungsplan aufzunehmen. Gleichwohl bekennt sich der Kreis ausdrücklich zum Ziel des hessischen Energiegipfels, zwei Prozent der Landesflächen für die Nutzung der Windenergie vorzusehen.

          Der Kreis strebt dabei die Bündelung von Windrädern an geeigneten Standorten an. Ob eine solche Konzentration kreisweit gelingt, ist aber eher zweifelhaft. Landrat Burkhard Albers (SPD) gibt zu, dass er sich von Taunusstein, der größten Stadt im Landkreis, schon eine Absage eingehandelt hat, ebenso von der Gemeinde Hohenstein.

          Wie berichtet, hat sich Taunusstein schon mit der Landeshauptstadt Wiesbaden darauf geeinigt, gemeinsam Standorte auf dem Taunuskamm zu suchen und zu entwickeln. Heidenrod und Geisenheim seien zwar nicht grundsätzlich abgeneigt, setzten aber ihren eigenen Weg vorerst fort, um Investoren für Windparks zu finden, berichtet der Landrat. Albers erwartet in Kürze endgültig Aufschluss darüber, ob die Kommunen sich mehrheitlich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen wollen und können. Wenn die Kommunen sein Angebot ausschlügen, könne er es nicht ändern.

          Schutzzone von 15 Kilometern

          Albers gibt auch zu, dass die vom Kreis ausgegebenen Ziele bei der Aufstellung von Windrädern in Gefahr geraten könnten, wenn sein Wunsch nach dem Ausschluss von Hinterlandswald und Wispertaunus erfüllt würde und wenn sich gleichzeitig die Deutsche Flugsicherung mit ihrem kürzlich veröffentlichten Verlangen nach einer Schutzzone von 15 Kilometern rund um die zahlreichen Funkfeuer im Taunus durchsetzen würde. Dennoch legt der Kreis in seiner Stellungnahme auf den Erhalt und die Entwicklung „seiner einzigartigen Kulturlandschaft“ besonderen Wert.

          Der Kreis strebe die Ausweisung einer Nachhaltigkeitsregion Rheingau-Taunus, Wiesbaden, Mainspitze“ sowie eines Biosphärenreservats an. Insgesamt müssten in Hessen besonders schutzwürdige Landschaften „generell von Windrädern freigehalten“ werden. Wenn im Landschaftsentwicklungsplan pauschal ausgeführt werde, dass Windräder „keine landschaftszerschneidenden Elemente“ seien, dann „können wir diese Aussage nicht unterstützen“. Jeder neue Weg ziehe Störungen nach sich und fragmentiere Lebensräume, heißt es in der im Kreisausschuss nicht unumstrittenen Stellungnahme. Die Kreisverwaltung sorgt sich vor allem um Wildkatze und Luchs. Bau und Unterhaltung von Windrädern im Wald führten zu Störungen in bisher unerschlossenen Regionen. Zu erwarten ist, dass der Kreistag in der nächsten Woche noch einmal ausgiebig streiten wird.

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