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Reaktorkatastrophe von Fukushima : Es bleibt die radioaktive Brühe

  • -Aktualisiert am

Arbeiten an dem zerstörten Atomkraftwerk in Fukushima Bild: REUTERS

Neueste Angaben erlauben es, den Hergang der Katastrophe zu rekonstruieren. Dabei wird immer deutlicher, dass wesentlich mehr Strahlung ausgetreten ist, als man anfangs vermutete - und dass die meiste Radioaktivität nach wie vor im Keller der Anlage lauert.

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          Drei Monate sind seit dem Beginn der Reaktorkatastrophe in Fukushima vergangen, die Arbeiten auf der havarierten Anlage gehen mit Hochdruck weiter. Mittlerweile geben ein fast 400 Seiten langer Bericht der japanischen Atomaufsichtsbehörde und Auskünfte der Betreiberfirma Antworten auf viele bisher offene Fragen. Die Angaben erlauben es, den Hergang der Katastrophe zu rekonstruieren. Dabei wird immer deutlicher, dass wesentlich mehr Strahlung ausgetreten ist, als man anfangs vermutete - und dass die meiste Radioaktivität nach wie vor im Keller der Anlage lauert.

          Wann kam es tatsächlich zur Kernschmelze?

          Noch Wochen nach dem Unglück wurde darüber diskutiert, ob in den drei betroffenen Reaktoren eine Kernschmelze stattgefunden hat. Mittlerweile hat sich nicht nur herausgestellt, dass die Brennstäbe in den Reaktoren 1 bis 3 vermutlich zu großen Teilen geschmolzen sind. Sondern auch, dass es zumindest in Block 1 schon wenige Stunden nach dem Erdbeben dazu kam – während Medien weltweit noch vornehmlich über den Tsunami berichteten.

          Laut dem Bericht der japanischen Atomaufsichtsbehörde Nisa beschädigte der Tsunami am 11. März neben den Notstromgeneratoren, welche die primären Kühlpumpen bei einem Stromausfall antreiben, auch die Seewasserpumpen, mit denen Hitze aus den Reaktoren ins Meer abgeleitet werden kann. Ohne Pumpkühlung eskalierte die Lage am schnellsten in Block 1: Bereits vier Stunden nach dem Tsunami waren die Brennstäbe im Reaktorkern nicht mehr mit Kühlwasser bedeckt. Kurz darauf hatten die Brennelemente, die auch nach Abschaltung des Reaktors weiter große Mengen an Wärme produzieren, eine Temperatur von 2850 Grad Celsius erreicht, woraufhin sie vermutlich vollständig schmolzen und auf den Boden des Druckbehälters tropften. Um ein Bersten des Reaktorkessels zu verhindern, ließen die Techniker Luft aus Kessel – in dem Dampf befand sich jedoch Wasserstoffgas, das sich unter dem Dach des Reaktorgebäudes sammelte und das schließlich zur Explosion in Block 1 führte.

          Warum explodierten die Blöcke 2 und 3 erst Tage später?

          Die Blöcke 2 und 3 waren im Gegensatz zu dem älteren Reaktor 1 mit einem fortschrittlicheren Notfallkühlsystem ausgestattet, dessen Pumpen und Ventile durch dampfgetriebene Turbinen mit Strom versorgt werden. Das System fiel im Gegensatz zu allen anderen nicht sofort aus und so konnte der Kühlwasserpegel einige Zeit konstant gehalten werden. In Block 3 eskalierte die Lage daher erst eineinhalb, in Block 2 drei Tage nach dem Erdbeben. Dann aber sank auch dort der Wasserpegel, zumal die Reaktorkerne unter zu hohem Druck standen, um von außen mit den bis dahin herangeschafften Feuerwehrpumpen Wasser hinein pumpen zu können. Sechs Stunden blieben sowohl Block 2 als auch Block 3 ohne Kühlung – genug Zeit, dass auch hier die Brennstäbe schmelzen und auf den Boden des Reaktorgefäßes tropfen konnten.

          Auch aus den Reaktorkesseln der Blöcke 2 und 3 wurde Dampf entlassen. Im Gebäude des zweiten Reaktors sammelte sich das Knallgas wegen einer defekten Ableitung allerdings in der ringförmigen Kondensationskammer unter dem Reaktordruckbehälter, so dass die dortige Explosion den Sicherheitsbehälter beschädigen konnte. Dass schließlich auch noch Block 4 explodierte, der eigentlich außer Betrieb war, lag nach Einschätzung der Nisa vermutlich an Knallgas aus Block 3, das über Leitungen ins Nachbargebäude gelangen konnte.

          Wie stark sind die Reaktorhüllen beschädigt?

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