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Purpurreiher : Herrscher der Pfahlstellung

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So ist er für Beutetiere am gefährlichsten: Der Purpurreiher in Indien kurz vor der Jagdattacke Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Der afrikanische Purpurreiher brütet schon seit Jahrzehnten im Süden Deutschlands. Durch seine flexible Lebensweise kann er bis zu 25 Jahre alt werden. Viele Reiher aber sterben schon früher.

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          Zu den Vogelarten, die sich wegen der Klimaveränderung in Europa langsam nach Norden ausbreiten, gehören auch einige Reiher. Am auffälligsten sind die weißen Silberreiher, die immer öfter auch an norddeutschen Gewässern zu beobachten sind und mancherorts schon häufiger vorkommen als die heimischen Graureiher. Manche bleiben selbst im Winter ihrer neuen Heimat treu, doch brüten sie bislang nur in Ausnahmefällen in Deutschland. Anders etwa in Österreich, Polen und den Niederlanden, wo sie mittlerweile ständige Brutvögel sind.

          Ein anderer Angehöriger der Reihersippe, die mit mehr als 60 Arten auf der ganzen Welt verbreitet ist, brütet schon seit Jahrzehnten im Süden Deutschlands, wenn auch in geringer und schwankender Zahl. Etwa zwei Dutzend Paare des Purpurreihers kehren in jedem Frühling aus ihren afrikanischen Winterquartieren nach Bayern und Baden-Württemberg zurück, um an Seen und Teichen im Schilf versteckt ihr unscheinbares Nest zu bauen und vier bis fünf Eier in knapp einem Monat auszubrüten.

          Bei Gefahr „Pfahlstellung“

          In Ungarn tun das mehr als 1000 Paare, in Österreich und den Niederlanden sind es mehrere hundert. Trotz ihres Gefieders, das mit rötlichbraunen, grauen, weißen und schwarzen Tönen versetzt ist, fallen die knapp einen Meter langen Purpurreiher in der Landschaft wenig auf. Sie führen, ähnlich den mit ihnen verwandten Rohrdommeln, zur Brutzeit ein verschwiegenes Leben. Selten verlassen sie den Schutz von Schilf und Röhricht. Werden sie einmal aufgescheucht, fliegen sie nur ein kurzes Stück, um möglichst schnell wieder in der nächsten Deckung zu landen.

          Wie die Rohr- und die Zwergdommel verstehen sie es, sich bei Gefahr meisterhaft zu tarnen, indem sie die „Pfahlstellung“ einnehmen. Dabei strecken sie ihren Körper mit gestrecktem Hals senkrecht in die Höhe, so dass sich ihre Konturen einschließlich des langen gelben Schnabels den sie umgebenden Halmen perfekt anpassen. Selbst die dunklen Schmuckfedern am Kopf, die im entspannten Zustand hin und her flattern können, liegen dann eng am Nacken an.

          Mit den Dommeln haben sie eine weitere Gemeinsamkeit: Ihre Zehen sind wesentlich länger als bei den anderen Reihern und befähigen sie, auf schlammigem Untergrund nicht einzusinken, sich im Dickicht von Schilf, Binsen und Röhricht leicht fortzubewegen und an einzelnen Halmen festzuhalten. Wenn die bis zu gut eineinhalb Kilogramm schweren Vögel Nahrung suchen, machen sie sich ebenfalls ihre Fähigkeit zunutze, minutenlang bewegungslos in einer Art Körperstarre zu verharren.

          Flexibel und mobil

          Lauern sie ihrer Beute auf, lassen sie selten mehr als eine Körperhälfte außerhalb des Pflanzenbewuchses am Gewässer blicken. Kleinere Fische, Frösche, Scher- und Spitzmäuse, Schlangen, Schnecken, Käfer und anderes Getier schwimmen ahnungslos in die Reichweite ihrer regungslosen Jäger, die plötzlich mit ihrem spitzen Schnabel zustoßen. Kurz vor einer solchen Attacke verharrt auch der Purpurreiher im indischen Keoladeo Ghana Nationalpark bei Agra in Rajasthan, den das Foto in seinem Brutgebiet zeigt.

          Bei der Nahrungssuche konkurrieren die im wasserreichen Schutzgebiet heimischen rund 300 Vogelarten mit den gut 100 zusätzlichen Arten, die als Zugvögel aus dem Norden hier „überwintern“. Auch in Asien leben die meisten Purpurreiher jahreszeitlich bedingt an verschiedenen Aufenthaltsorten. Wie in Afrika bestimmen dort weniger die unterschiedlichen Temperaturen als das schwankende Wasservorkommen die Auswahl der für sie geeigneten Biotope.

          Purpurreiher, die flexibel und mobil auf die wechselnden Lebensumstände reagieren, können ein Alter von 25 Jahren erreichen. Viele allerdings sterben schon in den ersten beiden Lebensjahren. Vor allem in regenarmen Jahren verhungern viele Purpurreiher in den afrikanischen Winterquartieren. Das führt zu mitunter starken Bestandseinbrüchen in den Brutgebieten, die sich erst über Jahrzehnte wieder ausgleichen. Davon ist dann auch die ohnehin geringe Besiedlung Süddeutschlands betroffen.

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