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Orkan-Schäden : Der Wald wird gefegt

  • -Aktualisiert am

Sturmschäden: Zurück bleiben nur Baumstümpfe Bild: dpa

Wer derzeit über Nordrhein-Westfalen fliegt, sieht mancherorts ein verheerendes Bild. Denn der Orkan Kyrill hat den größten Waldschaden in der Geschichte des Bundeslandes angerichtet. Für die Förster allerdings sind Stürme keine Katastrophen.

          An diesem Wochenende könnte man in den Wäldern des Sauer- und Siegerlandes rege Betriebsamkeit beobachten, gälte nicht noch immer das Betretungsverbot für die nordrhein-westfälischen Wälder. Betretungsverbot und Betriebsamkeit sind die Folge des Orkans „Kyrill“, der in den Wäldern Südwestfalens besonders heftig wütete.

          Im ganzen Land traf es 50.000 Hektar, das sind fast fünf Prozent der Waldfläche Nordrhein-Westfalens von mehr als 900.000 Hektar. Etwa 25 Millionen Bäume wurden umgerissen. Das sind etwa zwölf Millionen Festmeter Holz. Der Sturmschaden ist der größte in der Geschichte des Landes.

          Aus der Luft bietet sich mancherorts ein verheerendes Bild. Mal sind die Bäume über mehrere Hektar in eine Richtung flachgelegt, als ob ein gewaltiger Kamm durch den Wald gezogen worden wäre. Mal liegen sie wild durcheinander, aufgetürmt und verkeilt.

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          Spaziergänger müssen auf den Wald verzichten

          Das ist eine gefährliche Mischung, die auf Wald- und Wanderwege keine Rücksicht nimmt. Meist stehen die Bäume, besonders wenn sie übereinandergefallen sind, unter großer Spannung. Unberechenbar schnellen sie, wenn die Motorsäge angesetzt wird, an unvermuteten Stellen hoch, reißen andere Bäume um, gerade solche, die nur scheinbar noch feststehen. Schon bei der normalen Holzernte gilt der Beruf des Waldarbeiters als besonders gefährlich. Immer wieder kommt es zu schlimmen, oft tödlichen Verletzungen.

          Auch Wanderer und Spaziergänger müssen vorerst auf den Wald verzichten. Besonders in den stadtnahen Wäldern, etwa im Bergischen Land oder bei Düsseldorf, achten die Forstbehörden genau darauf, dass das Betretungsverbot eingehalten wird. Erst gibt es freundliche Hinweise, und wenn das nicht hilft, wird die Verwarnung kostenpflichtig.

          Einsatz bevor der Borkenkäfer kommt

          Vor allem dort, wo aufgeräumt wird, sollen sich die Spaziergänger fernhalten. Schweres Gerät wird eingesetzt. Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg hat dessen Einsatz und die Fahrten von Holztransportern bis 46 Tonnen auch für Samstag und Sonntag erlaubt. Eile ist geboten. ( Siehe auch: Das Holz muss nach dem Orkan „Kyrill“ schnell aus dem Wald )

          Wenn das Holz noch genutzt werden soll, muss es aus dem Wald, bevor der Borkenkäfer kommt. Der kommt mit dem Frühling, etwa im April. Unter diesem Gesichtspunkt ist es gut, dass Winter ist. Aber wenn der Schnee kommt, auf den man im Sauerland wartet, wird das Bergen des Holzes noch schwieriger. Schneebruch droht.

          Versicherung für Sturmschäden gibt es nicht

          Die Holzpreise, so heißt es, seien zur Zeit nicht schlecht. Uhlenberg sagte am Donnerstag in einer aktuellen Stunde des Landtages: „Die Preise sind in allen Sortimenten gut, so dass unsere Waldbauern rein ökonomisch hoffentlich mit einem blauen Auge davonkommen.“ Gleichwohl werden die Einbußen beträchtlich sein. Bruchholz bringt nun einmal nicht so viel wie Sägeholz.

          Auch Brennholz muss erst einmal ein bis zwei Jahre lagern. Vielfach sind Bäume umgerissen, denen bis zur regulären Ernte noch zehn Jahre fehlen. Eine Versicherung für Sturmschäden im Wald gibt es nicht. Auch das Land kann und will den Schaden nicht ausgleichen. Den Waldbauern aber, die besonders hart getroffen sind, soll mit Förderprogrammen und Landesbürgschaften geholfen werden.

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