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Ölpest vor San Francisco : Verendete Vögel, gesperrte Küsten

  • -Aktualisiert am

Ölpest in der Bucht von San Francisco: Vögel sind ölverschmiert Bild: AP

Die Ölpest in der Bucht von San Francisco wächst sich zu einer Umweltkatastrophe aus. Hunderte Helfer versuchen, verölte Tiere zu retten und verseuchte Küstenabschnitte zu reinigen. Die Arbeiten werden monatelang andauern.

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          Weder der Nieselregen, der am Wochenende über Nordkalifornien fiel, noch die dunklen Wolken, die vom Pazifik her durchs Goldene Tor zogen, konnten verschleiern, dass mit der Bucht von San Francisco etwas nicht stimmt. Das Wasser, das sonst abhängig vom Sonnenstand und von der Tide von Graublau bis Türkisgrün schimmert, ist dieser Tage von einem dünnen Film überzogen, der in allen Farben des Regenbogens schillert.

          Vergangene Woche hatte ein voll beladenes Containerschiff einen Pfeiler der meist befahrenen Brücke Nordamerikas gerammt. Die Havarie verursachte die schwerste Ölpest seit mehr als drei Jahrzehnten in der Bucht, in deren Einzugsbereich nahezu zehn Millionen Menschen wohnen: 16 Küstenabschnitte sind gesperrt, mehrere Dutzend von Öl überzogene Meeresvögel wurden verendet gefunden, und Gouverneur Arnold Schwarzenegger rief den Notstand aus.

          Schwere der Havarie falsch eingeschätzt

          Am vergangenen Mittwoch war das südkoreanische Containerschiff „Cosco Busan“, gegen dessen Betreiber inzwischen strafrechtlich ermittelt wird, bei dichtem Nebel morgens unter der Golden-Gate-Brücke in die Bucht von San Francisco eingelaufen. Ziel des vollbeladenen Schiffes war der Containerhafen von Oakland am Ostufer der Bucht. Auf dem Weg dorthin rammte das unter dem Kommando eines Hafenlotsen fahrende 300 Meter lange Schiff den mittleren Pfeiler des westlichen Abschnitts der Oakland-Bay-Bridge. Zum Glück streifte das Schiff den Pfeiler nur. Ein direkter Zusammenstoß hätte zu einer Katastrophe führen können: Bei dem Pfeiler handelt es sich nämlich um ein riesiges submarines Betonbauwerk, das die Verankerungen der aus zwei unabhängigen Hängebrücken bestehenden Brücke birgt.

          Ölpest in der Bucht von San Francisco: Vögel sind ölverschmiert Bilderstrecke

          Am Pfeiler entstand kein größerer Schaden, nur der aus etwa einem Meter dicken Gummi bestehende Fender wurde weggerissen. Im Schiffsrumpf führte die Havarie dagegen zu einem etwa zehn Meter langen Riss - und zwar genau an jener Stelle, in der das als Schiffstreibstoff dienende Schweröl gespeichert war. Zunächst glaubten die Mitarbeiter von Küstenwacht und Hafenbehörde, die Kollision habe zu einer Leckage von nur einigen hundert Litern Schweröl geführt. Als aber im Laufe der auf die Havarie folgenden 48 Stunden Ölverschmutzungen von immer mehr Uferabschnitten gemeldet wurden, korrigierte die Küstenwacht ihre Angaben. Der Riss im Rumpf des Schiffes reiche tiefer als angenommen, und 219 000 Liter Schweröl seien ausgelaufen.

          Verheerende Folgen durch Strömung

          Diese Menge ist klein im Vergleich zu den großen Ölkatastrophen, beispielsweise nach der Havarie der „Amoco Cadiz“ vor der bretonischen Küste 1978 (330 Millionen Liter) oder der „Exxon Valdez“ im Prinz-William-Sund in Alaska 1989 (41 Millionen Liter). Aufgrund der schnellen Gezeitenströme in der Bucht von San Francisco breitete sich der Ölfilm aber rasch aus. Innerhalb weniger Stunden driftete ein großer Teil des Öls westwärts durch das Goldene Tor in den offenen Pazifik.

          Die schnelle Ausbreitung erschwerte die Reinigungsarbeiten, denn am Wochenende hatte das Öl nicht nur die Ufer der Bucht, sondern auch 16 Küstenabschnitte zwischen Bolinas im Norden und dem Süden der Stadt verschmutzt. Bisher haben Tierschützer und Reinigungstruppen knapp 400 verölte Vögel lebend geborgen. 171 Tiere starben schon durch die Ölverschmutzung. Die Zahlen dürften bei der auf Monate angesetzten Säuberung drastisch steigen, so die Befürchtung von Umweltschützern. Auch Robben und andere Meerestiere seien bedroht. 46 Boote und mehr als 700 Helfer waren am Wochenende im Einsatz, um den klebrigen Ölteppich einzudämmen und verschmutze Strände zu säubern, berichtete der „San Francisco Chronicle“ am Montag.

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