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Nachhaltige Geschäftsidee : Made in South Africa

Herr der Fliegen: David Drew, Geschäftsführer von Agriprotein, begutachtet Soldatenfliegen im Laboratorium. Bild: Felix Seuffert

David und Jason Drew züchten Maden. Bald wollen sie in Südafrika die erste Madenfabrik der Welt aufmachen – und damit nebenbei die Welt retten.

          Wenn David Drew von seinen Tieren erzählt, verziehen die meisten Zuhörer vor Ekel das Gesicht. Der in Südafrika ansässige Brite züchtet Maden, und zwar Millionen. Je fetter, desto besser. Kann man damit Geld verdienen? Sogar mehr als das. David Drew hat noch höhere Ziele. Er will mit dem wild krabbelnden Getier die Welt retten - oder zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die Gegend rund um Stellenbosch in Südafrika ist für den Weinanbau bekannt. Auch Pferdehöfe gibt es hier. Aber Fliegen? In Elsenburg, dem agrarwissenschaftlichen Forschungsgelände der Universität Stellenbosch, schwirren sie in mannshohen Holzkäfigen herum: Exemplare der Spezies Musca Domestica, besser bekannt als Stubenfliege. Gezählt hat sie niemand, aber in jedem Käfig dürften es Zehntausende sein.

          Maden als Tierfutter

          „Die meisten Menschen ärgern sich über Fliegen“, sagt Drew. „Aber ihre Sprösslinge sind ungeheuer nützlich.“ Die zwölf Millimeter langen Fliegenlarven stecken voller Protein. Drew hat mit seinem Bruder Jason daher das Unternehmen Agriprotein gegründet, um aus den Maden alternatives Futter für Geflügel und Schweine herzustellen.

          Mehr Abwechslung auf dem Speiseplan für Hühner ist freilich Nebensache. Glaubt man den beiden, arbeiten sie an einer kleinen Revolution, wenn es um die Ernährung von Geflügel und anderen Tieren geht. „Bisher besteht ein beträchtlicher Teil unseres heutigen Tierfutters aus Fischmehl“, sagt Drew. Daraus ist eine milliardenschwere Industrie entstanden, mit der Folge, dass die Fischbestände in den Weltmeeren schnell schrumpfen. „Wenn wir so weitermachen, brauchen wir 2050 doppelt so viele Ozeane, um den Bedarf einer schnell wachsenden Bevölkerung zu decken.“

          In 60 Stunden vollgefressen: Dann werden die Maden geerntet, getrocknet und zu Pulver gemahlen.

          Tritt Madenmehl an die Stelle von Fischmehl, könnte diese Entwicklung aufgehalten werden. Letztlich kehre man damit nur zur Normalität zurück, sagt Drew - auch wenn so manchem beim Gedanken an ein mit Maden gemästetes Sonntagshuhn der Appetit vergeht. „Früher war es ganz normal, wenn Hühner auf dem Boden herumpickten und Maden fraßen. Viel abstruser ist es, geschredderte Fische zu verfüttern.“

          Drew ist kein Umweltaktivist, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt. Er hat in der Telekom-Branche Karriere gemacht, danach Firmen gegründet, verkauft oder an die Börse gebracht. Erst moderne Technik, dann Fliegen. Sein Bruder schreibt mittlerweile Bücher über die Insekten. Und Drew verbringt so viel Zeit mit ihnen, dass er auf dem Weg nach Stellenbosch ein besonders hartnäckiges Exemplar in seinem Auto gar nicht bemerkt. Letztlich sind die beiden aber Unternehmer, die Geld verdienen wollen.

          Maden als Müllschlucker

          Demnächst soll die erste Madenfabrik in Südafrika starten, weitere sind in Deutschland und Großbritannien geplant. Jeder Betrieb soll täglich mindestens 100 Tonnen Maden produzieren. Die Larven haben - abgesehen vom Protein - noch einen weiteren Vorteil: Sie sind hocheffiziente Abfallverwerter. Beim Eintritt in die Laboratorien in Elsenburg schlägt einem denn auch ein penetrant süßlicher Geruch entgegen. Meterlange Plastikwannen stehen herum, bis oben mit Kompost gefüllt. Auf den ersten Blick kann man die Maden gar nicht erkennen. Doch als Drew beherzt in die feuchte braune Masse hineingreift, quellen zahllose weiße Würmer zwischen seinen Fingern hervor.

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