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Mülltrennung : Fehlwurfquote in der gelben Tonne am höchsten

Nicht jedes Plastikstück gehört in die gelbe Tonne Bild: dpa

Hans-Joachim Caspary staunte nicht schlecht, als er erfuhr, dass seine Töchter in ihrer ersten Wohnung für die Müllentsorgung doppelt so viel zahlen müssen wie

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          Hans-Joachim Caspary staunte nicht schlecht, als er erfuhr, dass seine Töchter in ihrer ersten Wohnung für die Müllentsorgung doppelt so viel zahlen müssen wie er. Dabei wohnen sie nur wenige Schritte voneinander entfernt, in unmittelbarer Nähe zum Dom. Caspary, ein pensionierter Zollbeamter, der für seine Eigentümergemeinschaft die Nebenkostenabrechnung erstellt und sich leidenschaftlich in Zahlen und Abrechnungsmodi vertiefen kann, hat ermittelt, dass seine Töchter je Quadratmeter sogar fast dreimal mehr berappen müssen als er. Sie zahlen im Jahr 4,94 Euro je Quadratmeter für die Müllentsorgung, er selbst 1,70 Euro. Seitdem ist Caspary überzeugt, einem Skandal auf der Spur zu sein - zumindest einer „ganz großen Ungerechtigkeit“, wie er sagt.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Casparys Augen ist der Schuldige die Wohnungsbaugesellschaft, in seinem Fall die FAAG, eine Tochter der ABG Frankfurt Holding, als Eigentümerin des Gebäudekomplexes. Das Umweltamt, Wächterin über die Abfallentsorgung in der Stadt, bestätigt, dass die Verantwortung für das Aufstellen von Mülltonnen, gleichgültig ob es sich um die gelbe Tonne, die grüne für das Altpapier, die braune für den Bioabfall oder die graue Restmülltonne handelt, beim Liegenschaftsbesitzer liegt. Doch die Schwierigkeiten, die Caspary hat, sind kein spezifisches Problem einer Wohnungbaugesellschaft.

          Ab in die teure Restmülltonne

          In seinem Fall treiben zwei Dinge die Gebühren in die Höhe: Es gibt in der Wohnanlage der Töchter keine gelben Tonnen für Verpackungen und auch keine unentgeltlich aufgestellten Biotonnen. Der gesamte Müll wandert in die teure Restmülltonne. Da die Wohnanlage aus 217 Einheiten besteht, sind die Tonnen groß, ihre Leerung kostet entsprechend viel.

          Hinzu kommt, dass es in der Wohnanlage auch Cafés und Restaurants gibt. Und für die muss es vom Vermieter keine getrennte Müllabrechnung geben. Seit die Stadt 2005 zur Stabilisierung der Müllgebühren beschlossen hat, dass auch Gewerbetreibende die Grundgebühr und eine Mindestgröße an Restmülltonne zu zahlen haben, ist die Situation für die Mitmieter unübersichtlich geworden. Caspary vermutet, dass in seinem Fall die Mieter für die Gastronomen mitbezahlen, und nennt die Abrechnungspraktiken unverschämt.

          Seiner Ansicht nach erfüllen sie fast den Tatbestand der Untreue. ABG-Chef Frank Junker widerspricht: „Natürlich wird das Gewerbe herausgerechnet - auch im Fall des Herrn Caspary.“ Doch eine Kopie der Abrechnung hat der nicht bekommen. Er könne die Belege nach Absprache eines Termins in der Betriebskostenabteilung einsehen, teilt ihm die FAAG mit.

          „Ständig Falschbefüllungen“

          Doch ob im Einzelfall ein Gastronom seinen Müll oben auf die Mieter-Tonnen drückt oder auf eigene Rechnung zusätzliche Behälter ordert bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) oder bei einem anderen Entsorgungsunternehmen, ist kaum nachzuvollziehen. Es kann also sehr wohl sein, dass die Gesamtmieterschaft einiges mitfinanziert.

          Fachleute sind darüber hinaus überzeugt, dass die seit 2005 gewünschte Anbindung der Gewerbebetriebe an die städtische Abfallentsorgung nicht funktioniert. Viele Betriebe machten, was sie wollten. Das geht in jedem Fall zu Lasten der Gebührenzahler. Manch einer vertritt die These, dass die Erhöhung der Müllgebühren Anfang dieses Jahres vielleicht nicht nötig gewesen wäre, wenn die Stadt die Betriebe gründlicher kontrollierte.

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