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Modellversuch in Frankfurt : Alles aus Plastik und Metall in eine Tonne

Bobbycar inklusive: Dieses Bild zeigt, was im Rahmen des Frankfurter Modellversuchs alles in die gelbe Tonne darf Bild: FES

Nächste Woche beginnt für 60.000 Frankfurter der Modellversuch der FES, in die gelbe Tonne mehr als nur Verpackungen zu werfen.

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          Rund 60.000 Frankfurter aus sieben Stadtteilen werden von nächster Woche an für ein Jahr an einem Frankfurter Modellversuch teilnehmen. Sie sollen in die gelbe Tonne nicht nur wie bisher Verpackungen mit dem Grünen Punkt werfen, sondern auch alle aus Kunststoff hergestellten Produkte und Metallgegenstände. Damit würden die kaputte Plastikschüssel und das nicht mehr benötigte Bobbycar ebenso in die Tonne wandern wie der ausrangierte Spachtel und der beschädigte Kochtopf. Anlass für den Modellversuch ist der Beschluss der Bundesregierung, das Kreislaufwirtschaftsgesetz zu novellieren und spätestens 2015 bundesweit eine sogenannte Wertstofftonne einzuführen. Sie soll Haushalten das Trennen und Sammeln von Müll für eine spätere Wiederverwertung leichter machen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) lobte bei der Vorstellung des Modellversuchs die Initiative der Bundesregierung. Die gelbe Tonne habe in einer Großstadt wie Frankfurt „erhebliche Akzeptanzprobleme“, sagte FES-Geschäftsführer Benjamin Scheffler. Vielen Verbrauchern sei nämlich nicht klar, was hineingehöre und was nicht. Rund die Hälfte der Abfälle, die derzeit in der gelben Tonnen landeten, seien keine Verpackungen, und ein Viertel dieser „Fehlwürfe“ gehöre definitiv in die Restmülltonne. Bei der Biotonne liegt der Anteil der Fehlwürfe bei unter drei Prozent und beim Papier sogar bei nur einem Prozent. Auch bei Glascontainern gibt es kaum Verunreinigungen. Die Erfahrung der Müllfachleute ist Scheffler zufolge, „es für die Bürger so einfach wie möglich zu machen“.

          Sortierleistung der Bürger

          Dass der Bürger alles in eine Tonne wirft und anschließend der Abfall vollständig sortiert wird, halten Scheffler und sein Geschäftsführerkollege Dirk Remmert für keine gute Idee. „Die beste Lösung ist, wenn der Bürger die Sortierleistung erbringt“, sagte Scheffler. Er wirbt deshalb für die neue Wertstofftonne, damit mehr Kunststoffe und Metalle wiederverwertet werden. Die Wertstofftonne behebe den „Systembruch“, der durch die gelbe Tonne und die Verpackungsverordnung aus dem Jahr 1991 eingeführt worden sei.

          Drei der derzeit vier Mülltonnen, die in der Regel jeder Frankfurter vor der Haustür stehen hat, werden nach der Art des Materials befüllt, nur die gelbe Tonne nicht. Sie nimmt Verpackungen auf und nicht nur ein bestimmtes Material wie beispielsweise Kunststoff. Heilig erinnerte daran, dass sie seinerzeit als Stadtverordnete vehement gegen die Verordnung und die Tatsache gewesen sei, dass der Verbraucher zusätzlich für die Entsorgung der Verpackungen zahle. „Die Einführung des Grünen Punkts - das war alles nicht bis zu Ende gedacht“, sagte Heilig. Die Wertstofftonne korrigiere nun diesen Fehler ein wenig.

          Schlechte Wiederverwertungsquote

          Die FES hofft, die 60.000 Bürger, die am Modellversuch teilnehmen, so motivieren zu können, dass die bisher schlechten Frankfurter Wiederverwertungsquoten von Kunststoffen und Metallen verbessert werden. 2012 hat jeder Frankfurter 17 Kilogramm Kunststoff und Metall über die gelbe Tonne entsorgt. Die FES will diese Zahl um fünf Kilo je Person steigern. In anderen Städten, so Scheffler, werde dieser Wert schon heute erreicht. In Wiesbaden kommen pro Person mehr als 20 Kilo zusammen, andernorts 25 Kilo.

          Unberücksichtigt bleiben bei der Wertstofftonne das Einsammeln und das Wiederverwerten von Elektrokleingeräten wie Handys. Sie müssen derzeit noch zu den FES-Betriebshöfen zurückgebracht werden. Und auch Holz sollte nicht in die Wertstofftonne gelangen, ebenso wenig wie Textilien oder Schuhe. Die Haushalte, die in ausgewählten Stadtteilen am Modellversuche teilnehmen, sind von der FES informiert worden. Der Modellversuch wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

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