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Meteorit über der Ostsee : „Erst kam das Leuchten, dann das Grollen“

  • Aktualisiert am

Ein Meteorit hat am Samstagabend verdutzte Sterngucker in Deutschland und Skandinavien in helle Aufregung versetzt. Eine Überwachungskamera hat das spektakuläre Geschehen gefilmt.

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          Am Samstagabend hat wohl eine „Feuerkugel“ verdutzte Sterngucker in Deutschland und Skandinavien in helle Aufregung versetzt. Um kurz nach 20 Uhr flackerte nach Berichten von Augenzeugen ein bläulich-grünes Leuchten am Abendhimmel über der mecklenburgischen Ostseeküste auf. Dann kam ein Grummeln, das an Gewitterdonner erinnerte.

          „Der genaue Absturzort steht noch nicht fest“, sagte Wilfried Tost vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Berlin, das das Europäische Feuerkugelnetzwerk betreibt, am Montag in Waren. Eine Feuerkugel ist ein Supermeteorit aus Stein oder Metall, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre mehr als fünf Sekunden glüht - ein normaler Meteorit verglüht in nur einer Sekunde. Zuletzt wurden 2002 in Deutschland Teile einer Feuerkugel gefunden.

          Gleißendes Licht

          „Ich dachte erst, da hätte jemand eine verspätete Silvesterrakete oder eine bengalische Fackel gezündet“, erzählte die Rostockerin Ivonne Machotzek am Sonntag. „Danach gab es ein Grollen, und ich spürte einen Druck auf der Brust.“ Unmittelbar nach der Himmelserscheinung habe sie mit Bekannten in Lübeck und in Dänemark telefoniert, die ähnliche Beobachtungen gemacht hatten.

          Nicht nur in direkter Küstennähe meldeten sich zahlreiche Menschen bei den Behörden. Auch bei Polizeidienststellen und Radiosendern in Süd-Mecklenburg, Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt standen die Telefone vielerorts nicht still. Bei der Rostocker „Ostseewelle“ und im Norddeutschen Rundfunk berichteten Hörer von einem gleißenden Licht, das die Atmosphäre für wenige Sekunden taghell erfüllt habe.

          Druckwelle und Knall

          „Es war so, als wenn einer plötzlich das Licht anknipst“, schilderte eine Frau dem Sender NDR 1 Radio MV. Zwar sei noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob die mysteriöse Erscheinung auf einen aus dem All herabstürzenden Gesteinsbrocken zurückzuführen sei, meinte ein Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Andere Erklärungen wie ein Wetterleuchten oder Nordlicht seien aber eher auszuschließen. „Es war wahrscheinlich ein Meteorit. So wären jedenfalls die Druckwelle und der Knall zu erklären - das sind Anhaltspunkte.“ Möglichen Aufschluss hierüber könnten etwaige Schwefelspuren geben, die größere Meteoriten bei ihrem Eintauchen in die Erdatmosphäre gewöhnlich hinterlassen.

          Beim Wetterdienst meteomedia auf der Insel Hiddensee wurde das Leuchten ebenfalls registriert. „Das war eindeutig keine Wettererscheinung, sondern etwas Astronomisches“, sagte eine Meteorologin. Sogar im niedersächsischen Vechta und am Tegernsee im bayerischen Alpenvorland sei ein Glimmen am Horizont gesehen worden.

          Roger Svensson, der auf seinem Hof in Svensköp in Südschweden eine Überwachungskamera installiert hat, fing diese Bilder ein.

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