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Meergänse an der nordfriesischen Küste : Gans schnell weg nach Sibirien

  • -Aktualisiert am

Nicht lange darüber brüten: Auch die Dunkelbäuchigen Ringelgänse machen sich von der Nordseeküste jetzt auf nach Norden Bild: Carl-Albrecht von Treuenfels

Bevor sich die Meergänse in kürze auf den Weg in ihre nordischen Brutgebiete machen, machen sie an der deutschen Nordseeküste Station. Hunderttausende Vögel stärken sich dort für einen langen Flug.

          Es gibt keine andere Landschaft in Mitteleuropa, in der sich im Mai und Anfang Juni mehr Wildgänse aufhalten als an der nordfriesischen Küste zwischen der Elbmündung und der Nordspitze Sylts. Vor allem zwei Arten Meergänse bevölkern neben vielen anderen Zugvögeln jetzt große Teile des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Bis zu 120.000 Weißwangengänse („Nonnengänse“) und 60.000 bis 70.000 Ringelgänse stärken sich vor dem Abflug in ihre nordeuropäischen und sibirischen Brutgebiete in den Salzwiesen, auf den Deich- und Marschgrasweiden und gelegentlich auch auf den Getreidesaaten in Küstennähe.

          Dabei zeigen sie, da von der Jagd zu dieser Jahreszeit weitgehend verschont, wenig Scheu vor den Menschen. So kann, wer von Husum mit dem Auto zum Fährhafen nach Dagebüll unterwegs ist, an der Straße Hunderte Weißwangengänse sehen. Unmittelbar hinter dem Weidezaun äsen oder ruhen sie im Hauke-Haien-Koog und lassen sich auch nicht von den mit Kameras ausgerüsteten Autoinsassen stören. Auf den Halligen Hooge, Langeneß und Oland oder in der Nähe des Leuchtturms von Westerhever auf der Halbinsel Eiderstedt kann man mitunter in einer Entfernung von weniger als 50 Metern an Pulks von Ringelgänsen vorbeigehen, die hier ihre grünweißen Kotwürstchen dicht an dicht auf der kurzen Grasnarbe hinterlassen, wie sie es auch auf den Inseln Amrum, Föhr und Pellworm tun.

          Entschädigungszahlungen für Gänseschäden

          Bei Ebbe zieht es die Ringelgänse, die mit 60 Zentimetern etwa so groß wie eine Stockente sind, auch mal ins Watt; bei auflaufendem Wasser fallen sie dann wieder auf dem Grünland der Halligen und Inseln ein. Die um fünf bis acht Zentimeter größeren Weißwangengänse halten sich bevorzugt zu beiden Seiten der Deiche auf dem Festland auf. Dort geraten sie gelegentlich mit den 20 Zentimeter größeren heimischen Graugänsen aneinander. Diese zählen zu den Feldgänsen, haben in den vergangenen Jahren auch hier stark zugenommen und führen jetzt schon ihre Gössel.

          Auch an der niedersächsischen Küste, wo bis zu 150.000 Weißwangengänse und gut 20.000 Ringelgänse im Frühjahr auf dem Weg von ihren an den holländischen, französischen und englischen Küsten und im niederländischen Rheindelta gelegenen Winterquartieren Station machen, brechen die ersten Geschwader Mitte Mai nach Nordosten auf. Anfang Juni haben alle Ringelgänse und die meisten Weißwangengänse die Wattenmeerküste verlassen. Gut genährt von den jungen Frühlingsgräsern ziehen die Ringelgänse meistens nonstop 2000 Kilometer zu einem Zwischen-Rastplatz am Weißen Meer südöstlich der russischen Halbinsel Kola. Dort fressen sie sich Fettreserven für den gut 3000 Kilometer langen Weiterflug an die arktische Küste bis ins Delta der Lena an. Ein bevorzugtes Brutgebiet der Dunkelbäuchigen Ringelgans, die aus Deutschland kommt, ist die Taimyr-Halbinsel. Ihre nahe Verwandte, die Hellbäuchige Ringelgans, überwintert in Dänemark und Großbritannien und zieht zum Brüten nordwestwärts nach Spitzbergen und Ostgrönland. Hin und wieder erscheinen auch einige von ihnen an deutschen Küsten. Beide Unterarten tragen ein dunkles Gefieder mit zwei hellen Flecken am Hals, denen sie ihren Namen verdanken.

          Die Zahl der Dunkelbäuchigen Ringelgänse hat in den vergangenen 15 Jahren abgenommen. Wurden um 1990 noch mehr als 330.000 Vögel in den Winterquartieren gezählt, wird ihr Bestand jetzt mit weniger als 200.000 bei fallender Tendenz angegeben. Daher sind die Landwirte an den Küsten nicht mehr gar so kritisch gegenüber den Ringelgänsen, die unter EU-Vogelschutzrichtlinien stehen. Beigetragen dazu haben nicht unwesentlich die Entschädigungszahlungen für Gänseschäden, die den Bauern von den Bundesländern aus dem „Bergbauernprogramm“ geleistet werden.

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