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Mangelnde Pflege und ungeeignetes Saatgut : Deutsche Förster wollen Chinas Wälder retten

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Prächtig errgrünen soll der Wald, wie auf dem Gemälde in der Großen Halle des Volkes in Peking – hier bei politischen Gesprächen zwischen dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao und Vertretern der Europäischen Union. Bild: AFP

China hat in den vergangenen Jahrzehnten Wälder von der anderthalbfachen Fläche Deutschlands gepflanzt – doch der Zustand der Bäume ist äußerst schlecht.

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          Forstwissenschaftler der Universität Göttingen wollen China zu einem gesunden Wald verhelfen. Viele der in den vergangenen Jahrzehnten angepflanzten riesigen neuen Wälder seien in einem erbärmlichen Zustand, sagte Prof. Christoph Kleinn. Für die jeweiligen Baumsorten seien zum Teil falsche Standorte gewählt worden. Außerdem sei das Saatgut vielfach ungeeignet gewesen, und es mangele an Pflege.

          In China wurden in den vergangenen 30 Jahren etwa 50 Millionen Hektar Wald angepflanzt, was der eineinhalbfachen Größe Deutschlands entspricht. „Dies ist eine gewaltige Leistung, aber diese Plantagenwälder sind vielfach instabil“, sagte Kleinn. Das entspricht etwa einem Viertel aller weltweiten Aufforstungen in diesem Zeitraum.

          Die Göttinger Forscher wollen jetzt zusammen mit Kollegen aus Freiburg und Dresden sowie chinesischen Partnereinrichtungen Konzepte zum Umbau und zur künftigen Nutzung der Wälder erarbeiten. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt drei Jahre lang mit insgesamt 2,75 Millionen Euro.

          In Deutschland gebe es ein in Jahrhunderten gewachsenes großes forstwissenschaftliches Wissen, sagte Kleinn, und Erfahrungen mit großflächigen Aufforstungen. Die Lüneburger Heide habe beispielsweise vor rund 200 Jahren einer Sandwüste geglichen. „Heute gedeihen dort prächtige Wälder“.

          Um auch Chinas Plantagenwälder so zu entwickeln, dass sie stabil sind, möglichst viel Wasser und Kohlenstoff speichern und als Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten dienen können, brauche es Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, sagte Kleinn.

          Wie instabil viele chinesische Wälder derzeit seien, habe sich zuletzt im Januar 2008 gezeigt. Damals hatten Schneestürme und Eisbruch innerhalb weniger Tage 18 Millionen Hektar Wald vernichtet und einen wirtschaftlichen Schaden von rund 1,6 Milliarden Euro angerichtet.

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