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Luftverschmutzung in Asien : Im Dunstkreis des Feuers

Die Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur liegen im Dunst der Waldbrände Bild: picture-alliance/ dpa

Waldbrände und Brandrodungen in Indonesien und Malaysia führen zu einer hohen Luftverschmutzung, die Atemwege belastet und Touristen verprellt. Malaysia erwägt nun, künstlich Regen zu erzeugen, um die Luft zu säubern.

          Nach dem Tsunami nun Waldbrände: Die Brandrodung in Indonesien und Malaysia führt in den kommenden Monaten zu einer hohen Luftverschmutzung, die Atemwege belastet, Kuala Lumpur und Singapur in Rauch zu hüllen droht und Touristen von Reisen in die Region abhält. Der Rauch stammt von den Waldbränden auf der indonesischen Insel Sumatra. „Er geht über Grenzen hinweg“, sagt Mohamad Helmi Abdullah vom Wetteramt in Malaysia. „Unsere Sorge ist, daß er über die gesamte malaiische Halbinsel ziehen wird.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Insel Sumatra liegt gegenüber der Westküste Malaysias mit ihren beliebten Touristeninseln Penang und Langkawi. Weiter nördlich ist auch der thailändische Strandort Phuket betroffen. In den vergangenen Tagen lag die Sichtweite in Küstenstädten Malaysias teils bei weniger als zwei Kilometern - normal sind mehr als zehn Kilometer. Thailand gab eine Warnung an seine Fähren ab, da der Rauch die Sichtweite auf dem Wasser auf weniger als 500 Meter schrumpfen ließ.

          Künstlich Regen erzeugen

          Im vergangenen August hatten zwei Städte entlang Malaysias Westküste den Notstand ausgerufen. Damals stieg der Index der Luftverschmutzung auf einen Wert über 500 - Werte bis 100 gelten als normal, Werte von mehr als 300 als giftig. Nun kletterten die Meßwerte erstmals in diesem Jahr auf mehr als 100. Malaysia erwägt, künstlich Regen zu erzeugen, um die Luft zu säubern. In Thailand empfahlen die Behörden den Menschen mit Atemwegserkrankungen im Süden des Landes, einen Arzt um Rat aufzusuchen. Das Wetteramt in Singapur hat mit Hilfe von Nasa-Satelliten Anfang Juli 279 Wald- und Plantagenbrände allein auf der indonesischen Insel Sumatra aufgespürt.

          „Seit Anfang Juli nehmen die Brandherde auf Sumatra und Borneo zu. Sie setzen aufgrund der Trockenheit fast einen Monat früher ein als bislang“, sagt Foong Chee Leong, der Generaldirektor des Wetterdienstes der Nationalen Umweltbehörde Singapurs. Dank der Südwestwinde sind die Rauch- und Aschewolken bislang an der Wirtschaftskapitale Singapur vorbeigezogen. Anders als in Teilen Malaysias und Indonesiens liegt der Index für die Luftverschmutzung hier noch im normalen Bereich. „Wenn der Wind aber auf West dreht“, warnt Foong, „wird auch Singapur den Haze zu spüren bekommen.“

          „Wir sollten uns schämen“

          Längst sind die immer im Sommer wiederkehrenden Feuer ein Politikum in den Kernländern Südostasiens. Denn der Rauch („Haze“) führt zu Gesundheitsproblemen, zu Unterbrechungen des Flugverkehrs, zur Gefährdung des Seeverkehrs und zum Fernbleiben von Touristen. Malaysia und Indonesien liegen an der Straße von Malakka, der meistbefahrenen Schiffahrtsroute der Erde. Der starke Qualm, der die Region im Sommer 1997 plagte, soll zu Einnahmeverlusten und zusätzlichen Kosten von rund neun Milliarden Dollar geführt haben. Viele der Feuer werden von Mitarbeitern der Palmen- oder Gummiplantagen gelegt. Sie setzen die Brandrodung ein, da sie billiger und schneller ist als das mühsame Roden der Überreste des Tropendschungels per Hand.

          Erst im April hatte sich Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono öffentlich für die grenzüberschreitenden Rauchschwaden entschuldigt: „Wir sollten uns schämen. Jedes Jahr exportieren wir Haze nach Malaysia, Singapur und in andere Staaten. Wir sollten einen Krieg gegen den Haze beginnen.“ Viele Schlachten hat er noch nicht gewonnen: Im August 2005 hatte Indonesien erklärt, zehn Unternehmen aufgrund des Verdachts von Brandrodung vor Gericht bringen zu wollen. Bis heute ist unklar, ob das je geschehen ist.

          Allerdings steht Südostasien trotz der Waldbrände noch besser da als die Wirtschaftsmetropole Hongkong, die Sonderverwaltungsregion Chinas. Dort soll die Luftverschmutzung aufgrund der florierenden Produktion in der „Fabrik der Welt“, dem Perlflußdelta, jährlich 1600 Menschenleben fordern. Das hat die Universität Hongkong in einer Studie ermittelt. Die sich immer weiter verschlechternde Lage brachte James Cunningham, den amerikanischen Generalkonsul in Hongkong, dazu, öffentlich an Willen und Macht der Amtsträger zu zweifeln: „Warten Sie nicht auf die Regierungen, das Problem zu lösen“, rief Cunnigham Unternehmern in Hongkong zu. „Wir brauchen schnelle Fortschritte!“

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