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Luftjagd auf Bären : Den Elchen soll's recht sein

  • -Aktualisiert am

In Alaskas Tierreich kann ihnen keiner gefährlich werden: Bären beim Lachsfang an einem Fluss Bild: ddp images

In Alaska dürfen Bären jetzt auch wieder aus der Luft gejagt werden. Tierschützer protestierten dagegen - bislang vergebens. Doch nicht nur sie sind empört.

          Am Ende waren alle Proteste der Natur- und Tierschützer vergebens. Die Wildbehörde des amerikanischen Bundesstaats Alaska hat jetzt das traditionelle Verbot zurückgenommen, Bären auch von Hubschraubern oder Flugzeugen aus zu jagen. Zusätzlich erwägt das Board of Game, die vor allem in den bergigen Waldgebieten der Region lebenden Tiere mit Fallen zu erlegen.

          Das „snaring“ ist wie die Jagd aus der Luft selbst unter Jägern umstritten, da die Bären oft tagelang Qualen erleiden müssen. „In diesem Krieg gegen Bären setzt die Wildbehörde eine ganze Reihe von Jagdmethoden ein, die wir ablehnen“, sagt Jim Stratton, der Vorsitzende des Verbands zum Schutz der Nationalparks (NPCA) in Alaska. „Die Population der Raubtiere soll nur verkleinert werden, um Elche und Karibus zu vermehren.“ Nach Angaben des Naturschützers widerspricht das Vorgehen des Board of Game den strengen Regeln des National Park Service. „Eingriffe in die Population einer Art, um die Jagd auf eine andere Spezies zu fördern, sind ausdrücklich untersagt“, sagt Stratton.

          Zurück „in die Zeiten des Wilden Westens“

          Dass dabei neben den in Alaska weit verbreiteten Schwarzbären auch die seltenen Grizzlys leichte Beute werden könnten, empört in Amerikas größtem Bundestaat besonders die Tierschützer. Während der bis zu 700 Kilogramm schwere Ursus arctos in weiten Teilen der Vereinigten Staaten schon ausgerottet ist, leben in Alaska fast 98 Prozent der gesamten amerikanischen Population. Die Befürworter der als „Raubtierkontrolle“ verbrämten Jagd verweisen dagegen auf die schrumpfenden Herden von Elchen und Karibus, die mit Rentieren verwandt sind. Im dünnbesiedelten Alaska dienen die imposanten Tiere vielen der etwa 710.000 Bewohnern traditionell als Fleischlieferanten.

          Da Bären und Wölfe heute aber bis zu acht Mal so viele Elche und Karibus erlegen wie die Jäger, verweist die Wildbehörde auf das umstrittene „Gesetz über intensives Management“ der Populationen. Das im Jahr 1994 verabschiedete Regelwerk erlaubt dem Board of Game, Schießquoten zu erhöhen und Jagdbeschränkungen aufzuheben, um die Zahl der Paarhufer stabil zu halten. In vielen Regionen des Bundesstaats hat das „intensive management“ schon fragwürdige Praktiken hervorgebracht. Empörung riefen unter Tierschützern unter anderem das Vergasen von Wolfswelpen in ihren Höhlen, Schüsse auf Bärenjunge und Sauen sowie die Wolfsjagd aus Hubschraubern hervor, bei der die Tiere oft stundenlang durch die Wildnis gehetzt werden. „Ein Bundesstaat, der sich einst seiner wissenschaftlichen Methoden bei der Wildkontrolle rühmte, geht in die Zeiten des Wilden Westens zurück“, sagte Valerie Connor, die Direktorin des Umweltzentrums von Alaska, der „Los Angeles Times“.

          Schaufelgeweihe als Trophäe

          Wie vielen der etwa 10.000 Wölfe Alaskas wird es künftig auch den Schwarzbären und Grizzlys des Bundesstaats ergehen. Nachdem das Board of Game unlängst für einige Regionen das Verbot des „aerial gunning“ für Bären aufgehoben hatte, bereiten Mitarbeiter der Behörde gerade den ersten Einsatz vor. Er wird sie in den kommenden Wochen in die Einsamkeit des Dalton Highway am Polarmeer führen, wo sie mit Hubschraubern und Flugzeugen auf Bärenjagd gehen. Wie die Wildbehörde erklärte, sollen auf diese Weise die Herden der dort heimischen Moschusochsen geschützt werden. „Dieser Einsatz könnte die Tür für andere Regionen öffnen“, fürchtet David James, ein Jagdaufseher des Amts für Fischerei und Wild (DFG). „Dann wäre das Vorgehen in ganz Alaska erlaubt.“ Während das Board of Game die etwa 100.000 Schwarzbären, fast 30.000 Grizzlys und die Wölfe des Bundesstaats als Hauptursache für das Schrumpfen der Herden bei Moschusochse, Elch und Karibu ansieht, verweisen Fachleute wie Connor und der Biologe Brad Josephs auf Veränderungen des Lebensraums der Tiere.

          In den fünfziger und sechziger Jahren hätten in Alaska immer wieder Flächenbrände gewütet, auf die eine Futterexplosion gefolgt sei. „Die Zahl der Elche schoss damals in die Höhe und hat sich in den vergangenen Jahren wieder auf einem normalen Level eingependelt“, sagt Connor, die den sieben Mitgliedern des Board of Game eine raubtierfeindliche Haltung vorwirft. Die etwa eine Million Karibus und gut 200.000 Elche in dem Bundesstaat sind nach Meinung der Umweltschützerin eine stabile Population. Die von vielen als inhuman abgelehnte Jagd aus der Luft werten Connor und ihre Mitstreiter daher als einen weiteren Versuch der Wildbehörde, die Wildnis Alaskas zu einer touristenfreundlichen Elchfarm zu machen. Die bis zu zwei Meter breiten Schaufelgeweihe des Alces alces gelten als Trophäe. Ein Abschuss kostet bis zu 7000 Dollar.

          Kritiker fordern jetzt wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit der Bärenjagd aus der Luft. „Wir wissen noch nicht, ob die gerade legalisierten Methoden zur Verringerung der Bärenpopulation überhaupt sinnvoll sind und ob tatsächlich mehr Elchjunge überleben“, moniert der DFG-Biologe Bruce Dale. Aber ob das Board of Game die Forderung nach Untersuchungen beherzigt? In den vergangenen elf Jahren hat der Verband zum Schutz der Nationalparks 50 Verstöße der Wildbehörde gegen die Jagd- und Naturschutzvorgaben des National Park Service gezählt. Alaska hat aber stets darauf verzichtet, seine brachialen Regeln zu ändern.

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