https://www.faz.net/-gum-uv0w

Internationale Walfangkommission : Etappensieg für Walschützer

  • Aktualisiert am

Bleibt geschützt: Ein Buckelwal steigt aus dem Meer Bild: AFP

Die Walschutz-Diplomaten sind zufrieden, der kommerzielle Walfang bleibt offiziell weiterhin verboten. Doch wirklich geschützt hat das Moratorium die Meeressäuger noch nie. Japan als Walfangnation Nummer eins denkt zudem über eine eigene Walfangorganisation nach. FAZ.NET-Spezial.

          Bundesregierung und Artenschützer haben erleichtert auf den Ausgang der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission reagiert. „Wir können insgesamt sehr zufrieden sein“, urteilte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CDU) am Freitag in Berlin. Die Tagung in Anchorage im amerikanischen Bundesstaat Alaska war mit einem klaren Votum für den Fortbestand des kommerziellen Walfangverbots zu Ende gegangen. Die internationale Walschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) sprach von einer „Niederlage für Walfänger“. Die Walfangnation Japan drohte mit einem Austritt aus der Kommission. Dies hatte das Land allerdings in den vergangenen Jahren schon mehrfach getan.

          Seehofer nannte die Abschlussresolution aus Alaska ein politisches Signal für die anstehende Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzabkommens, die an diesem Sonntag in Den Haag beginnt. „Damit hat sich Deutschland erfolgreich für ein Gegengewicht zur Erklärung von St. Kitts und Nevis aus dem letzten Jahr eingesetzt“, sagte der Minister. Auf der vorigen IWC-Jahrestagung in dem Karibikstaat hatten die Walfangnationen eine knappe Mehrheit für eine Resolution zur schrittweisen Rückkehr zum kommerziellen Walfang mobilisieren können.

          Umweltorganisationen reagieren verhalten

          Die Umweltorganisation Greenpeace mahnte, echte Schutzmaßnahmen seien in Alaska nicht beschlossen worden. „Die Zeiten für Wale bleiben schlecht“, sagte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. „Weder das angeregte neue Schutzgebiet im Südatlantik ist beschlossen, noch konnte das tödliche japanische Wissenschaftsprogramm gestoppt werden“, kritisierte er. Die Walschutzländer sollten mit den Tagungsergebnissen nicht zufrieden sein.

          Auch die Umweltstiftung WWF zeigte sich enttäuscht. „Das Treffen brachte zwar kleine Fortschritte, diese entsprechen jedoch nicht dem aktuellen dramatischen Ausmaß der Bedrohung für Wale, Delfine und Tümmler“, sagte WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. Politischer Streit habe zielführende Ergebnisse verhindert.

          Gründet Japan weitere Walfangorganisation?

          Das Walfangland Japan drohte unterdessen mit einem Austritt aus der Internationalen Walfangkommission (IWC). Die Toleranzschwelle sei erreicht, betonte die japanische Delegation nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Jiji Press. „Wir sind zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit“, sagte Japans Vizekommissar Akira Nakamae. Japan hatte auf der Tagung in Anchorage den Antrag auf Genehmigung des sogenannten Küstenwalfangs für seine Fischer zurückgezogen, nachdem er angesichts des absehbaren Stimmenmangels chancenlos erschien.

          Japan kritisiert schon länger, die Internationale Walfangkommission (IWC) erfülle nicht mehr ihre ursprüngliche Aufgabe, einen nachhaltigen Walfang zu regulieren, und widme sich zu stark dem Walschutz. „Die IWC hat die letzte Chance verspielt, die Rolle einer Ressourcen-Management-Organisation wieder zu erlangen“, kritisierte Nakamae. Japan erwägt demnach, eine separate Walfangorganisation ins Leben zu rufen.

          „Beachtliche Mobilisierung“ der Walfanggegner

          Betont zurückhaltend kommentierten dagegen die Vertreter von Norwegen und Island die Ergebnisse des IWC-Treffens, obwohl sie in den vergangenen Jahren massiv auf die allgemeine Wiederzulassung des kommerziellen Walfangs gedrängt hatten. Der norwegische Walfangkommissar Karsten Klepsvik sagte der Nachrichtenagentur NTB, es habe in Anchorage „keine substanziellen Änderungen“ gegeben. Allerdings sei den Walfanggegnern eine „beachtliche Mobilisierung“ gelungen. Aus norwegischer Sicht positiv sei, dass das kommerzielle Walfangverbot weiter nur als „vorübergehend“ gelte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in der Vergabe der vom europäischen Gerichtshof gestoppten Pkw-Maut getrickst, um die Kosten möglichst niedrig erscheinen zu lassen? Neue Dokumente legen diesen Vorwurf nahe.
          Empfindet Schäubles Äußerungen als „wohltuend“: der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Streit über Maaßen : Nach der Attacke ist vor der Attacke

          Mit einer gezielt gesetzten Äußerung heizt Wolfgang Schäuble den Streit um einen möglichen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen weiter an. Wieso macht er das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.