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Internationale Gartenschau : Durch sieben Welten in achtzig Gärten

Sitzgelegenheiten auf dem Gelände der Internationalen Gartenschau Bild: dpa

Wilhelmsburg erblüht: Die Internationale Gartenschau in Hamburg entdeckt die größte Flussinsel Europas neu. Der größte Störenfried für Gärten aber bleibt vorerst.

          Für Bundespräsident Joachim Gauck ist es die erste Gartenschau. Der Eröffnungstermin stand schon fest, als Gauck nicht einmal gewählt war. Die Bundespräsidenten sind traditionell die Schirmherren der großen Gartenschauen in der Bundesrepublik. An diesem Freitag kommt Gauck nach Hamburg, um die Internationale Gartenschau (IGS) zu eröffnen. Dem Bundespräsidenten als ersten Besucher sollen bis zum 13. Oktober insgesamt 2,5 Millionen folgen. Sie lernen einen bislang wenig bekannten und wenig beliebten Stadtteil südlich der Elbe kennen: Wilhelmsburg.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bislang hat es in Deutschland 47 große Gartenschauen gegeben. Seit 1953 wird die Schau alle zehn Jahre erweitert zur IGS. Hamburg hat bislang acht Gartenschauen erlebt, davon vier internationale. Der Park „Planten un Blomen“ etwa ist ein erfreuliches Überbleibsel einer der Schauen. In diesem Jahr erblüht Wilhelmsburg, nach Manhattan die größte Flussinsel der Welt, also die größte in Europa. Hamburgers Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) spricht vom Gartenschaugelände als dem „Hamburger Central Park“. Die IGS zeige den Stadtpark des 21. Jahrhunderts. Der Anspruch wird gern in ein abgenutztes Modewort gekleidet: Nachhaltigkeit.

          Wilhelmsburg bekommt mir der IGS gleich mehrere neue Sportanlagen und eine Schwimmhalle. Aus der Blumenhalle wird nach dem IGS-Ende ein Basketballspielfeld. Das 100 Jahre alte Wasserwerk dient schon während der IGS als Gaststätte und soll es bleiben. Die in das Gelände einbezogenen etwa 200 Kleingartenparzellen bestehen ohnehin fort.

          „Soft House“: Neubauten in der Neuen Mitte Wilhelmsburg

          Die IGS ist aber noch mehr: nämlich die Entdeckung eines ganzen Stadtteils. Wilhelmsburg galt lange als in jeder Beziehung vernachlässigt. Die Politik hat das längst erkannt. Deshalb kam es dem damals noch von der CDU geführten Senat unter Ole von Beust gerade recht, für 2013 gleich zwei Großereignisse in den Süden der Stadt zu holen - neben der IGS auch die Internationale Bauausstellung (IBA). Wilhelmsburg hat in den vergangenen Jahren tatsächlich sein Gesicht verändert. Der S-Bahnhof wurde neu gebaut. Von dort führt der kurze Fußweg an ungewöhnlichen Bauten entlang zum Eingang der IGS. Die Behörde für Stadtentwicklung zieht in einen der Neubauten.

          Vor dieser großen Stadtentwicklung stand das Ende des alten Freihafens. Die Zäune sind verschwunden. Alte Gewerbegebiete wurden aufgegeben. Wilhelmsburg, nur wenige S-Bahn-Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, ist auf einmal tatsächlich wieder als Elbinsel zu erleben. Mit dem Boot können IGS und IBA von den Landungsbrücken aus erreicht werden. Kanäle durchziehen das Gelände; allerdings dürfen sie erst nach IGS-Ende auch mit Kanus befahren werden. Grünanlagen entstanden dort, wo noch vor wenigen Jahren Eisenbahngleise verliefen.

          Der größten Störenfried freilich ist immer noch da: die den Stadtteil in zwei Hälften teilende Reichsstraße. Immerhin kam jetzt eine neue Unterführung hinzu. Auch wurde der Lärmschutz verbessert. Und schließlich ist es ein besonderes Erlebnis, während einer Fahrt mit der Schwebebahn über das Gartenschaugelände die Wilhelmsburger Reichsstraße mit ihrem regen Fahrzeugverkehr hoch oben zu überqueren.

          Aber auch hier wird sich in den nächsten Jahren grundsätzlich etwas ändern: Die Reichsstraße soll nach Osten verlegt werden. Das eigentliche Gartenschaugelände ist etwa 100 Hektar groß. 20 Hektar davon sind Naturschutzflächen. Das Motto lautet „In 80 Gärten um die Welt“. Dabei werden sieben „Welten“ vorgestellt, von der „Welt der Häfen“ über die „Wasserwelten“ bis hin zur „Welt der Religionen“. Der Hauptrundweg ist sechs Kilometer, das Wegenetz 15 Kilometer lang.

          Für die Zeit der Gartenschau entstand in einem Birkenwald ein Hochseilgarten, gespannt über 36 Masten hinweg, mit fünf verschiedenen Parcours unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen. Geklettert werden kann auch ohne Besuch der Gartenschau. Bürgermeister Scholz hat das schon ausprobiert: „Ich kann ein solches Erlebnis nur jedem empfehlen.“ Er kündigte auch an, nach der IGS gern mit anderen Hamburgern über die beleuchteten Parkwege zu joggen.

          Auch mit einem Augenzwinkern ließe sich hinzusetzen: Spätestens im nächsten Bürgerschaftswahlkampf dürfte es so weit sein. Das wäre im Frühjahr 2015. In dem Jahr gibt es auch die nächste Bundesgartenschau, dann erstmals länderübergreifend im Havelland unter dem Motto „Von Dom zu Dom - das blaue Band der Havel“ mit mehreren Orten. Die Gartenschau beginnt in der Stadt Brandenburg und führt bis nach Havelberg in Sachsen-Anhalt. Wenn kein Rücktritt dazwischen kommt, was wir jetzt einfach mal annehmen, eröffnet sie - Joachim Gauck.

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