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Hurrikan „Wilma“ : „Wie ein wütendes Monster, das uns verschlucken will“

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„Wilma” erreicht Cancún Bild: REUTERS

Mit dem Potential, „katastrophale Zerstörungen“ zu verursachen, hat Hurrikan „Wilma“ die mexikanische Halbinsel Yucatán erreicht. Die Ferienregion wurde evakuiert, 6000 deutsche Touristen sind nach Berichten in Sicherheit. Auch in der Stadt Cancún in Mexiko habe der Sturm „Schäden in einem noch nie gesehenen Ausmaß“ angerichtet, so die Behörden.

          Der Hurrikan „Wilma“ hat in der besonders betroffenen Stadt Cancún in Mexiko „Schäden in einem noch nie gesehenen Ausmaß“ angerichtet. Das sagte der Gouverneur des Staates Quintana Roo, Félix González. Das Wasser stehe bis zu acht Meter hoch in der Stadt und erreiche bei einigen Hotels in Strandnähe das dritte Stockwerk, berichten ortsansässige Zeitungen am Samstag. Über Tote wurde zunächst nichts bekannt.

          Am Freitag war „Wilma“ mit Windgeschwindigkeiten von 230 Stundenkilometern über die mexikanische Insel Cozumel hinweggepeitscht und hat dann Kurs auf die Küste der Halbinsel Yucatán genommen. Besonders verheerend sei, daß sich der Sturm nur sehr langsam fortbewege und noch bis zu 24 Stunden über der gesamten Nordwestspitze der mexikanischen Halbinsel Yucatán wüten könne, teilten die mexikanischen Behörden mit.

          Sinnflugartige Regenfälle

          Der Wirbelsturm zerstörte mit brachialen Winden und meterhohen Brechern Strände, Hotelanlagen und alles, was sich ihm in Ufernähe in den Weg stellte. Weiter Inlands wurden Dächer abgedeckt, Bäume entwurzelt und Telefon- sowie Strommasten geknickt. „Es war ein Gefühl, als ob draußen am Haus ein wütendes Monster rütteln würde, das uns alle verschlucken wollte“, berichtet ein Augenzeuge.

          „Wilma” erreicht Cancún Bilderstrecke

          „Wilmas“ Vorläufer brachten der Region bereits in der Nacht zuvor sintflutartige Regenfälle - und die werden immer heftiger. Auf der mexikanischen Insel Isla Mujeres sind binnen 24 Stunden mehr als 1500 Liter pro Quadratmeter niedergegangen. Dies meldete der staatliche mexikanische Wetterdienst am Samstag. In Hamburg fallen im Vergleich etwas mehr als 700 Liter im ganzen Jahr.

          Die Massenausreise aus den Ferienorten kam nach Schließung des Flughafens von Cancún zum Erliegen. In Kuba wurden fast 370.000 Menschen in Sicherheit gebracht. In Florida rief Gouverneur Jeb Bush den Notstand aus. In den Ferienorten auf Cozumel und Yucatán wurden mehr als 30.000 Touristen aus ihren Hotels in Sicherheit gebracht. Viele saßen am Flughafen von Cancun fest. Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums der Vereinigten Staaten in Miami (Florida) hat der Sturm das Potential für „katastrophale Zerstörungen“.

          Reiseveranstalter sagen Flüge ab

          Unter den Touristen, die vor „Wilma“ in Sicherheit gebracht worden sind, befinden sich auch 6000 Deutsche. In der betroffenen Region wurde nach Angaben des Auswärtigen Amts das Botschaftspersonal in der Region verstärkt, um für Notfälle vorbereitet zu sein. Die Reiseveranstalter TUI, Thomas Cook und Rewe sagten am Freitag bis einschließlich kommenden Dienstag alle Flüge nach Yucatán ab (zur Reaktion der Unternehmen: Reiseveranstalter holen Touristen aus Mexiko zurück)

          Der Geschäftsführer eines Hotels auf Cozumel berichtet am Freitag nachmittag von den Auswirkungen „Wilmas“ auf der Insel. „Der Hurrikan hat uns mit voller Wucht erwischt“, berichtete er, „aber alle unsere Gäste sind in Sicherheit.“ Viele Touristen waren noch vor Eintreffen des Wirbelsturms abgereist. In den meisten Holtels auf Cozumel war nach Berichten von Angestellten die Lage trotz des Unwetters ruhig. „Keiner hat mehr das Haus verlassen, alle sind in besonders sicheren Räumen untergebracht“, berichtete ein Hotel. Nach übereinstimmenden Berichten gab es keine Verletzten. Auch über größere Schäden wurde zunächst nichts bekannt. „Wir haben alle gefährdeten Teile des Hauses zusätzlich gesichert“, hieß es.

          Ungewöhnlich groß, ungewöhnlich langsam

          Bevor „Wilma“ auf Cozumel geprallt war hatte der Hurrikan der zweithöchsten Kategorie vier wieder an Stärke gewonnen. Damit war er noch kräftiger als der verheerende Wirbelsturm „Katrina“ beim Auftreffen auf die amerikanische Golfküste am 29. August. Vor wenigen Wochen kamen mehr als 1200 Menschen ums Leben. „Wilma“ hat in der Karibik bisher 13 Menschen das Leben gekostet - zwölf auf Haiti und einer auf Jamaika.

          Nach Angaben des Hurrikan-Centers in Miami handelt es sich bei „Wilma“ um einen ungewöhnlich großen Hurrikan. Sein Auge habe einen Durchmesser von 65 Kilometern und bewege sich nur sehr langsam weiter. Dies führe dazu, daß der Regen in den betroffenen Gebieten noch länger anhalte als befürchtet.

          Florida „erwartet“ den Sturm am Montag

          Während das Auge über Land ziehe, herrsche womöglich stundenlang ein Zustand der trügerischen Ruhe, warnten die Meteorologen weiter. An den Rändern aber tobten Stürme, die noch in 300 Kilometern Entfernung katastrophale Verwüstungen anrichten könnten. Die Wetterexperten rechnen damit, daß „Wilma“ von Yucatán aus in Richtung Florida ziehen und dabei die Westspitze von Kuba streifen wird. Deshalb wurden auch dort so viele Menschen in Sicherheit gebracht. Im amerikanischen Staat Florida wird die Ankunft des Hurrikans nunmehr auf Montag terminiert, einen Tag später als bisher erwartet.

          Zugleich erhöhte sich die Sorge über die länger anhaltenden ausgiebigen Regenfälle. Der Sprecher des amerikanischen Präsident George W. Bush, Scott McClellan, betonte, die Menschen sollten den Hurrikan sehr ernst nehmen. Die Regierung verfolge die Situation genau. Die Bewohner deckten sich weiter mit Notvorräten ein.

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