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Happy End : Walfreiheit für Dawn und Delta

  • -Aktualisiert am

Die verwundeten Wale haben den Weg zurück in den Ozean gefunden Bild: AP

Etwa zwei Wochen lang irrten die beiden Buckelwale Dawn und Delta durch die Flüsse des kalifornischen Hinterlandes. Sie zogen sich klaffende Wunden und dicke Pusteln zu, doch nun haben sie den Weg zurück in den Pazifik gefunden.

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          Sie verschwanden so klammheimlich, wie sie gekommen waren. Irgendwann in der Dunkelheit, den starken Ebbstrom ausnutzend, schwammen die beiden Wale Delta und Dawn am Mittwoch unbemerkt unter der Golden-Gate-Brücke zurück in den Pazifik.

          In der Blogosphäre des Silicon Valley jubelte man: „Endlich frei!“ Die beiden Buckelwale, die Nordkalifornien mehr als zwei Wochen lang in Atem gehalten hatten, waren in ihr Element zurückgekehrt. Das saubere Salzwasser des Stillen Ozeans heilt nach Meinung von Fachleuten die klaffenden Wunden, die dicken Pusteln und die rauhe Haut, die sich die Wale bei ihrem Ausflug in die Flüsse des kalifornischen Hinterlandes zugezogen hatten.

          Wal-„Balzrufe“ und Orkas-„Angriffsschreie“

          Tausende Schaulustige hatten Anteil am Schicksal der Wale genommen. Zuschauer säumten das Hafenbecken in Sacramento, in dem die beiden Wale, ein Muttertier und ihr Kalb, zum erstenmal gesichtet wurden. Während des Pfingstwochenendes hatte die Küstenwacht bei strahlendem Frühlingswetter alle Mühe, Schwimmer, Taucher und Freizeitkapitäne von den Meeressäugern fernzuhalten. Scheinbar unbekümmert schwammen die Tiere vor einer Brücke im Sacramento-Fluss tagelang im Kreis, bis sie unvermittelt in Richtung Ozean aufbrachen.

          Während die Zuschauer die elegant fließenden Bewegungen der Kolosse, die aus einer fremden Welt stammen, mit Erstaunen und gewiss auch ein wenig ehrfürchtig verfolgten, gaben sich die Walexperten geradezu der Lächerlichkeit preis. Keiner der Tricks, mit denen sie die Meeressäuger in Richtung Meer zu locken versuchten, funktionierte.

          Weder die mit Unterwasserlautsprechern übertragenen „Balzrufe“ männlicher Wale noch die „Angriffsschreie“ von Orkas halfen. Weder die durch Hammerschlag erzeugten klappernden Metallgeräusche noch der Wasserschwall aus den Kanonen eines Feuerlöschbootes konnten die schwimmenden Ungetüme umstimmen. Sie taten, was ihnen gefiel, und kümmerten sich nicht um das viele Aufhebens, das um sie gemacht wurde.

          Wale denken nicht wie Menschen

          Warum die beiden Tiere auf ihrem alljährlichen Treck in die nährstoffreichen Gewässer des Golfs von Alaska die Bucht von San Francisco und den Regierungssitz Arnold Schwarzeneggers besuchten, wird für immer ihr Geheimnis bleiben. Vielleicht war es pure Neugier. Vielleicht wollte die Walmutter ihrem Kalb zeigen, wie es - gemessen an der Größe der Weltmeere - im lächerlich kleinen Rest der Welt, auf den Kontinenten, aussieht.

          Vielleicht waren die beiden auf der Flucht vor einem aggressiven Verfolger, oder sie hatten sich einfach nur verirrt. Indem die beiden Meeressäuger ihr Geheimnis für sich behielten, haben sie den Dutzenden von gutmeinenden Helfern, die sie keine Minute aus den Augen ließen, eine Lektion erteilt. Wale denken nicht wie Menschen. Und wenn der Mensch versucht, wie ein Wal zu denken, gerät er selbst in Untiefen.

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