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Haitauchen in Südafrika : Steckt bloß nicht die Arme raus

  • -Aktualisiert am

Der Haifisch, der hat Zähne Bild: Thomas Scheen

Haitauchen ist zu einer Touristenattraktion vor Südafrika geworden. Wenn der „Great White“ das Maul aus dem Wasser reckt, glaubt man nicht, dass er schutzbedürftig ist.

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          Mit den Haien sei das so, doziert Gerald, der Tauchführer: „Manchmal sehen wir sechs Stück in einer Stunde, manchmal den ersten erst nach Stunden.“ Der Mann hat den Satz noch nicht ganz vollendet, da teilt sich hinter dem schaukelnden Boot das Wasser und ein riesenhaftes Maul, taucht auf, dann ein monströs großer Fischleib. „Oh, die sind aber pünktlich heute“, frotzelt Gerald, als der Hai abermals den Kopf aus dem Wasser hebt und das Boot in Augenschein nimmt. Nicht irgendein Hai, sondern ein Weißhai; einer von der Sorte, die seit dem Film „Der Weiße Hai“ von Steven Spielberg als Mutter aller Monstren gelten. „Schaut euch diesen Hai an, ist der nicht wunderschön?“, ruft Gerald und hüpft von einem Bein aufs andere, während den zehn Tauchern an Bord die Kinnlade herunterklappt. „So groß hatte ich mir die aber nicht vorgestellt“, stottert schließlich ein schockierter Kanadier. „Ach was“, sagt Gerald, „das ist ein Baby. Die dicken Brummer kommen noch.“

          Gerald du Plaisis arbeitet für ein ebenso ungewöhnliches wie mittlerweile umsatzstarkes Gebiet der südafrikanischen Tourismusindustrie: das „Shark Diving“. Geralds Spezialität sind Weißhaie und sein Revier die Walker-Bucht im Indischen Ozean, die sich von Hermanus bis Gansbaai erstreckt. Hermanus ist berühmt für seine Wale, Gansbaai für seine Weißhaie. Sechs Seemeilen vom Festland entfernt liegen dort die beiden von Pelzrobben bewohnten Felsinseln Dyers Island und Geiser Island. Zwischen ihnen verläuft ein etwa sechs Meter tiefer und rund 100 Meter langer Kanal, die sogenannte Shark Alley. Nirgendwo sonst auf der Welt sind so viele Weißhaie an einem Ort zu sehen wie hier. Und weil das so ist, ist Gansbaai so etwas wie das Mekka der Haitaucher geworden.

          In neun Monaten über 20 000 Kilometer

          Dabei steht kein anderes Tier in einem ähnlich schlechten Ruf wie die bis zu sieben Meter langen und bis zu dreieinhalb Tonnen schweren Weißhaie. Menschenfresser seien sie, heißt es, Fressmaschinen mit absolut tödlicher Präzision. „Quatsch“, sagt Gerald und doziert über den Weißhai als Spitze der Fresspyramide, mit dem sich nicht einmal Schwertwale anlegen; über seine Weltenbummelei, die ihn in neun Monaten über 20 000 Kilometer von Südafrika nach Australien und zurück schwimmen lässt auf Autobahnen in großer Tiefe; und über die geheimnisvolle unterseeische Vulkankette im Atlantik, an der sich Weißhaie angeblich jedes Jahr zur Brautschau einfinden. „Ich kenne keine faszinierendere Kreatur“, befindet der stämmige Bure kurz und knapp. Wir Taucher nicken andächtig und sehen vor unserem inneren Auge doch nichts anderes als dieses Riesenmaul von vorhin.

          Gaansbaais Touristenattraktion

          Der Fischtran, den die Besatzung inzwischen als dünnen Film hinter dem Boot im Wasser verteilt, tut seine Wirkung. Nach wenigen Minuten folgen vier Haie dem Boot. Gerald nimmt ein gut zehn Kilogramm schweres Stück gefrorenen Thunfisch aus einer Kühlbox und spießt es auf einen Haken, der an einer langen Leine hängt. Als der Brocken die Wasseroberfläche trifft, schnellt sofort ein grauer Schatten heran und verschluckt den Köder, als sei er ein Party-Häppchen. „Das ist Billy-Boy“, sagt Skipper Grant, der Buch führt über die Haie: „vier Meter lang, vielleicht 1,5 Tonnen Gewicht, den kennen wir seit Jahren.“ Billy-Boy! Wie süß: Das Kerlchen hat einen Namen. Dabei ist der Fisch, der gerade seine imposante Rückenflosse zur Schau stellt, so lang wie das halbe Boot, auf dem sich insgesamt zwölf Personen befinden. Heißt das umgekehrt, dass er sechs Leute fressen kann, bevor er die Lust verliert? „Eher ertrinkst du in deiner Badewanne“, sagt Grant.

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