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Fischerei : Der gute Fang hat einen Haken

  • -Aktualisiert am

Im Hafen von Benoa auf Bali löschen Thunfisch-Fischer ihre Ladung Bild: dpa

Auf Bali macht der WWF Thunfisch-Fischern einen neuen Rundhaken schmackhaft. Ziel ist der Schutz der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröte. Nach Schätzungen verenden pro Jahr 250.000 der Tiere, weil sie in Netze geraten oder an herkömmlichen Haken angebrachte Köder schlucken.

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          Der Hafen von Benoa ist ein Ort, der wahrscheinlich in kaum einem Bali-Reiseführer erwähnt wird. Es stinkt nach Diesel - von Fischereiromantik keine Spur, wenn die Besatzung der soeben eingelaufenen Boote ihre Fracht löscht. Aus den Kühlkammern im Inneren der Kutter befördern sonnengegerbte Männer in hohen Gummistiefeln und verschwitzten T-Shirts die Ausbeute der knapp sechswöchigen Fahrt auf Metallrutschen ans Tageslicht: silbrigglänzende Thunfische, zwischen einem und eineinhalb Meter lang. Sie werden auf der offenen Ladefläche eines kleinen Transporters sofort in die nur einen Steinwurf entfernte Fischfabrik weitergekarrt.

          Dort wird die Ware begutachtet, die besten Exemplare kommen mit viel Eis in sargförmige Pappkartons und gehen per Luftfracht gut gekühlt nach Japan. Die Japaner zahlen die höchsten Preise, also bekommen sie auch entsprechende Qualität. Der Rest wird zu Thunfischsteaks, -streifen oder -würfeln weiterverarbeitet und tiefgefroren nach Europa oder Amerika expediert; was übrig bleibt, ist für die einheimischen Märkte bestimmt. So läuft das Geschäft, aber richtig gut läuft es längst nicht mehr.

          Immer weniger Fangausbeute

          Subadri, so der Name des 58 Jahre alten Kapitäns, hatte ursprünglich geplant, länger als nur vierzig Tage auf hoher See zu bleiben. Die hohen Spritpreise haben ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht, mehr war einfach für die Tankfüllung nicht drin. Außerdem klagt er, seine Mannschaft müsse mit immer weniger Ausbeute von den Fahrten zurückkehren: Während vor vier Jahren noch 14.000 Tonnen Thunfisch pro Jahr im Hafen von Benoa angelandet worden seien, bringe die Fangflotte inzwischen nur noch gut 9000 Tonnen davon nach Hause.

          Thunfisch ist weltweit ein Riesengeschäft. Vor allem in Japan ist der Fisch sehr begehrt.

          Subadri hat also allen Grund dazu, mürrisch an seiner Zigarette zu ziehen. Mit Naturschutzthemen, würde man denken, braucht man so einem gar nicht erst zu kommen. Doch weit gefehlt: Der Mann ist nicht nur Fischer, sondern nebenbei auch noch Beobachter für den World Wide Fund for Nature (WWF). Sein Auftrag: neue Angelhaken testen und aufschreiben, welches Getier anbeißt.

          Es ist ein wahrhaft ehrgeiziges Modellprojekt, mit dem der WWF seit einiger Zeit hausieren geht: 1300 Fischer - nicht nur auf Bali, sondern auch in anderen Fischereinationen wie Peru oder Mexiko - konnten während der vergangenen vier Jahre dazu gebracht werden, ihre alten Haken mit der klassischen J-Form durch neue Rundhaken, sogenannte Circle-Hooks, zu ersetzen. Das soll vor allem einem Ziel dienen, dem Schutz der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröte.

          Verheerende Auswirkungen normaler Fanghaken

          Tatsächlich sind die Auswirkungen des Fischfangs auf diese Tierart verheerend. Nach Schätzungen des WWF verenden jedes Jahr 250.000 Meeresschildkröten qualvoll, weil sie in Fangnetze geraten oder aber die an herkömmliche Haken angebrachten Köder schlucken. Zumindest Letzteres soll mit den neuen Rundhaken künftig viel seltener passieren: Wegen seines verhältnismäßig großen Durchmessers passt er schlichtweg nicht in ein Schildkrötenmaul; der ungewollte sogenannte Beifang dieser Tiere verringerte sich bei den bisherigen Testreihen um bis zu neunzig Prozent.

          Dieser beeindruckende Wert bedeutet aber noch längst keine Erfolgsgarantie, denn die Skepsis bei vielen Fischern ist groß: Wer ohnehin um seine Existenz fürchten muss, hat naturgemäß wenig Sinn für Experimente. Also kommt es darauf an, die richtigen Anreize zu setzen: Ein balinesischer Fischer wie Subadri, der sich bereit findet, an der WWF-Kampagne gegen den Schildkröten-Beifang teilzunehmen, bekommt die neuen Rundhaken umsonst. Zwar kostet ein gewöhnlicher, J-förmiger Haken nur 2000 indonesische Rupien, also umgerechnet rund 16 Cent. Aber auf die Masse kommt es an: Die einzelnen Fischerleinen, die ein Boot auf dem Meer hinter sich herzieht, sind bis zu hundert Kilometer lang; Tausende Haken hängen daran.

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