https://www.faz.net/-gum-oa4b

Fische : Nemo ist ein Transsexueller

  • Aktualisiert am

Männchen oder Weibchen? Bild: dpa/dpaweb

Bei Clownfischen funktioniert das Finden des richtigen Partners anders als bei unsereins. In einer Gruppe von zunächst geschlechtslosen Jungtieren bildet irgendwann der größte Fisch mit dem kleinsten der Gruppe ein Paar und setzt sich von den anderen ab.

          2 Min.

          Kai-Uwe Genzel, Leiter der Korallenfisch-Abteilung in der Stuttgarter Wilhelma, war am Montag im Kino. Den Zeichtentrickfilm „Findet Nemo“ findet er super, weil Nemos Art korrekt als der „Westliche Clownfisch“ wiedergegeben worden sei. Und „super“ findet Genzel auch den Wunsch vieler Kinder, zu Weihnachten selbst einen kleinen Nemo samt Aquarium geschenkt zu bekommen.

          Eltern haben dann allerdings neben der Finanzierung von rund tausend Euro für ein Salzwasseraquarium ein zusätzliches Problem: Sie müssen ihren Kleinen erklären, daß Nemo ein Transsexueller ist, daß er womöglich Kinder mit seinem zum Weibchen gewordenen Vater hat und später selbst auch das Geschlecht wechseln kann, sagt Genzel.

          „Das Weibchen ist die höchste Form der Existenz“

          Das Geschlechtsleben der Nemos ist kompliziert: Clownfische sind zunächst alle transsexuell. In einer Gruppe von zunächst noch geschlechtslosen Jungtieren - laut Genzel zumeist acht Fische - bildet irgendwann der größte Fisch mit dem kleinsten der Gruppe ein Paar und setzt sich von den anderen ab. Ist eine Anemone als Wohn- und Futterplatz gefunden, entwickelt sich der größere Fisch zum Weibchen und der kleinere zum Männchen.

          Wird das Weibchen - wie im Film Nemos Mutter - dann aber von einem Raubfisch gefressen, könnte Nemos Papa auf der Suche nach einem neuen Partner zu einem Weibchen werden und der noch nicht geschlechtsreife Nemo zu einem Männchen. „Es geht aber nie anders herum, immer nur vom Männchen zum Weibchen; das Weibchen ist die höchste Form der Existenz, und da ist Endstufe“, erläutert Genzel.

          Überleben in Unterwasserinseln

          Die biologische Funktion der Geschlechtsumwandlung hat mit Matriarchat laut Genzel aber nichts zu tun. „Die Riffe sind wie kleine, weit von einander entfernte Unterwasserinseln“. Dort immer einen passenden Geschlechtspartner zu finden, ist relativ schwierig. Oft sitzt nur ein einsamer Clownfisch auf einem Felsen und wartet auf einen Partner. „Kommt dann einer, paßt er eher sein Geschlecht dem neuen Partner an, als daß er die Chance auf Fortpflanzung verpaßt“, erklärt der Experte.

          "In Aquarien sind Clownfische einfach zu halten“, kompliziert sei nur die Salzwasseraufbereitung, sagt Genzel. Er empfiehlt deshalb auch allen Eltern Nemo-süchtiger Kinder, Kontakt zu einem Sachkundigen in einem Aquarienverein aufzunehmen. Der komme dann auch ins Haus, wenn es Probleme gebe. Und die könnten hierzulande bald gehäuft auftreten. Nach Angaben des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe in Langen meldeten Großhändler ein Umsatzplus bei Nemos von bis zu 300 Prozent. Vor einem möglichen Ende falsch versorgter Fische warnen Experten die überforderten Besitzer allerdings: Keinesfalls sollten sie so entsorgt werden wie der Film-Nemo - über's Klo.

          Weitere Themen

          Sie wollen doch nur tanzen

          Warum Clubs noch zu sind : Sie wollen doch nur tanzen

          Die Infektionszahlen sinken, und die Lust aufs Nachtleben ist groß. Aber Clubs bleiben vielerorts geschlossen. Könnte ab Juli wieder getanzt werden?

          Topmeldungen

          Schwieriges Terrain für die grüne Parteichefin: Annalena Baerbock am Freitag im Stahlwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt

          Besuch im Stahlwerk : Baerbocks Auswärtsspiel

          Ausgerechnet in einem Stahlwerk in Eisenhüttenstadt präsentiert die Kanzlerkandidatin der Grünen ihre Pläne für eine klimafreundliche Wirtschaftpolitik. Wie kommt das an?
          Die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry stellt am 18. Juni ihr neues Buch vor.

          Neues Buch : Frauke Petry rechnet mit der AfD ab

          Die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry meint, dass ihre frühere Partei einen langsamen Tod sterben werde. Gegen Jörg Meuthen und Alice Weidel erhebt sie in ihrem Buch „Requiem für die AfD“ schwere Vorwürfe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.