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FAZ.NET-Spezial : "Der Mount Everest hat uns nur geduldet"

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Das Dach der Welt Bild: ZDF

Acht Mal waren britische Expeditionen beim Vorhaben, den Mount Everest zu bezwingen, gescheitert, ehe Edmund Hillary und Tenzing Norgay vor 50 Jahren als erste Menschen den Gipfel betraten.

          3 Min.

          „Ein paar mehr Schläge mit dem Eispickel, und wir standen auf dem Gipfel.“ So einfach war die Erstbesteigung des Mount Everest in der Erinnerung von Sir Edmund Hillary. Am 29. Mai 1953 um 11.30 Uhr standen der Neuseeländer und sein Sherpa Tenzing Norgay auf dem Gipfel des mit 8.850 Metern höchsten Berges der Welt.

          Acht Mal waren britische Expeditionen seit 1921 beim Vorhaben, den Mount Everest zu bezwingen, gescheitert, ehe Hillary und Tenzing Norgay als erste Menschen den höchsten Himalaja-Gipfel betraten. Als Lohn für den erfolgreichen Gipfelsturm wurden Hillary und der Leiter der britischen Expedition, John Hunt, wenig später geadelt. Tenzing Norgay ging bei diesen Ehrungen leer aus, was sein Bergkamerad der Krone verübelte.

          Die Gruppe, der noch elf andere Bergsteiger und rund 350 einheimische Träger angehörten, war Mitte März von der nepalesischen Hauptstadt Katmandu in das Gebirgsmassiv aufgebrochen. In 5.250 Meter Höhe errichteten die Briten am Südfuß des Mount Everest das Basislager. In mühevoller Arbeit wurde von dort aus die Ausrüstung und Verpflegung in das 7.880 Meter hoch gelegene Lager acht geschleppt, das Ausgangspunkt für den Gipfelsturm war.

          Tenzing Norgay und Edmund Hillary

          Die letzten Meter

          Hillary und Tenzing Norgay begannen am 28. Mai gemeinsam mit George Low, Alfred Gregory und Ang Nima, die sie auf dem ersten Stück als „Träger“ begleiteten, den Aufstieg zu einem weiteren Camp in 8.500 Meter Höhe. Bei prachtvollem Wetter nahmen Hillary und Tenzing am folgenden Tag um 6.30 Uhr die letzte Etappe in Angriff. Das Thermometer zeigte minus 25 Grad.

          Hillary schilderte den Grataufstieg zum Gipfel: „Wir kamen gut voran. Während Tenzing mich sicherte, begann ich Stufen ins Eis zu schlagen. Wir überwanden Felsblock um Felsblock und eine überhängende Eiswächte nach der anderen. Plötzlich hatten wir unser Ziel erreicht. Es war fast eine Überraschung: Ein fester Schneekegel formte einen vollkommenen Gipfel, auf dem mehrere Menschen stehen konnten. Es war 11.30 Uhr und wir standen auf dem Gipfel des Mount Everest. Beide reichten wir uns die Hände. Wir blickten auf die Welt hinab, die wie eine Karte zu unseren Füßen lag.“

          Auf dem Trampelpfad zum Gipfel

          Weit über tausend Bergsteiger haben inzwischen das erhebende Gefühl genossen, von 8.848 Meter Höhe über den Himalaya zu schauen. Die Südroute, der so genannte Yak-Weg, ist zwischenzeitlich fast ein Trampelpfad geworden. „Die Hauptgefahr eines Everest-Kletterers ist heute, daß er mit anderen Kletterern zusammenstößt“, schrieb die Londoner Zeitung „The Guardian“ scherzhaft schon vor zehn Jahren. Der Berg der Berge hat in den letzten 50 Jahren nicht nur seinen Mythos verloren, er droht zwischenzeitlich auch durch den Massenandrang zur Müllkippe zu werden.

          Geld ist zum wichtigsten Faktor bei der Planung einer Expedition auf den Mount Everest geworden. 250.000 bis 500.000 Dollar (214.000 bis 427.000 Euro) kostet das kräftezehrende Vergnügen je Gruppe. Bis in die 70er Jahre setzte Nepal auf Klasse statt Masse. Pro Saison und Route wurde nur ein Team zugelassen. Seit Ende der 80er Jahre schnellen die Zahlen hoch. Diese Menschenmassen hinterlassen Müll. Hillary verlangte vergebens einen zeitweiligen Expeditionsstopp, um die Umwelt auf dem Dach der Welt nicht zu gefährden. Vier Tonnen Müll, vor allem Sauerstoffkanister, Konservendosen und Zelte, holen nepalesische Freiwillige regelmäßig vom Berg. Hundert Tonnen Abfall aus vergangenen Jahrzehnten sollen noch oben liegen.

          Kein Kinderspiel

          Trotz aller Technik und Hilfe ist die Everest-Tour immer noch kein Kinderspiel. Im April 2001 verlor der nepalesische Rekordbergsteiger Babu Chiri (35) auf gut 6.000 Metern Höhe den Halt und fiel in eine Gletscherspalte. 1999 hatte er mit 21 Stunden den bisher längsten Aufenthalt auf dem Gipfel verbucht, im Jahr 2000 mit knapp 17 Stunden den bislang schnellsten Aufstieg vom Basiscamp aus.

          Chiri war ein Volksheld in Nepal, auch deshalb, weil er auf seine Weise dem Kommerz entgegentrat. Einerseits verdiente er zwar gut als einer der gefragtesten Führer. Andererseits investierte er einen Teil des Geldes in eine Schule seines Heimatdorfes. „Die Kinder sollen nicht wie ich um die Chance der Erziehung gebracht werden“, sagte er.

          Peter Habeler, der 1978 zusammen mit Reinhold Messner den Mount Everest erstmals ohne Sauerstoffgeräte bezwang, hat den Respekt vor dem Bergriesen nicht verloren. Sein Aufstieg sei kein Sieg über den Berg, sondern höchstens über den eigenen Körper, die eigene Angst gewesen. "Der Everest ist von uns nicht besiegt, nicht bezwungen worden. Er hat uns lediglich geduldet."

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