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FAZ.NET-Spezial : Bester Blick auf die Venus

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Der Venustransit, fotografiert in Islamabad in Pakistan Bild:

Die Venus zog als kleiner dunkler Punkt über die Sonnenscheibe und die Welt schaute in die Ferne. Hunderttausende beobachteten das seltene Ereignis eines sogenannten Venustransits.

          Über Deutschland und vielen weiteren Teilen der Welt haben am Dienstag Hunderttausende ein seltenes Himmelsereignis beobachtet: Vor der Sonnenscheibe zog wie ein winziges langsames Flugzeug der Planet Venus vorbei - ein Ereignis, das in vollem Umfang von Mitteleuropa aus nur knapp alle 250 Jahre gesehen werden kann. „In ganz Deutschland und in weiten Teilen Mitteleuropas hatten wir für die Beobachtung des Venustransits ideale Bedingungen“, sagte Hubertus Wöhl vom Freiburger Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik. Klare Sicht und strahlendes Wetter machte von 7.20 Uhr an Hunderttausende neugierig auf das seltene Himmelsereignis. Der sogenannte Venustransit endete in Deutschland um 13.23 Uhr mit dem Wiederaustritt der Venus am unteren rechten Rand der Sonne.

          In Stadtparks, auf Plätzen, in der freien Natur oder in Volkssternwarten fanden sich weltweit Neugierige ein, um die Venus bei ihrem Lauf vor der Sonne mit speziellen Brillen und Fernrohren zu verfolgen.
          Auf dem Großen Feldberg im Taunus und vor dem Schwetzinger Schloß sowie an ungezählten anderen Treffpunkten kamen Hobby-Sterngucker zusammen, um das Schauspiel gemeinsam zu genießen. Zwar war das Interesse nicht mit der Begeisterung über die totale Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 zu vergleichen, doch erregte das Ereignis mehr Aufmerksamkeit, als die Astronomen erwartet hatten.

          Querliegender Tropfen

          Gegen 7.20 Uhr sah es für den Beobachter so aus, als berühre die Venus den Rand der Sonne. Zu sehen war die Venus, die als Abend- und Morgenstern immer wieder am Himmel auffällt, als querliegender Tropfen - eine optische Täuschung, da der Blick durch die Erdatmosphäre verzerrt wird. Langsam bewegte sich dann der etwa erdgroße Planet klein wie eine Erbse über die Oberfläche unseres Zentralgestirns. Diese sogenannten Venusdurchgänge sind von der Erde aus höchst selten zu sehen. Der letzte, der in Deutschland in vollem Umfang verfolgt werden konnte, fand am 6. Juni 1761 statt, der nächste in Mitteleuropa beobachtbare vollständige Venusdurchgang steht am 11. Juni 2247 an.

          Der Venustransit, fotografiert in Islamabad in Pakistan Bilderstrecke

          Der nächste Transit folgt nach der Himmelsmechanik zwar schon in acht Jahren, ist aber von Deutschland aus so gut wie nicht zu sehen. Wer am 6. Juni 2012 jedoch ganz früh aufsteht, kriegt immerhin bei Sonnenaufgang gerade noch mit, wie die Venus sich wieder von der Sonnenscheibe löst. Der zuvor stattfindende volle Lauf des Planeten über Sonne ist in der mitteleuropäischen Nacht unsichtbar.

          Begeisterung rund um die Welt

          Am Dienstag aber hatten sich Planetarien in Deutschland und allen Teilen der Welt gerüstet, um das Spektakel angemessen zu würdigen. Von der ostindischen Stadt Bhubaneswar bis New York City, von Sydney bis zu den Kanarischen Inseln warteten professionelle und Gelegenheitsastronomen auf den Eintritt der Venus in die Sonne. Dabei faszinierte viele Menschen vor allem die Tatsache, daß sie das Schauspiel allenfalls einmal in ihrem Leben verfolgen können, es sei denn, sie unternehmen 2012 eine Reise nach Hawaii oder Ostaustralien. Das wäre freilich die letzte Chance: Danach steht die Venus erst wieder in mehr als 100 Jahren exakt auf einer Linie mit Erde und Sonne - und das ist die Voraussetzung für einen Venustransit.

          Für die Wissenschaft ist das Ereignis eines Venustransits keine Sensation mehr. Luis Cuesta vom Astrophysikalischen Institut der Kanarischen Inseln wiederholte allerdings ein historisches Experiment. Er wollte mit der exakten Messung der Dauer des Venustransits noch einmal präzise die seit mehr als 100 Jahren in hoher Genauigkeit bekannte Entfernung zwischen Sonne und Erde - die sogenannte Astronomische Einheit - bestimmen. Noch vor dem Start des Experiments meinte Cuesta allerdings: „Erwarten Sie nicht, daß ich irgendetwas Neues finde.“

          Suche nach fernen Planetensystemen

          Für Planetologen war der Anblick interessant, um mehr über die Zusammensetzung Venusatmosphäre zu erfahren. Durch die Kraft der Sonne sei die Venus-Atmosphäre sehr gut zu sehen gewesen, sagte Sonnenforscher Wöhl. Die Beobachter hätten die Strahlung der Sonne genutzt, um die heiße Atmosphäre der Venus zu durchstrahlen. In dieser seien mittels spezieller Instrumente Anteile - etwa des häufigsten Gases Kohlendioxid - analysiert worden. Dieses Verfahren sei nur bei einem Venustransit möglich.

          Michael Khan von der Europäischen Raumfahrtkontrollstation (Esoc) in Darmstadt sagte: Ein solcher Vorbeizug sei für die Suche nach fernen Planeten interessant, die um andere Sterne kreisen. So werde das All mit Teleskopen nach eben solchen Phänomen abgesucht, die Rückschlüsse auf andere Sonnensysteme zuließen.

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